Bedeutung der Audio-CD geht eher zurück
Aus der Audio-CD wird bald ein Giga-Speicher

Als der Dirigent Herbert von Karajan vor genau 20 Jahren eine kleine Kunststoffscheibe von zwölf Zentimetern Durchmessern präsentierte, blieben viele Musikliebhaber zunächst noch skeptisch. Inzwischen verstauben Mill. Vinyl-Platten auf Dachböden, denn der Wechsel zur CD glich einem Siegeszug, den selbst kühne Prognosen nicht vorherzusagen wagten.

Reuters HANNOVER. Nun arbeiten Techniker in Laboren bereits an der vierten Generation der optischen Datenträger mit bislang unvorstellbaren Speicherkapazitäten von 100 Gigabyte. Die Bedeutung der Audio-CD hingegen geht sogar eher zurück.

"Auf dem Markt findet ein Generationswechsel statt. Optische Datenträger sind nicht mehr nur Audio-CDs", sagte Jürgen Dahmer, Leiter des Bereichs Kunststoffe der Bayer am Freitag auf einer Jubiläums-Pressekonferenz in Hannover. Videoclips, Computerprogramme und-spiele, Daten aller Art werden heute in großen Mengen auf silbernen Scheiben gespeichert. Bayer gehörte zusammen mit der inzwischen in den französisch-amerikanischen Konzern Vivendi Universal aufgegangenen PolyGram und dem Philips-Konzern zu den Förderern und Profiteuren des CD-Booms. Bayer zählt sich zu den führenden Herstellern des für CDs und DVDs verwendeten Kunststoffs Polycarbonat.

Wiege der Audio-CD steht in Hannover

Die Wiege der Audio-CD steht in Hannover-Langenhagen: Wenige Wochen nach der öffentlichen Präsentation der CD startete dort am 17. August 1982 bei PolyGram die weltweit erste Produktion einer CD in Großserie: Walzer von Frederic Chopin, interpretiert vom Pianisten Claudio Arrau. Wenig später folgte eine Pop-CD der schwedischen Gruppe Abba. Zeitgleich trieb auch der japanische Konzern Sony die CD voran. Aus einer Jahresproduktion von 376 000 Stück ist inzwischen im hannoverschen Universal-Werk eine Tagesproduktion von 750 000 CDs geworden. "Wir haben hier seit Beginn inzwischen 1,8 Mrd. optische Datenträger hergestellt", bilanziert Bodo Wiechmann, Geschäftsführer der Fabrik.

Seit dem Start vor 20 Jahren wurden weltweit mehr als 110 Mrd. Stück produziert, ein erheblicher Teil allerdings erst in den vergangenen Jahren. Denn bis 1997 machten die Audio-CDs praktisch den gesamten Markt aus. Inzwischen haben die CD-Rom als Speichermedium für Software und PC-Spiele und die neuen DVD-Scheiben nach Branchenangaben mittlerweile einen Marktanteil von 30 %. Allein im vorigen Jahr wurden weltweit 25 Mrd. Discs hergestellt, fast ein Viertel der Gesamtproduktion in 20 Jahren.

Künftige Disc-Generationen mit riesiger Speicherkapazitzät

Obgleich die erst seit 1996 existierende DVD den Markt noch gar nicht richtig erobert hat, wird schon an den nächsten beiden Generationen mit noch mehr Speicherkapazität gearbeitet. Die "Blu-ray disc", auf deren Standard sich alle führenden Hersteller im Februar geeinigt haben, bietet eine noch höhere Speicherdichte durch kleinere Strukturen für die Daten-Pits und engere Spuren auf den Scheiben. Speicherkapazität einer Blu-ray disc laut Bayer: 25 Gigabyte. Das Vierfache und damit ein Speichervolumen, das deutlich größer ist als bei den meisten gebräuchlichen Festplatten in Heimcomputern, sollen Discs bieten, bei denen die Daten noch dichter direkt auf der Oberfläche der Zwölf-Zentimeter-Scheibe gespeichert werden.

Bayer-Manager Dahmer geht davon aus, dass sich bis 2005 der Bedarf an Polycarbonat für die nur wenige Gramm leichten Kunststoffscheiben auf 800 000 Tonnen verdoppeln werde. Schon vor eineinhalb Jahren beschloss der Konzern, eine Milliarde Euro in den Aufbau neuer Kapazitäten für sein Polycarbonat-Produkt Makrolon zu investieren, vorrangig an Standorten in den Wachstumsmärkten Thailand und Asien.

Der Anteil der Audio-CD wird indessen sinken, wohl auch, weil per Internet Musik verfügbar ist und als MP3-Datei auf eigene Geräte heruntergeladen werden kann. Hinzukommt aktuell der Preisanstieg für Musik-CD, der im Einzelhandel zu erheblichen Absatzeinbußen geführt hat.

Eines wird womöglich bleiben: der Durchmesser der Kunststoffscheiben von zwölf Zentimetern. Dieses soll maßgeblich dem Dirigenten Karajan zu verdanken sein. Denn der pochte auf exakt diesen Durchmesser, damit nicht nur 60 Minuten wie von der Industrie geplant, sondern 74 Minuten Musik auf Polycarbonat gepresst werden konnte: Exakt die Länge der neunten Sinfonie von Ludwig van Beethoven.

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