Bedingungen angenommen
Taliban-Kämpfer in Kundus kapitulieren

Die Taliban-Kämpfer in der eingekesselten nordafghanischen Stadt Kundus haben sich am Donnerstag zur Kapitulation bereit erklärt. Ihr Kommandeur Mullah Faisal sagte nach Verhandlungen mit der Nordallianz, sowohl die afghanischen als auch die ausländischen Kämpfer in Kundus würden die Waffen niederlegen.

Reuters MASAR-I-SCHARIF. Ein Sprecher der Nordallianz sagte, die Afghanen könnten nach Haus zurückkehren, die Söldner aus arabischen Ländern, Pakistan und Tschetschenien würden hingegen vor Gericht gestellt. Sie gehören zur El-Kaida - Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden, den die USA wegen der Anschläge in New York und Washington jagen. Über Einzelheiten der Kapitulation wurde noch verhandelt.

Mit der Kapitulation von Kundus verbleibt nur noch Kandahar im Süden des Landes unter Kontrolle der Taliban. Der usbekische Kommandeur der Nordallianz, Abdul Raschid Dostum, sagte vor Journalisten, das Problem Kundus werde kampflos gelöst. Seit Dienstag hatte die Nordallianz über eine Kapitulation der mehr als 10 000 Kämpfer in der Stadt verhandelt.

Die Taliban-Bastion lag tagelang unter heftigem Beschuss und war auch am Donnerstag wieder von US-Kampfflugzeugen bombardiert worden. Schon seit Tagen wurde berichtet, dass die Taliban- Kämpfer zur Aufgabe bereit seien. Aber die ausländischen Söldner hätten sich dem entgegengestellt. Sie seien davon ausgegangen, dass sie keine Gnade von der Nordallianz zu erwarten hätten und würden daher bis zum Tod kämpfen, hieß es. Ob sie sich alle den Anordnungen des Taliban-Kommandeurs Faisal zur Niederlegung der Waffen beugen würden, blieb zunächst unklar.

Der Kommandeur einer paschtunischen Anti-Taliban-Gruppe ging davon aus, dass die Taliban-Kämpfer aus Kundus freies Geleit wollten, um sich den Verteidigern von Kandahar im Süden anzuschließen. Kandahar, das Zentrum der Taliban-Bewegung, ist noch unter deren Kontrolle. Dort wird auch ihr Oberhaupt Mullah Mohammad Omar vermutet. Nach dem Fall von Kundus ist es die letzte Taliban-Hochburg. Kandahar werde niemals aufgegeben, verkündete die Taliban-Führung.

Pakistan verfügte am Donnerstag die Schließung der Taliban- Botschaft in Islamabad. Sie war die letzte diplomatische Vertretung der Taliban. Zuvor musste sie bereits ihre Konsulate in den Städten Peshawar und Quetta schließen.

Die USA schickten zusätzliche Soldaten für die Suche nach Bin Laden nach Zentralasien und schlossen den Einsatz regulärer Bodentruppen in Afghanistan nicht aus. Das Verteidigungsministerium teilte mit, es habe Marineinfanteristen in die Region entsandt, die auf die Suche nach Bin Laden vorbereitet seien.

Bisher durchkämmen US-Sondereinheiten den Süden Afghanistans nach Bin Laden, zu dem auch die militärisch in die Defensive gedrängten Taliban eigenen Angaben zufolge keinen Kontakt mehr haben. US-General Tommy Franks sagte in Usbekistan, der Einsatz konventioneller Bodentruppen sei "noch nicht vom Tisch". In Usbekistan, dem nördlichen Nachbarland Afghanistans, haben die USA Gebirgsjäger stationiert.

Bei der für Montag geplanten Afghanistan-Konferenz in Bonn werden nach Angaben des Auswärtigen Amtes vier Gruppen vertreten sein: Die von Usbeken und Tadschiken dominierte Nordallianz, Vertreter des afghanischen Ex-Königs Mohammed Sahir Schah und in Deutschland lebender Afghanen, Exil-Afghanen aus Zypern, die mit dem ehemaligen afghanischen Kommandeur Gulbuddin Hekmatyar und Iran in Verbindung stehen sowie eine Gruppe paschtunischer Stämme, die sich im pakistanischen Peshawar gebildet hat. Ziel der Konferenz ist es, die politische Erneuerung Afghanistans auf den Weg zu bringen. Die bislang Afghanistan regierenden Taliban sind nicht nach Bonn eingeladen.

In Kabul landete unterdessen nach UNO-Angaben ein erstes Flugzeug der Vereinten Nationen (UNO) mit Hilfslieferungen. Die Maschine aus Islamabad habe unter anderem Nahrungsmittel und andere Hilfsgüter in die Stadt gebracht, teilte ein UNO-Vertreter in Rom mit. In Afghanistan sind nach UNO-Angaben mehrere Mill. Menschen dringend auf Hilfslieferungen angewiesen.

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