Bedingungen ist die Aussöhnung der Länder
EU offen für Balkan-Länder

afp BRÜSSEL. Die Europäische Union (EU) breitet ihre Arme weit aus: Nach einem Jahrzehnt voller Krisen und Kriege sind die Länder des Balkan in Europa wieder gerne gesehen. "Ihr seid uns herzlich willkommen", lautet nach Angaben eines EU-Diplomaten die zentrale politische Botschaft beim Gipfel der EU mit den Balkan-Staaten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Jugoslawien, Mazedonien und Slowenien am Freitag in Zagreb. Allerdings erwartet die EU Gegenleistungen: Sie will auf Aussöhnung und Zusammenarbeit der Länder, Heimkehr der Flüchtlinge und Auslieferung von Kriegsverbrechern an das UN-Tribunal dringen. Doch auch die Balkan-Länder haben hohe Erwartungen: "Wir brauchen keine allgemeinen Erklärungen, wir brauchen konkrete Hilfe", fordert der albanische Außenminister Paskal Milo.

Feierliche Ernennung der Beitrittskandidaten

Die feierliche Ernennung zu "potenziellen Beitrittskandidaten" dürfte den fünf Ländern Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Jugoslawien und Mazedonien trotz der geschraubten Formulierung gefallen. Immerhin macht die EU auf diese Weise deutlich, dass es ihr ernst ist mit einer möglichen Erweiterung bis auf den Balkan. Doch ist der Weg dahin noch lang.

Slowenien und Mazedonien in Verhandlungen am weitesten

Nach Slowenien, das bereits Beitrittsverhandlungen führt, ist Mazedonien am weitesten vorangekommen: Beim Gipfel wird es ein so genanntes Stabilitäts- und Assoziationsabkommen mit der EU schließen. Mit Kroatien werden derartige Verhandlungen in Zagreb eröffnet. Albanien dagegen ist aus Sicht der EU dazu längst nicht bereit. Sorgen bereitet der Union vor allem der Staatshaushalt, der sich zu großen Teilen aus Zolleinnahmen speist. Die angestrebte zollfreie Handelszone mit der EU ist so vorerst unmöglich.

Über 4 Mrd. Euro für wirtschaftlichen Wiederaufbau

Die von Außenminister Milo geforderten Hilfsgelder für sein Land und die Region aber wird es trotzdem geben. Vor rund einer Woche zurrten die EU-Staaten nach langem Streit ein Paket über insgesamt 4,65 Mrd. Euro bis zum Jahr 2006 fest, um wirtschaftlichen Wiederaufbau und Demokratisierung auf dem Balkan zu unterstützen. Über die genaue Verteilung der Summe aber ist noch nicht entschieden.

Einige Balkan-Länder fürchten, dass sie zu kurz kommen, weil das Geld nun auch mit Jugoslawien geteilt werden muss. Als der französische Präsident Jacques Chirac im Sommer den Gipfel ins Leben rief, war Jugoslawien noch fest in der Hand des europäischen Erzfeindes Slobodan Milosevic. Jetzt aber - und dieser historische Wandel soll in Zagreb ausführlich gewürdigt werden - ist der gesamte Balkan demokratisch regiert.

Strategie der Annäherung

Mit ihrer Strategie der Annäherung will die EU nicht nur alte Fehler auf dem Balkan wieder gutmachen. Sie erhofft sich Einfluss auf die Region. Im Gegenzug für Geld und Annäherung werden die Staats- und Regierungschefs der 15 auf ihre Forderungen pochen: Wirtschaftsreformen sollen langfristig eine Freihandelszone zwischen den Balkan-Ländern und der EU ermöglichen, bessere Waffenkontrollen sollen der Gewalt ein Ende bereiten, Schutz für Minderheiten sowie eine Erleichterung der Flüchtlingsrückkehr sollen nicht zuletzt den noch in Deutschland lebenden Kroaten, Serben und Kosovo-Albanern einen Anreiz zur Heimkehr geben, und der Menschenschmuggel Richtung EU soll härter bekämpft werden.

Slowenien kein Balkan-Land

Slowenien, das nicht als Balkan-Land gelten möchte, nimmt auf dem Gipfel eine Sonderstellung ein. Die ehemalige jugoslawische Teilrepublik führt längst konkrete Verhandlungen mit Brüssel über einen EU-Beitritt. Präsident Milan Kucan reist daher auch nicht selbst nach Zagreb, sondern schickt einen Minister.

Montenegros Präsident will nicht neben Kostunica sitzen

Unklar war zunächst, ob der montenegrinische Präsident Milo Djukanovic anreisen wird. Er sträubt sich dagegen, am Tisch der Bundesrepublik Jugoslawien hinter Präsident Vojislav Kostunica Platz nehmen zu müssen, sondern will als gleichrangig gelten. "Das ist ein Ereignis von Staaten im internationalen Sinne", heißt es dazu kühl in Brüssel. Daher müssen die nach Unabhängigkeit strebenden Kosovo-Albaner hinnehmen, dass sie von UN-Verwalter Bernard Kouchner vertreten werden.

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