Bedürfnis nach Sicherheit
Waffenverkäufe in Kalifornien steigen sprunghaft an

Die Angst vor weiteren terroristischen Anschlägen in den USA verändert die Kaufgewohnheiten der Kalifornier. Nach den Terrorattacken auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September verzeichnen Waffengeschäfte und Militaria-Läden einen sprunghaften Kundenanstieg.

ddp SAN FRANCISCO. In Kalifornien wurden vom 10. bis 24. September 9 000 Waffen verkauft. Im gesamten Vorjahres-September waren es 6 800 Verkäufe, berichtet der Sprecher des kalifornischen Justizministeriums, Mike Van Winkle. Gestiegen ist auch die Nachfrage nach Schutzanzügen und Notfallkoffern, so genannten Survival Kits, mit Nahrung und Medikamenten. Selbst Notausrüstungen für Haustiere mit Tiernahrung und Decken werden geordert.

Seit dem Erdbeben von 1989 verfügt in San Francisco bereits jeder Haushalt über ein "earthquake - survival kit", einen Medizinkoffer mit Nahrung und regenabweisenden Decken. Nach den Ereignissen des 11. September sortieren viele Einwohner ihre Koffer neu: Batterien, Pfefferspray und Wasservorräte kommen hinzu. Im Angesicht der Bedrohung durch Terroristen wird in den Geschäften auch ein Produkt verlangt, das bislang nicht Bestandteil der Katastrophenausrüstung war - israelische Gasmasken.

"Ich habe 200 israelische Gasmasken in den ersten drei Tagen nach den Attacken verkauft", berichtet Tony Cucchiara, Eigentümer des "Trader's Gun-shops" in San Leandro, einem der größten Waffenläden in der Gegend rund um die Bay. Bei allen Sicherheitsprodukten seien israelische Sicherheitsstandards gerade sehr gefragt.

Bin Laden im Fadenkreuz

Im Cucchiaras Laden hängt Osama Bin Ladens Porträt im Fadenkreuz der Zielscheibe gleich hinter der Verkaufstheke. Vor der Theke reihen sich die Kunden geduldig ein, um eine Formschreiben auszufüllen, sich beraten zu lassen und schließlich die gewünschte Waffe ausgehändigt zu bekommen. Für viele ist es der erste Waffenkauf in ihrem Leben. Cucchiara hat allein in den vergangenen vierzehn Tagen 700 Handfeuerwaffen verkauft, mehr als sonst in drei Monaten.

Ron Culver aus San Francisco gehört zu denjenigen, die sich zum ersten Mal eine Waffe anschaffen: "Das, was in New York passiert ist, zeigt mir, dass niemand für meine Sicherheit garantieren kann - ich auch nicht. Aber mit einer Waffe habe ich zumindest das Gefühl, mich und meine Familie im Notfall verteidigen zu können. Bisher war das schlimmste gesellschaftliche Ereignis hier eine wirtschaftliche Depression - das hat sich über Nacht verändert", begründet der Mann seine private Aufrüstung.

Notfallausrüstungen für Haustiere

Die Internetseite des lokalen "Earthquake Supply Center" von San Francisco brach bereits am vergangenen Wochenende völlig überlastet zusammen. "Nach jedem Statement von Bush oder Rumsfeld steigen die Clicks auf unsere Webseite stark an. Zurzeit kann ich aber nur noch Notfallausrüstungen für Haustiere liefern", berichtet Eigentümerin Monika Skyler. "Nach dem Erdbeben von 1989 haben die Kalifornier aufgeatmet und gesagt: 'O.k., es ist vorbei'. Jetzt glauben die meisten, dass die Bedrohung künftig zum Leben dazugehören wird." Sie rechnet daher mit einer längerfristig anhaltenden Nachfrage.

Für Brian Normandy, Geschäftsführer der "Jackson Army Shooting Ranch and Gun Shop" im Süden von San Francisco, waren die letzten vierzehn Tag äußerst erfolgreich. Seine zehn Schießstände sind bereits um 11.00 Uhr belegt und für die nächsten drei Wochen ausgebucht. "Die große Nachfrage ist für diesen Teil der USA sehr ungewöhnlich. Aber nachdem die Leute gesehen haben, wie das World Trade Center zusammenfiel, haben die Menschen auch hier Angst um ihre Sicherheit. Es geht auch nicht um Rache, sondern sie wollen sich selbst verteidigen können, was ja ihr gutes Recht als amerikanische Staatsbürger ist", sagt er.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%