Beethovenhaus unterliegt
Manuskript der Neunten versteigert

Das erste Druck-Manuskript für die Neunte Symphonie von Ludwig van Beethoven ist am Donnerstag in London für 2,99 Mill. Euro (2,13 Mio Pfund) versteigert worden. Damit wurde ein Höchstpreis für ein Beethoven-Manuskript erzielt, teilte das Auktionshaus Sotheby's mit.

HB/dpa LONDON/BONN. Das Bonner Beethovenhaus hatte nach eigenen Angaben bis zu einer Summe von etwas mehr als zwei Millionen Euro mitgeboten, musste sich aber von einem telefonischen Mitbieter geschlagen geben. Die Strecker-Stiftung in Mainz hatte das Manuskript zur Versteigerung gegeben. Der Erlös solle in die Musikerziehung fließen, teilte die Stiftung mit.

Das 1826 vollendete Manuskript mit 575 Seiten und zahlreichen handschriftlichen Notizen wurde einem privaten Käufer zugeschlagen. Über die Identität des Käufers, der möglicherweise als Mittelsmann auftrat, wurde bei Sotheby's Stillschweigen gewahrt. Eckhardt sagte, das Manuskript sei sehr wichtig für die wissenschaftliche Forschung.

Das Bonner Beethovenhaus habe sein Interesse bekundet, es beim neuen Besitzer einsehen zu können. Die Bonner wollten das Manuskript mit Hilfe öffentlicher und privater Geldern an den Rhein holen. Es habe "Interesse aus der ganzen Welt" gegeben, betonte eine Sotheby's-Sprecherin. Das Auktionshaus hatte den Preis für die von Hand korrigierte, letzte Version vor der Drucklegung auf umgerechnet zwischen 3 bis 4,5 Millionen Euro geschätzt. Es sei "vielleicht das wichtigste Musikwerk, das jemals versteigert worden ist". Beethovens Neunte sei schließlich "eine der größten Leistungen der Menschheit", hieß es in einer Mitteilung. Das handgeschriebene Originalmanuskript der Neunten Symphonie befindet sich in der Staatsbibliothek Berlin.

Unzufrieden über Kopisten

Das von zwei Kopisten erstellte Druck-Manuskript enthält den Angaben zufolge Tausende von letzten Änderungen des Komponisten. Diese seien zum Teil von erheblicher Bedeutung. Seine Unzufriedenheit über die Arbeit der Kopisten äußerte Beethoven mit Randbemerkungen wie "Du verfluchter Kerl". Auch völlig neue, bisher unveröffentlichte Passagen der 1824 von Beethoven vollendeten Symphonie seien in dem Manuskript enthalten, teilte Sotheby's mit.

"Der Erlös von fast drei Millionen Euro wird die Effektivität der Stiftungsarbeit sichern", sagte der Stiftungsvorsitzende Peter Hanser-Strecker. Die Stiftung habe das wertvolle Manuskript versteigert, um Initiativen zur Förderung des Musiklebens und der Musikerziehung finanzieren zu können. Die im März 2002 gegründete Stiftung ist nach eigenen Angaben mit einem Kapital von sieben Millionen Euro eine der großen privaten Musikstiftungen in Deutschland.

Memory of the World

Das inzwischen zur "Europa-Hymne" avancierte Musikstück war 1817 von der Royal Philharmonic Society in London in Auftrag gegeben worden. Seit Ende 2001 gilt Beethovens Neunte mit Schillers Schlusschor "Ode an die Freude" ganz offiziell zum "Gedächtnis der Menschheit." Die Deutsche UNESCO-Kommission nahm im Dezember 2001 in Bonn eine Urkunde in Empfang, in der die Aufnahme des Musikwerks in die von der UNESCO geführte Liste "Memory of the World" dokumentiert wurde.

Die Berliner Staatsbibliothek besitzt noch weitere Beethoven- Handschriften, darunter die 4. und 5. Symphonie, sowie den größeren Teil der 8. Symphonie und die Egmont-Ouvertüre. Auch die Handschriften aller großen Mozart-Opern liegen in Berlin. Der bisherige Höchstpreis für ein Musikmanuskript wurde laut Sotheby's im Mai 1987 erzielt, als die Noten von neun Mozart-Symphonien für damals 2,5 Millionen Pfund versteigert wurden.

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