Befragung hat begonnen
Ausschuss und Saar-Justiz vernehmen Sirven

Kurz vor der Auslieferung des früheren Elf- Managers Alfred Sirven nach Frankreich haben Politik und Justiz in Deutschland einen vorerst letzten Versuch unternommen, ihn zur Leuna- Affäre zu befragen.

dpa FRANKFURT/MAIN. Der Untersuchungsausschuss des Bundestages zur CDU-Finanzaffäre und saarländische Justizbeamte reisten am Dienstagvormittag nach Frankfurt am Main, um den 74-Jährigen in der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt zu vernehmen. Unklar blieb bis zuletzt, ob Sirven zur Aussage bereit war.

Unmittelbar vor der Anhörung sagte der Ausschussvorsitzende Volker Neumann (SPD), Sirven solle auch über die Rolle des inzwischen untergetauchten früheren CSU-Verteidigungsstaatssekretärs Holger Pfahls befragt werden. SPD-Obmann Frank Hofmann betonte, vor allem die Geldflüsse beim Verkauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie an Elf Aquitaine stünden im Vordergrund des Interesses.

Sirven war von 1989 bis 1993 Direktor im Elf-Konzern und dort auch mit für die Leuna-Privatisierung zuständig. Dabei sollen Schmiergelder in Höhe von 256 Mill. Francs (etwa 77 Mill. DM) geflossen sein. In deutschen und französischen Medien wurde vermutet, dass Teile davon der CDU zu Gute gekommen sind.

"Letzte Chance" nutzen

Der Berliner Untersuchungsausschuss hatte in einer Sondersitzung nach Worten Neumanns beschlossen, die "letzte Chance" zu nutzen, Sirven vor seiner Auslieferung zu hören. Außer dem Ausschuss reisten am Dienstag auch zwei Staatsanwälte und zwei Kripo-Beamte aus dem Saarland nach Frankfurt. Sie wollten Sirven im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen Geldwäsche gegen den deutschen Geschäftsmann Dieter Holzer vernehmen. Dieser gilt als eine der Schlüsselfiguren bei der Leuna-Privatisierung.

Nachdem es zunächst geheißen hatte, Sirven solle wegen Sicherheitsbedenken in nicht-öffentlicher Sitzung vernommen werden, wurden kurzfristig doch 20 Journalisten in das Gefängnis eingelassen. Dies führte zu Unmutsäußerungen bei zahlreichen, auch aus Frankreich angereisten Berichterstattern, die wegen der Begrenzung nicht zum Zuge kamen.

Sirven, der nach seiner Abschiebung von den Philippinen bei der Zwischenlandung in Frankfurt in Haft genommen wurde, soll am Dienstagabend an die französischen Behörden übergeben werden. Er war Ende vergangener Woche auf den Philippinen festgenommen worden. Der hessische Generalstaatsanwalt hatte am Montag die Auslieferung beschlossen.

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