Befürchtete Ertragseinbußen
Post-Aktie stürzt auf Tiefststand

Berichte über bevorstehende Konkurrenz beim weitgehend geschützten Monopolgeschäft der Deutschen Post AG und Verluste bei der Express-Tochter DHL haben die "Aktie Gelb" auf einen neuen Tiefststand fallen lassen.

afp FRANKFURT/BONN. Im Xetra-Handel der Deutschen Börse stürzte das Papier am Donnerstagnachmittag vorübergehend um fünf Prozent auf 16,10 ? (31,49 DM). Dies war der niedrigste Wert seit dem Börsenstart im vergangenen November.

Der Ausgabepreis für Erstanleger hatte 21 ? (41,07 DM) beziehungsweise für Frühzeichner 20,50 ? (40,09 DM) betragen. Beim Tiefstand büßten Erstanleger rechnerisch mehr als ein Fünftel ihres Kapitals ein. Später erholte sich der Kurs wieder auf 16,60 ? (32,47 DM); damit lag die "Aktie Gelb" gemessen am Vortag noch zwei Prozent im Minus. "So richtig erklären kann sich das keiner", sagte Post-Sprecher Nobert Schäfer der Nachrichtenagentur AFP.

Nach Informationen der "Wirtschaftswoche", die in Branchenkreisen bestätigt wurden, wollen mehrere Verleger in Konkurrenz zur Deutschen Post bundesweit Briefzustellung anbieten. Dazu sollen die bereits bestehenden regionalen Zustellnetze der Medienunternehmen miteinander verknüpft werden. Für Briefe und Postkarten bis 200 Gramm hat die Deutsche Post über eine so genannte Exklusivlizenz eigentlich ein Monopol; Wettbewerb ist nur möglich, wenn andere Firmen mehr Service bieten. Der "Wirtschaftswoche" zufolge hoffen die Konkurrenten auf einen Marktanteil von 30 % am Briefmarkt. Die Deutsche Post hatte bereits am Mittwoch angekündigt, sie wolle den angeblich geplanten Namen des Konkurrenzprojekts "Zweite Deutsche Post" juristisch verhindern.

An schlechten Nachrichten liegt es nicht

"An der Nachrichtenlage kann es eigentlich nicht liegen", sagte Schäfer zum schweren Kurssturz der Post-Aktie. Das Unternehmen verfüge über ein "Top-Briefnetz", das in den 90er Jahren für vier Mrd. DM (gut zwei Mrd. ?) modernisiert worden sei. Ein derartiges Netz könne kein Konkurrent bieten. Die Kursausschläge der "Aktie Gelb" seien durch die ankündigte Konkurrenz nicht zu begründen, ebensowenig wie durch ein angebliche bevorstehendes Defizit bei der Post-Tochter DHL.

Die "Financial Times Deutschland" berichtete, bei der Post-Tochter DHL International sei das US-Geschäft im ersten Halbjahr vermutlich in die roten Zahlen geraten. Dies gehe aus dem Halbjahresbericht der Deutschen Lufthansa hervor, die mit einem Minderheitsanteil an dem Luftexpressunternehmen beteiligt ist. Mit einem negativen Ergebnis aus ihrer 25-Prozent-Beteiligung an DHL rechtfertige die Lufthansa ihr schlechtes Finanzergebnis. Die Deutsche Post besitzt die Mehrheit an DHL; bislang ist das Tochterunternehmen aber noch nicht voll in die Bilanz des Bonner Konzerns einbezogen. Schäfer sagte, der Post lägen noch keine testierten Zahlen für das US-Geschäft von DHL vor. "DHL International macht Gewinn", betonte der Post-Sprecher.

Börsianer zeigten sich gelassen angesichts des Kursverfalls bei der Post. Die Entwicklung bei DHL habe jeder bereits an den Halbjahreszahlen der Lufthansa ablesen können, sagte Andreas Kehl von der Deutschen Bank. Eckhard Frahm von Merck Finck sagte, die Entwicklung habe auch mit der Gesamtstimmung zu tun. Große Konzerne wie die Deutsche Post selbst und die Deutsche Telekom hätten angekündigt, im nächsten Jahr weitere Aktienpakete an die Börse bringen zu wollen, erinnerte Frahm. "Das bremst in so einer Phase." Es gebe aber weiterhin "viel Liquidität im Markt", von daher bestehe auch Hoffnung für die Entwicklung der Kurse. Bereits am Mittwoch war die "Aktie Gelb" um 2,42 % gesunken; zum Handelsschluss hatte das Papier 16,95 ? gekostet.

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