Befürchtete Schwankungen am Aktienmarkt erschweren auch im neuen Jahr die Emission von Aktien
Banken warten auf Börsengang von T-Mobile

Zwei Großplatzierungen von teilprivatisierten Konzernen werden wohl das deutsche Emissionsgeschäft bei Aktien im neuen Jahr dominieren. Die Telekom will ihre Mobilfunksparte an die Börse bringen, der Bund weitere Post-Aktien abgeben. Insgesamt erwarten Investmentbanker mehr Börsengänge als 2001, aber keinen Boom.

HB FRANKFURT. Die Güte des Emissionsjahres 2002 hängt in großem Umfang von einem Börsengang ab. Die Investmentbanker in Deutschland bewegt deshalb die Frage nach der geplanten Emission von T-Mobile, Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, so stark wie kaum eine zweite. Der Grund: Mit einem Volumen von bis zu 10 Mrd. ? wäre das Börsendebüt der Telekom-Tochter das dominierende Ereignis auf dem deutschen Aktienmarkt im neuen Jahr – wenn es wegen der unsicheren Lage an den Börsen nicht doch noch verschoben wird. "Ob T-Mobile kommt oder nicht, entscheidet darüber, ob man dem Volumen nach von einem guten oder schlechten Jahr sprechen kann", meint Stephan Sturm, Co-Leiter des Investment Banking bei Credit Suisse First Boston (CSFB) Deutschland in Frankfurt.

Für die Banken, denen bei der Platzierung fette Provisionen winken, wäre T-Mobile geradezu eine Erlösung nach dem extrem schlechten Vorjahresgeschäft. Gerade einmal 2,5 Mrd. ? brachten die nur 20 Börsengänge (Initial Public Offering – IPO) im vergangenen Jahr ein. "2001 war ein Desaster", urteilt kurz und bündig Ernst Fassbender, Managing Director bei Merrill Lynch in Deutschland.

In das neue Jahr gehen die Banker mit der unbestimmten Hoffnung auf bessere Geschäfte – aber allzu rosig sind die Perspektiven nicht. Zwar haben in den Wochen vor Weihnachten einige namhafte europäische Konzerne wie Crédit Agricole und der schweizerische Rückversicherer Converium erfolgreiche Börsengänge hin gelegt und damit wenigstens noch für einen halbwegs versöhnlichen Jahresausklang gesorgt. Doch dass dies der Auftakt eines regelrechten IPO-Booms ist, glaubt niemand – weder in Deutschland noch anderswo in Europa.

Insgesamt wurden in Europa (siehe Tabelle) nach Berechnungen von Dealogic im vergangenen Jahr Börsengänge im Wert von 31,6 Mrd. $ platziert. 2000 waren es noch 94,2 Mrd. $. Nach Berechnungen von Dealogic fiel damit die Emissionstätigkeit auf den tiefsten Stand seit 1995. Bei den Konsortialführern an der Spitze in Europa standen 2001 Merrill Lynch vor Morgan Stanley und UBS Warburg.

"Aussichten bleiben mau"

Dass Zurückhaltung herrscht, zeigt etwa die Äußerung von Sturm. Er rechnet für die erste Jahreshälfte nur mit wenigen Börsengänge. Erst ab Sommer könnte sich das Geschäft beleben. Auch Fassbender ist zurückhaltend: "Die Aussichten bleiben mau." Zwar werde es eine gewisse Verbesserung gegenüber 2001 geben; "Luftsprünge" seien aber wegen der hohen Schwankungsanfälligkeit der Märkte kaum zu erwarten. Zudem schrecke das niedrigen Kursniveau potenzielle Börsenkandidaten ab. Viele mittelständische Firmen, die grundsätzlich einen Börsengang in Erwägung zögen, könnten dank ihrer Finanzkraft das Going Public auf bessere Zeiten verschieben.

Etwas optimistischer ist Philip Mallinckrodt, Managing Director von Schroder Salomon Smith Barney in London (SSSB). Er rechnet für Europa mit Eigenkapitalemissionen von 120 bis 150 Mrd. ?. Freilich werde nur ein Viertel bis ein Drittel auf Neueinführungen zurückzuführen sein. Beim großen Rest dürfte es sich um andere Spielarten der Eigenkapitalgeschäfts wie Zweitplatzierungen und Wandelanleihen handeln. Auf Deutschland dürften etwa 15 % des europäischen Volumens entfallen, so Mallinckrodt – das wären immerhin mehr etwa 20 Mrd. ?. Zum Vergleich: Im letzten Jahr betrug der Anteil Deutschlands am europäischen Emissionsgeschäft laut SSSB knapp 6 %.

Ob Deutschland wieder auf das Niveau zurückkehrt, das es auf Grund seiner Wirtschaftskraft in Europa haben müsste, hängt im wesentlichen davon ab, ob sich T-Mobile an die Börse wagt oder nicht. Auch der zweite große Hoffnungsträger des Jahres ist ein teilprivatisierter Konzern. Der Bund erwägt eine Zweitplatzierung der Post-Aktie, die im November 2000 auf dem Parkett debütierte. Im Gespräch ist die Platzierung von rund 20 % des Kapitals. Doch wird die Platzierung wohl nur erfolgen, wenn der Kurs zumindest in die Nähe des alten Emissionspreises von 21 ? klettert. Derzeit notiert das Papier nur bei rund 15 ?.

Daneben werden in den Chefetagen der Frankfurter Banken noch die Namen des Stromversorgers EnBW, der Kirch-Gruppe und einiger weiterer Firmen als Börsenkandidaten herumgereicht. Besonders lang ist die Liste allerdings nicht, denn anders als noch vor einigen Jahren, als Börsengänge monatelang im Voraus angekündigt wurden, halten sich die meisten Aspiranten heute wegen der wackeligen Finanzmärkte mit konkreten Börsenplänen bedeckt. "Es gibt keine typische Liste mit Börsenkandidaten mehr", erläutert Matthias Mosler, Leiter des europäischen Aktienemissionsgeschäfts von Merrill Lynch in London.

Hoffnungsträger der Banken für das neue Jahr ist die Steuerreform. Ab Januar ist die Veräußerung von Beteiligungen für Aktiengesellschaften steuerfrei. Dies dürfte vor allem große Kreditinstitute wie die Deutsche Bank und Versicherer wie die Allianz zum Abbau ihres Beteiligungsportfolios animieren. "2002 wird das Jahr der Monetarisierungen", meint Mosler mit Blick auf die Vielzahl von Firmen, die Minderheitsbeteiligungen an der Börse versilbern wollen. Privatanleger haben davon aber wohl wenig. Denn die Transaktionen dürften zumeist in Form von großen schnellen Blockverkäufen erfolgen, die sich lediglich an institutionelle Investoren richten. Das gleiche gilt für die meisten Umtauschanleihen als Sonderform von Bonds, die in Aktien getauscht werden können und zum Beteiligungsabbau genutzt werden.

Etwas mehr Auswahl haben diejenigen Anleger, die sich europaweit orientieren. Mosler geht davon aus, dass die Emissionstätigkeit im zweiten Halbjahr auf dem ganzen Kontinent anzieht. In Italien beispielsweise stünden eine Reihe von Privatisierungen wie die des Energieriesen Enel und von Wind an. In Frankreich erwartet er zahlreiche Wandelanleihen, die dort eine höhere Bedeutung haben als in anderen Ländern Europas. Lediglich in Großbritannien rechnet Mosler mit weniger Emissionen als in 2001. Aber die Engländer haben gut vorgelegt: Im vergangenen Jahr gab es auf der Insel besonders viele Emissionen.

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