Befürworter und Gegner liefern sich heftigen Schlagabtausch
ÖTV streitet um die Zukunft von ver.di

Während ÖTV-Chef Mai sagt, mit einem "Nein", wäre in Zukunft nichts mehr zu gestalten, sehen Kritiker ver.di als "bürokratische Fehlkonstruktion".

vwd/afp LEIPZIG. In der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) haben Funktionäre auch am Dienstag hart um das Für und Wider einer Fusion zur Mammut-Gewerkschaft ver.di gerungen. Eine Probeabstimmung am späten Nachmittag oder frühen Abend sollte zeigen, ob eine qualifizierte Mehrheit bei der endgültigen Abstimmung im kommenden März erreicht werden kann. In der Debatte bezeichnete der ver.di-Kritiker und ÖTV-Bezirkschef von Nordrhein-Westfalen II, Hartmut Limbeck, ver.di als eine "bürokratische Fehlkonstruktion"; sie sei allenfalls "ein ADAC für Arbeitnehmer".

ÖTV-Chef Herbert Mai sagte, mit einer Nein-Stimme sei "nichts mehr zu gestalten in Zukunft". Nach dreijähriger Arbeit an ver.di sei der "Prozess jetzt reif für eine Entscheidung", betonte Mai und bat die Zweifler, "sich zu überwinden". Die ÖTV benötigt für die geplante Fusion ein Zustimmungsquorum von 80 %. Sollten auf dem Kongress deutlich weniger als 70 % der rund 530 Delegierten für ver.di stimmen, steht das Projekt vermutlich vor dem Aus. Der geschäftsführende Hauptvorstand wird das Ergebnis nach der Abstimmung beraten und bewerten.

In der insgesamt siebenstündigen Debatte mit rund 80 Redebeiträgen kritisierte Limbeck, die Mammut-Organisation habe keine politische Perspektive und Durchsetzungskraft. Bemängelt wurde auch, dass in ver.di 13 relativ eigenständige Fachbereiche die Vielzahl an Berufsgruppen vertreten sollen und dadurch die Organisation selbst geschwächt werde. Zahlreiche hauptamtliche ÖTV-Funktionäre befürchten überdies den Verlust an Macht und Einfluss, weil durch die Fusion rund 40 % der 162 ÖTV-Kreisverwaltungen geschlossen werden müssten.

Die ver.Di-Befürworter warfen den Kritikern dagegen eine "rückwärtsgewandte Diskussion" vor. Sie hätten keine Alternative zu ver.Di und keine Antworten auf die tiefgreifenden Umbrüche und Veränderungen der Arbeitswelt und der Gesellschaft. Der Delegierte Ludwig Stöber, seit 30 Jahren Mitglied in der 1949 gegründeten ÖTV, fordert die Delegierten auf, "politisch" zu entscheiden. Die ÖTV, die in den vergangenen vier Jahren rund 200 000 Mitglieder verlor, habe eine überalterte Mitgliedschaft und sei kaum noch reformfähig. Insoweit biete ver.Di die Chance für einen Neuanfang.

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