Begegnung kurz vor dem Festessen
Händedruck zwischen Bush und Schröder

Erstmals nach dem Irak-Krieg sind sich US-Präsident George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder wiederbegegnet und haben sich die Hand gegeben. Auf dem Abschluss- Diner der 300-Jahr-Feier in der russischen Stadt St. Petersburg ging Bush am Samstag auf den Kanzler zu und sprach einige Worte mit ihm. Ein längeres Einzelgespräch war aber weiterhin nicht geplant.

HB/dpa ST. PETERSBURG. Das persönliche Verhältnis zwischen Bush und Schröder gilt wegen des Zerwürfnisses über die Irak-Politik und dem von Washington als anti-amerikanisch empfundenen Bundestagswahlkampf als schwer belastet. Dem ersten persönlichen Wiedersehen der beiden Politiker seit einem halben Jahr wurde deshalb besondere Bedeutung beigemessen. Schröder und Bush sollten sich bereits am Sonntag erneut beim Wirtschaftsgipfel der führenden Industrienationen (G 8) im französischen Evian begegnen.

Zu der Begegnung zwischen Bush und Schröder kam es kurz vor Beginn des Festessens, das der russische Präsident Wladimir Putin für 300 Staatsgäste in der früheren Zarenresidenz Peterhof gab. Die Situation habe "so entspannt wie möglich" gewirkt, hieß es in der Delegation. Der Kanzler saß bereits am Tisch, als Bush den Saal betrat. Der US- Präsident habe Schröder gefragt: "How are you?" (Wie geht es Ihnen?) Der Kanzler habe geantwortet: "Fine" (gut). Beide hätten kurz miteinander gesprochen, hieß es weiter. Anschließend habe Bush auch Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf begrüßt und sei dann zu seinem Tisch weitergegangen.

Bush hatte bereits bei seinem Besuch in Polen bekräftigt, beim G 8-Treffen in Evian auf die Gegner des Irak-Krieges zugehen zu wollen. Mit Blick auf den Irak sagte auch Schröder am Samstag nach einem EU- Russland-Treffen bei Petersburg, jetzt gehe es nicht darum, ein "Stück Zeitgeschichte aufzuarbeiten, sondern nach vorn zu blicken". Schröder und Bush waren sich zuletzt beim NATO-Gipfeltreffen in Prag Ende November begegnet und hatten sich auch damals die Hand gegeben. Nach dem Ende des Irak-Krieges hatte die Bundesregierung Versöhnungssignale ausgesendet und sich unter anderem für einen Konsens im UN-Sicherheitsrat zu der von den USA vorgelegten Resolution über die Nachkriegsordnung im Irak eingesetzt. Vor gut zwei Wochen hatte US-Außenminister Colin Powell Berlin besucht und Schröder getroffen.

Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker rief Schröder und Bush zur Versöhnung auf. Der "Bild"-Zeitung (Samstag) sagte er: "Beide Seiten müssen sich kräftig bewegen, und das tun sie auch. Persönliche Abneigungen zu pflegen ist keine verantwortliche Politik!"

Unterdessen kam aus Deutschland zunehmend Kritik, die US-Regierung habe die Gefahr durch Massenvernichtungswaffen im Irak dramatisiert und als Kriegsvorwand missbraucht. SPD-Fraktionsvize Gernot Erler sagte der "Berliner Zeitung" (Samstag), die Glaubwürdigkeit der Kriegsparteien USA und Großbritannien stehe auf dem Spiel. Entsprechende Äußerungen von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und dessen Vize Paul Wolfowitz "deuten daraufhin, dass die USA die Vereinten Nationen instrumentalisiert haben".

Auch der CDU-Europaparlamentarier Elmar Brok sagte dem Blatt, es sei "Schaden für die Zukunft" entstanden, weil in den Augen der Bevölkerung mit falschen Gefahrenanalysen argumentiert worden sei.

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