Begeisterter Radler sieht Bahn-Reform als eine Hauptaufgabe
Klimmt-Nachfolger gilt als „pragmatischer Analytiker mit Biss“

afp DÜSSELDORF. Der designierte Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) hat in seiner erst zweijährigen Zugehörigkeit zum Bundestag eine Blitzkarriere hingelegt: Nachdem sich der 45-jährige Niederrheiner als Parlamentsneuling seit 1998 erste Sporen im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales verdient hatte, rückte er im vergangenen März zum Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium auf. In dieser Funktion bewies er nach Meinung seiner Parteifreunde eine glückliche Hand als Koordinator bei der Verteilung der Milliardenerlöse aus der Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen im Verkehrsbereich. Bei seinen Weggefährten gilt der in Grevenbroich (Kreis Neuss) lebende Sozialdemokrat mit gewerkschaftlichem Hintergrund als "pragmatischer Analytiker mit Biss". Als gelernter Wohnungskaufmann stammt der künftige Minister für Verkehr, Bau und Wohnungswesen zwar von seiner Ausbildung her im weitesten Sinn aus der Branche; bis zum Wechsel ins Verkehrsministerium stand Bodewigs politischer und beruflicher Werdegang jedoch eindeutig im Zeichen der Sozialpolitik. Dass er deshalb eher dem linken SPD-Lager zuzuordnen sei, weist der politische Senkrechtstarter allerdings zurück: Er fühle sich "in der Fraktion nicht irgendeinem Flügel zugeordnet". Jeder Politiker müsse seine eigenen Inhalte definieren. Als eine zentrale Herausforderung im neuen Amt nannte Bodewig am Donnerstag die Zukunftssicherung der in schwere finanzielle Turbulenzen geratenen Bahn. Dabei gehe es aber nicht ausschließlich um die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene. Wichtig sei vielmehr, "unheimliche Zuwächse" im Verkehr zu bewältigen, "ohne die Schiene zu vernachlässigen".

Seit 1973 SPD-Mitglied

Der am 29. April 1955 in Rheinberg am nördlichen Niederrhein geborene Bodewig trat 1973 in die SPD ein; seit 1975 engagiert er sich in der Gewerkschaftsbewegung. Der Realschul- und Fachoberschulabsolvent für Wirtschaft arbeitete nach dem Fachabitur 1976 zunächst als Wohnungskaufmann und seit 1981 als Leiter der Verwaltungsstelle für den Zivildienst beim Bezirksverband Niederrhein der Arbeiterwohlfahrt. Seine Gewerkschaftsarbeit führte ihn 1986 zum Düsseldorfer Landesbezirk des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), für den er 14 Jahre lang die Abteilung Sozialpolitik/Öffentlicher Dienst leitete. Beim Düsseldorfer DGB steht das ÖTV-Mitglied Bodewig im Ruf eines kooperativen Mitarbeiters, der sich schnell in Zusammenhänge einarbeiten kann. Seine SPD-Karriere begann der desginierte Verkehrsminister bei den niederrheinischen Jusos, deren Bezirkschef er von 1982 bis 1988 war. Wegbegleiter aus damaliger Zeit beschreiben ihn als nachdrücklichen Verfechter des Ausstiegs aus der Atomenergie und als Kritiker der Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Westdeutschland. 1995 übernahmen Bodewig den Vorsitz der SPD im Kreis Neuss westlich von Düsseldorf. Nach der Bundestagswahl 1998 zog Bodewig über die SPD-Landesliste ins Parlament ein, nachdem er sich als Direktkandidat in seinem Neusser Wahlkreis seinem CDU-Kontrahenten Willy Wimmer beugen musste. Seinen Wohnsitz in der Kleinstadt Grevenbroich hat Bodewig auch nach seinem Amtsantritt als Parlamentarischer Staatssekretär beibehalten. Der 45-Jährige lebt im Ortsteil Hemmerden mit seiner aus Hamburg stammenden Frau Astrid und zwei kleinen Söhnen im Alter von zwei Jahren und einem Jahr. Dass Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ihn als Klimmt-Nachfolger auserkoren hatte, erfuhr Bodewig nach eigener Aussage erst am Donnerstagmorgen. Gefeiert wird die Ernennung am Wochenende: "Da werde ich sicher mit meiner Frau anstoßen." Nach Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) wird mit Bodewig übrigens der zweite passionierte Radsportler am Kabinettstisch Platz nehmen. Vom Radsattel kennen sich die beiden bereits bestens: Zusammen mit Scharping absolvierte Bodewig schon zweimal das renommierte Straßenrennen HEW-Classics in Hamburg.

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