Beginn der Afghanistan-Konferenz in Bonn
Uno will Übergangsregierung in Kabul ermöglichen

Die Vereinten Nationen sind fest entschlossen, bei der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn die Voraussetzungen für eine Übergangsregierung in Kabul zu ermöglichen.

cr/HB BONN/KABUL. Mit diesem Ziel würden die Gespräche zwischen den vier afghanischen Gruppen über die Zukunft des Landes am Dienstag eröffnet, sagte der Sprecher des UN-Sonderbeauftragten Lakhdar Brahimi, Ahmed Fausi am Montag.

Fausi kündigte an, dass für die Sicherheit Afghanistans eine multinationale Streitmacht aufgestellt werden solle, die ein Uno-Mandat habe müsse. Erst danach sollten Uno-Blauhelme als friedenserhaltende Truppen stationiert werden.Nach siebenwöchigen Luftangriffen der USA und dem Sturz der Taliban-Herrschaft in Kabul liegt die Macht jetzt faktisch bei der Nordallianz, in der Afghanen tadschikischer und usbekischer Abstammung dominieren. Die Nordallianz erhofft sich vom Treffen in Bonn Schritte zum Frieden und zu einem politischen Neuanfang. "Wir erwarten klare Zusagen für einen Fahrplan, wie es weiter gehen soll", sagte der Außenminister der Nordallianz, Abdullah Abdullah, am Montag in Kabul. "Auf unserer Seite gibt es den festen Willen, diese Gespräche zu einem Erfolg zu machen", sagte Abdullah. Abdullah warnte jedoch vor zu großen Erwartungen. Die Konferenz von Bonn sei "sehr bedeutsam, aber dies ist nicht das letzte Treffen".

In Kreisen der deutschen Vorbereitungsgruppe wurde es bereits als Erfolg gewertet, dass sich alle Gruppen erstmals an einen Tisch setzen. Mit jeweils elf Delegierten stellen die afghanische Nordallianz und die Rom-Gruppe des ehemaligen Königs Mohammed Zahir Schah die größten Abordnungen. Mit jeweils fünf Delegierten sind die überwiegend von Paschtunen gebildete Peshawar-Gruppe und die Zypern-Gruppe der dort lebenden Afghanen auf dem Petersberg vertreten.

Der Verhandlungsführer der Delegation des afghanischen Ex-Königs nannte zwei Voraussetzungen, um Frieden in dem Land zu schaffen. Die Nordallianz müsse zu einer Teilung der Macht bereit sein und eine internationale Truppe müsse den Frieden in dem Land sichern, sagte Amin Fahang am Montag im Deutschlandfunk. Die internationale Truppe sei eine Bedingung, die seine Delegation bei den Verhandlungen über die politische Zukunft Afghanistans stelle, fügte er hinzu. Er sprach sich zudem dafür aus, dass sich die Bundesrepublik an diesen Truppen beteiligt.

Zu den Erfolgsaussichten der Konferenz äußerte sich Fahang optimistisch. "Ich bin mir sicher, dass wir Gemeinsamkeiten finden und einige Punkte, die eine feste Basis für spätere Gespräche bilden werden", sagte Fahang. Zahir Schah hatte nach dem Beginn der US-Luftangriffe auf Afghanistan Kontakt mit der Nordallianz aufgenommen, deren verschiedene Kommandeure inzwischen einen Großteil des Landes beherrschen. Die Nordallianz lehnt internationale Truppen bislang ab.

Wichtigstes Ziel der Afghanistan-Konferenz (Punkt 1 des Uno-Plans) ist die Bildung eines Exekutivrates (Punkt 2), der für die Dauer von etwa zwei Jahren eine Übergangsverwaltung für Afghanistan einsetzen soll (Punkt 3). In einem vierten Schritt ist die Einberufung der traditionellen Großen Versammlung (Loja Dschirga) von Politikern, Stammesältesten und Gelehrten aller Volksgruppen geplant. Eine neue Verfassung und eine stabile Regierung schließen in der fünften Phase den politischen Prozess ab.

Die iranische Regierung hat die Teilnehmer der Afghanistan-Konferenz bei Bonn aufgerufen, die Interessen der Nachbarstaaten Afghanistans zu berücksichtigen. Iran werde "jede Entscheidung über Afghanistan im Rahmen der Uno" akzeptieren, sagte ein Vertreter des Außenministeriums vom Montag. "Das afghanische Volk braucht dringend Frieden, um das Land wieder aufzubauen", sagte Uno-Sprecher Ahmed Fausi in Königswinter. "Mit der Einwilligung, hierher zu kommen, haben die Parteien einen guten Anfang gemacht."

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