Beginn in Baden-Württemberg
Erster Metaller-Streik seit 1995 startet am Montag

Der erste Streik in der deutschen Metall- und Elektroindustrie seit sieben Jahren startet am Montag in Baden-Württemberg. "Die Verantwortung für die Zuspitzung des Tarifkonflikts tragen allein die Arbeitgeber", sagte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel am Donnerstag in Frankfurt.

dpa FRANKFURT/MAIN. Der Arbeitskampf soll nach dem Beschluss des Gewerkschaftsvorstands zu einem späteren, noch nicht festgelegten Zeitpunkt auf Berlin/Brandenburg ausgedehnt werden. Die IG Metall warnte die Arbeitgeber eindringlich vor Aussperrungen. "Aussperrung ist und bleibt Machtmissbrauch", sagte Zwickel. Die Gewerkschaft wolle nach Streikbeginn möglichst schnell zu einem akzeptablen Tarifabschluss kommen.

Zwickel forderte die Arbeitgeber auf, unverzüglich nach Streikbeginn ein verbessertes Angebot vorzulegen. Die IG Metall sei dann offen für neue Gespräche. Zur Lösung des Tarifkonflikts schloss der IG-Metall-Chef eine Schlichtung nicht aus. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gebe es allerdings "nichts zu schlichten". Erstes Ziel sei es auch, dass die Tarifparteien den Konflikt selbst lösten. Gegenwärtig gebe es allerdings keine Kontakte zwischen Arbeitgebern und der IG Metall.

Die Gewerkschaft fordert für die 3,6 Mill. Beschäftigten in der Branche 6,5 % mehr Lohn und Gehalt. Die Arbeitgeber hatten zuletzt 3,3 % für 13 Monate sowie Einmalzahlungen angeboten. "Das war und ist uns zu wenig", sagte Zwickel. "Wir werden uns den von uns angestrebten Tarifabschluss jetzt erkämpfen." Der IG-Metall-Chef wehrte sich gegen Vorwürfe, den Aufschwung kaputt zu streiken. Die Gespräche in der Metall- und Elektroindustrie waren nach einem 15-stündigen Verhandlungsmarathon am 19. April in Baden-Württemberg gescheitert.

50 000 Mitarbeiter in 21 Betrieben fangen an

An dem Streik am Montag in 21 Betrieben sollen sich 50 000 Beschäftigte beteiligen. An den folgenden Tagen sind weitere auf jeweils einen Tag befristete Streiks geplant. Insgesamt will die IG Metall in der kommenden Woche in mehr als 80 Betrieben in Baden-Württemberg streiken. Die Gewerkschaft will erstmals eine flexible Strategie anwenden, um Fernwirkungen möglichst gering zu halten. "Das Streikkonzept unterstreicht den Willen der IG Metall, mit dem Mittel des Arbeitskampfes behutsam und verantwortungsvoll umzugehen", sagte IG-Metall-Vize Jürgen Peters.

Im größten Tarifgebiet Baden-Württemberg hatten sich in einer Urabstimmung gut 90 % von rund 195 000 IG-Metall-Mitgliedern der Branche für einen Streik ausgesprochen. In Berlin/Brandenburg lag die Zustimmung bei 87 % (Osten) und 85 % (Westen). Die Metaller hatten zuletzt 1995 in Bayern gestreikt.

Die Metall-Arbeitgeber kündigten an, im bevorstehenden Arbeitskampf einen Flächenbrand verhindern und auf offensive Aussperrungen verzichten zu wollen. "Nicht bestreikte Unternehmen werden ihre Mitarbeiter nicht aussperren", betonte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an die Unternehmer. Wenn ein Betrieb allerdings so stark behindert werde, dass er nicht mehr funktionieren könne, werde er schließen müssen. Den Unternehmen empfahl er ausdrücklich, kein Personal abzubauen, wenn dies finanziell möglich sei.

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