Begleitbriefe mit Drohungen gegen USA und Israel
Milzbrandanschläge in New York und Washington ähnlich

In den USA läuft die Suche nach den Absendern der mit Milzbrand-Erregern verseuchten Briefe auf Hochtouren. Die im Büro von Senator Tom Daschle eingegangenen Anthrax-Sporen sollen ersten Untersuchungen zufolge B-Waffen-Qualität haben, wie aus Justizkreisen verlautete.

ap WASHINGTON. Weltweit lösten verdächtige Briefe auch am Mittwoch wieder Alarm aus, allerdings wurden bislang in keinem Fall Milzbrand-Bakterien gefunden.

Die beiden Milzbrand-Anschläge in New York und Washington weisen nach Erkenntnissen der US-Bundespolizei FBI Ähnlichkeiten auf. Sowohl der beim Fernsehsender NBC als auch der in Daschles Büro geöffnete Brief mit Anthrax-Bakterien sei in Trenton im US-Staat New Jersey aufgegeben worden, sagte FBI-Chef Robert Mueller am Dienstag. Außerdem gebe es übereinstimmende Merkmale der Handschrift des Absenders. Allerdings könne bislang keine Verbindung zum organisierten Terrorismus nachgewiesen werden, sagte Mueller.

Dem Vernehmen nach enthielten beide Schreiben außerdem Drohungen gegen die USA und Israel. Untersuchungen der an Daschle geschickten Erreger führten nach Informationen aus Justizkreisen zu dem Ergebnis, dass es sich dabei vermutlich um eine Form von Sporen handelte, wie sie auch für biologische Waffen entwickelt wurden. Der Gesundheitszustand der beiden an Milzbrand erkrankten Personen in New York wurde am Dienstag als zufriedenstellend bezeichnet. Die NBC-Angestellte und der Säugling einer Mitarbeiterin des Senders ABC seien auf dem Weg der Besserung, erklärten die Gesundheitsbehörden. In Washington wurden mehrere hundert Personen, die sich zum Zeitpunkt des Anschlags auf Daschle in der Nähe des Kongressgebäudes befanden, vorsorglich mit Antibiotika behandelt. Das achtgeschossige Bürogebäude des Senats wurde von der Polizei abgeriegelt. In New York untersuchten Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden die Posteingangsstellen mehrerer Medienhäuser, darunter auch der Nachrichtenagentur AP.

Auch dem in Florida an Lungen-Milzbrand erkrankten Mann geht es nach Angaben seiner Familie besser. Der 73-jährige Patient war ebenso wie ein am 5. Oktober an Milzbrand gestorbener Fotoredakteur beim Verlagshaus American Media in Boca Raton beschäftigt. Der neue Beauftragte der US-Regierung für die innere Sicherheit, Tom Ridge, erklärte am Dienstag in Washington, die Serie von Milzbrand-Fällen könne kaum als zufälliges Zusammentreffen betrachtet werden. Er vermute daher, dass es einen Zusammenhang zu den Terroranschlägen vom 11. September gebe. Der von US-Präsident George W. Bush als Anti-Terror-Chef ernannte Sicherheitsdirektor sagte auf seiner ersten Pressekonferenz, es gebe keine Garantie, dass es nicht zu weiteren Terroranschlägen komme. Die seit dem 11. September ergriffenen Maßnahmen hätten jedoch inzwischen zu einem hohen Sicherheitsniveau geführt.

Der Pharmakonzern Bayer hat seit dem Auftreten der ersten Milzbrand-Fälle in den USA die Produktion des Antibiotikums Cipro erheblich ausgeweitet. Um der steil gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden, laufe die Produktion rund um die Uhr, sagte der Vorstandschef der Pharma-Vertriebsfirma Kinray, Stewart Rahr, am Dienstag. Seit dem Auftreten von Milzbrand in New York sei der Tagesabsatz von Cipro auf 1500 bis 2000 Flaschen gestiegen. Dies ist rund fünf Mal so viel wie Mitte September. Cipro, benannt nach dem chemischen Wirkstoff Ciprofloxacin, wurde in den USA 1987 als Antibiotikum zugelassen. Bayer ist der einzige Hersteller, der ein Anthrax-Antibiotikum in den USA anbieten kann.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte unterdessen vor der vorsorglichen Einnahme von Antibiotika ohne Rücksprache mit einem Arzt. Selbstmedikation könne zu neuen Resistenzen der Erreger führen, und das nicht nur im Falle von Anthrax, erklärte WHO-Sprecher Ian Simpson. Wer sich krank fühle, solle auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen und nicht von sich aus Medikamente einnehmen.

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