Begleittross im Luxushotel
Deutsche Elf haust im Plattenbau

Das WM-Hotel der Deutschen gehört zu den best gehüteten Geheimnissen in Miyazaki. Kein Reporter durfte sich im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft anschauen, wie Rudi Völlers Mannen in ihrem Quartier am Pazifik wohnen.

dpa MIYAZAKI. Hotelmanager Toshiharu Fukuishi kann auch nicht sagen, warum niemand die Zimmer sehen sollte: "Keine Journalisten, das hat der DFB so angeordnet." Dabei müssten die Deutschen gar nicht den Vorwurf fürchten, sie logierten mal wieder im prallen Luxus. Denn im Land der aufgehenden Sonne geben sie sich überraschend bescheiden. Oder wollte man, dass Kahn und Co - wenn sie schon kaum die Chance haben, Land und Leute näher kennen zu lernen - wenigstens am eigenen Leib erleben, wie die meisten der Einheimischen dort wohnen, nämlich eng und schlicht möbliert? Schon von außen wirkt das weiß getünchte Plattenbau-Hotel mit dem glanzvollen Namen "Sheraton Phoenix Golf Resort" eher trist.

Ganz anders als das 154 Meter hohe Luxushotel nebenan, wo der inoffizielle Begleittross ausnahmsweise nobler residiert als die Fußballstars. Wer in deren bescheidener Herberge einmal übernachtet hat, mag sich beim Betreten der Zimmer an den Charme eines besseren deutschen Bahnhofs- Businesshotels erinnert gefühlt haben. Auf einer Fläche von knapp 20 Quadratmetern drängt sich ein 1,95 m kurzes Bett neben einem Schreibtisch, dazu im schmalen Eingang ein Schrank mit sieben Bügeln und eine in Japan übliche kleine Plastik-Nasszelle.

Die ganze siebte und achte Etage wurde für die Deutschen reserviert. Von hier haben sie wenigstens einen schönen Blick aus ihren - wenn auch etwas schmal geratenen - Fenstern auf einen von Pinienwäldern umgebenen Golfplatz und dahinter das Meer. In den unteren Hoteletagen dürfen sich dagegen auch während der WM Touristen und Hochzeitsgäste einquartieren - für gut 250 Euro die Nacht. Trotzdem dürften die normalen Hotelgäste wohl nicht allzu viel von den Kickern aus dem fernen "doitsu" mitbekommen. Mit meterhohen Vinyl-Wänden werden die Deutschen draußen an der Straße beim Plantschen im hauseigenen Schwimmbecken abgeschirmt - sollte sich überhaupt einer von ihnen da hineinwagen bei einer Wassertemperatur von gerade mal 16 bis 17 Grad. Geradezu tropischschwül geht es dagegen im nahe gelegenen "Ocean Dome" zu, mit mehreren Pools, einem künstlichem Sandstrand und Wellengang auf 100 Meter Länge und 300 Meter Breite der größte überdachte Schwimmbad-Komplex der Welt.

Es bleibt allerdings ein Rätsel, wieso man den nun ausgerechnet direkt am Meer errichten musste. Kein Wunder, dass die Besucher ausblieben, im Oktober wird die 1993 eröffnete Attraktion wieder geschlossen. Sie gehört wie auch das WM-Hotel der deutschen Nationalmannschaft zur riesigen Ferienanlage "Seagaia", wo vor zwei Jahren auch die G8-Außenminister tagten. Zu den vielen Anlagen des Resort-Komplexes gehören auch gleich mehrere Golfplätze, Tennisplätze und eines der größten internationalen Konferenzzentren Japans. Im vergangenen Jahr sorgte "Seagaia" jedoch mit einem anderen Superlativ für Schlagzeilen, diesmal der weniger angenehmen Art: Die halböffentliche Betreibergesellschaft Phoenix Resort hatte unter einem gigantischen Schuldenberg spektakulären Schiffbruch erlitten.

Nun soll der Freizeitanlage mit Millionen-Investitionen des US- Konzerns Ripplewood wieder zu einer neuen Blüte verholfen werden. Ganz Miyazaki hofft auf bessere Zeiten, nicht zuletzt durch die Fußball-WM, die Kicker aus Deutschland sowie die ebenfalls dort residierenden Schweden. "Für uns ist das die Chance, Miyazaki als Sport-Mekka weltbekannt zu machen", frohlockt der Gouverneur der Provinz, Suketaka Matsukata, und hofft, dass Miyazaki durch die WM sein Image als Flitterwochen-Paradies los wird.

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