Begräbnis von Hamas-Mitgliedern
Lage im Nahen Osten befindet sich am Siedepunkt

Tausende Palästinenser haben Israel am Mittwoch beim Begräbnis von sechs Hamas-Aktivisten und zwei Kindern Rache geschworen. Eine Sprecherin der El-Fatah-Bewegung von Präsident Jassir Arafat, Anan el Atiri, sagte vor der aufgebrachten Menge in Nablus, der palästinensische Aufstand werde nicht gestoppt. "Ich denke, die kommenden Tage werden schlimmer als zuvor", fügte sie hinzu.

ap NABLUS. Der israelische Angriff auf ein Hamas-Büro in Nablus vom Dienstag hat weltweit Besorgnis vor einer weiteren Eskalation der Gewalt ausgelöst. Das russische Außenministerium erklärte, die Lage habe den Siedepunkt erreicht. Israelis und Palästinenser sollten dringend an den Verhandlungstisch zurückkehren, um eine friedliche Lösung auf Grundlage der Vorschläge der Mitchell-Kommission zu erreichen. Das US-Außenministerium bekräftigte erneut, dass es die israelische Praxis gezielter Angriffe auf mutmaßliche Terroristen verurteile. Der UN-Nahostgesandte Terje Roed-Larsen sagte, solche Aktionen "garantieren nahezu eine weitere Eskalation der Spannungen".

Israel verteidigte erneut den Angriff, bei dem neben sechs Hamas-Mitgliedern zwei Jungen im Alter von fünf und acht Jahren getötet wurden. Die Kinder hatten vor dem Gebäude gespielt, in dessen drittem Stock das Büro der militanten Organisation untergebracht war. Der Büroleiter von Ministerpräsident Ariel Scharon, Uri Schani, sagte im Rundfunk: "Wenn wir sie nicht stoppen, würden ihre Angriffe in Israel Frauen und Kinder gefährden." Ein Führer der Fatah im Westjordanland, Hussein el Scheik, sagte ebenfalls im israelischen Rundfunk, die von den USA im Juni vermittelte Waffenruhe habe nie gehalten und sei nun vorbei.

In der Nacht zum Mittwoch eröffneten militante Palästinenser das Feuer auf die jüdische Siedlung Gilo in Jerusalem. Im Westjordanland beschossen Palästinenser zwei Wagen; fünf Israelis wurden dabei verletzt, einer von ihnen schwer. Im Gazastreifen wurden mindestens 15 Mörsergranaten auf jüdische Siedlungen abgeschossen, teilte ein Militärsprecher mit. An Armeeposten habe es Feuergefechte gegeben.

Bei Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten nahe Nablus wurde ein palästinensisches Kind verletzt, auch bei Ramallah erlitten zwei Palästinenser Verletzungen.

Todesurteil für palästinensische Kollaborateure

In Beit Sahur wurde ein Palästinenser erschossen, der nach palästinensischen Angaben der Zusammenarbeit mit dem israelischen Geheimdienst verdächtigt worden war. Unterdessen verurteilte ein Gericht in Nablus drei Palästinenser wegen Kollaboration mit Israel zum Tod. Sie wurden für schuldig befunden, im Dezember vergangenen Jahres in die Tötung eines Fatah-Aktivisten verwickelt gewesen zu sein. Ein vierter Angeklagter wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Der jordanische König Abdullah forderte am Dienstag US-Präsident George W. Bush in einem Telefongespräch auf, sich stärker für ein Ende der Gewalt im Nahen Osten einzusetzen. Die Auseinandersetzungen hätten ein äußerst gefährliches Ausmaß angenommen, und ihre Eskalation müsse sofort gestoppt werden, drängte Abdullah nach Berichten der amtlichen Nachrichtenagentur Petra.

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