Beherbergungsbranche spricht von dramatischer Lage
Viele freie Betten im Deutschland-Urlaub

Lange Gesichter bei Hoteliers und Gastwirten: Die schwache Konjunktur vermiest ihnen das sommerliche Urlaubsgeschäft. Der nach den Anschlägen in den USA vermutete Trend zu Ferien im eigenen Lande ist nur teilweise eingetreten. Gewinner sind lediglich die großen Reiseveranstalter mit ihren Deutschland-Programmen.

DÜSSELDORF. Das Urlaubsland Deutschland steht lange nicht so hoch im Kurs, wie Tourismusfachleute nach dem Terror des 11. September erwartet hatten. In der Hotellerie und der Gastronomie gibt es auf breiter Front lange Gesichter, weil die Gäste ausbleiben. Die Situation im Gastgewerbe sei "dramatisch", sagte ein Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) dem Handelsblatt. Die Zahl der Gäste sei gegenüber dem Vorjahr im Minus, und es gebe kräftige Umsatzrückgänge. Die schlechte Konjunktur lege sich "wie Mehltau" über das Gewerbe, heißt es beim Dehoga.

"Für die überwiegende Zahl der kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Tourismusbranche bringt der Sommer nichts Erholsames", hatte auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag nach einer Umfrage zur Sommersaison in der Branche geurteilt. Das Problem: Nicht nur die Urlauber aus Deutschland bleiben aus, auch Gäste aus dem Ausland fehlen weithin. Zudem ist der Geschäftsreise-Tourismus rapide zurückgegangen.

Gewinner im deutschen Reisesommer sind allenfalls die großen Reiseveranstalter. Ihre Pauschalreise-Angebote für Ziele in Deutschland sind deutlich stärker gefragt als im Vorjahr. Klaus Laepple, neuer Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), machte denn auch bereits in Zweckoptimismus. "Die Deutschen reisen wieder", ließ er kürzlich den Verband verkünden. Er sieht einen "starken Anstieg von organisierten Reisen" und einen "verstärkten Trend zu Reisen mit Bus, Bahn und Pkw" - weg von der Flugreise also.

Beim Marktführer Tui, für den Deutschland nach Spanien und Griechenland drittgrößtes Zielland ist, klingt das etwas anders: "Eine nachhaltige Verlagerung in der Wahl des Verkehrsmittels hat nicht statt gefunden", sagte ein Sprecher dem Handelsblatt.

Immerhin beschert der Heimatmarkt dem Reisekonzern rund 5 % Wachstum, während konzernweit die Sommer-Buchungen nach Tui-Aussagen immer noch um mehr als 10 % unter dem Vorjahr liegen. Doch auch im Deutschland-Geschäft spürt das Unternehmen die schwache Konjunktur. "Wenn die 26 % Touristen, die dieses Jahr nicht nach Mallorca geflogen sind, alle Urlaub in Deutschland machten, wäre ein dickes zweistelliges Plus herausgekommen", sagte der Sprecher.

Ferienwohnung nicht gefragt

Positiv sehen der zur Rewe-Touristik gehörende Veranstalter Dertour und die Bahn-Tochter Ameropa ihr Deutschland-Geschäft. Eine Dertour-Sprecherin bezifferte das Buchungsplus mit 18 %. Gefragt seien bevorzugt "schnuckelige Hotels" und Ferienanlagen mit guter, Wetter unabhängiger Infrastruktur. Schlecht laufe dagegen das Geschäft mit Ferienwohnungen. Viele Familien hätten bisher in diesem Jahr auf den Urlaub verzichtet. Keinesfalls sei eine Verlagerung vom Flugurlaub am Mittelmeer zu Ferien in Deutschland zu verzeichnen. Das spürt auch der Hotelkonzern Upstalsboom, größter Anbieter von Hotelbetten und Ferienwohnungen an Nord- und Ostsee: Schon in der Hochsaison ab 10. August räumt die Gruppe für Ferienwohnungen Rabatte bis zu 20 % ein. "Das hat es in den Vorjahren nie gegeben", sagte eine Sprecherin.

Ameropa-Geschäftsführer Martin Katz ist mit 6 % Wachstum mehr als zufrieden: "An der Ostsee sind wir ausgebucht, und bei Last Minute-Reisen stoßen wir an Grenzen." Während er einen Trend zu kurzfristig gebuchten Kurzreisen in Deutschland sieht, glaubt die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) eine andere Entwicklung auszumachen: "Es gibt einen extremen Trend zum Sparen und günstig Reisen" hieß es bei den Fremdenverkehrs-Fachleuten. So seien Camping-Ferien im Aufwind. Generell werde das Geld am ehesten noch für einen längeren Erst-Urlaub ausgegeben.

"Einen richtigen Aufschwung erwarten wir dieses Jahr nicht mehr", gibt eine Sprecherin zu. Und DZT-Chefin Ursula Schörcher flüchtet sich ins Prinzipielle: Der Deutschland-Tourismus habe "jedoch grundsätzlich gute Chancen".

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