Behle: „Erste Medaille war lange fällig“ - Norwegen siegt vor Italien
DSV-Langlaufquartett schreibt Geschichte

Als Rene Sommerfeldt mit einem Jubelschrei ins Ziel stürzte und ihn seine Teamkollegen unter sich begruben, war ein historischer Tag für den deutschen Langlauf perfekt: Die Bronzemedaille in der 4x10-km-Staffel bedeutete das erste Edelmetall für ein deutsches Quartett in der Geschichte der Olympischen Spiele.

HB/sid/dpa SOLDIER HOLLOW. Beim hauchdünnen Spurt-Sieg von Norwegen über Italien lagen Jens Filbrich, Andreas Schlütter (beide Oberhof), Tobias Angerer (Vachendorf) und Rene Sommerfeldt (Oberwiesenthal) im Ziel 49 Sekunden zurück.

Während sich das Quartett vor Freude ausgelassen im Schnee wälzte, spielten sich im deutschen Langlauf-Lager unbeschreibliche Jubelszenen ab. "Das ist der pure Wahnsinn. Wir sind überglücklich. Es hat einfach alles gepasst", sagte Bundestrainer Jochen Behle. "Eine Medaille war unser Ziel, aber ich konnte bis zuletzt nicht daran glauben. Es ist phantastisch", jubelte Sommerfeldt. Behle, der früher im Team mit Johann Mühlegg oft am erhofften Edelmetall schnupperte, aber es nie gewann, war ebenfalls überglücklich: "Diese erste Medaille war lange fällig. Ich bin stolz auf diese Jungs."

Für die Norweger konnten Anders Auckland, Erling Jevne, Kristen Skjeldal und Thomas Alsgaard die "Schmach von Lillehammer" ausmerzen. Damals war Schlussläufer Björn Dählie von Italiens Silvio Fauner in die Schranken gewiesen worden. Diesmal hängte Alsgaard Italiens Sprint-Spezialisten Christian Zorzi auch zur Freude des eigens angereisten König Harald V. ab.

Letzte Langlaufmedaille für Deutschland 1976 in Innsbruck

"Das ist einfach geil", beschrieb Angerer seine Gefühle nach dem super Rennen der Deutschen. 1980 in Lake Placid und 1994 in Lillehammer hatten die Herren-Staffeln mit jeweils vierten Plätzen ihre bislang beste Platzierung bei Olympischen Winterspielen erreicht. In Salt Lake City wurde die gute Arbeit der letzten Jahre vorläufig gekrönt. Die letzte Herren-Medaille im Langlauf hatte Gert- Dietmar Klause 1976 in Innsbruck mit Silber über 50 km gewonnen.

Vor einem Jahr hatten die DSV-Läufer bereits den Gewinn von WM- Bronze feiern können. Dabei profitierten sie allerdings von der nachträglichen Disqualifikation der gedopten Finnen. Die Plaketten wurden erst vier Monate später im Juni verteilt. In Soldier Hollow konnte das Quartett den größten Erfolg sofort auskosten. "Diese Medaille ist die erste Richtige, die zählt", meinte Schlütter, der auf seinem Abschnitt die drittbeste Zeit lief.

Filbrich rechtfertigte Behles Vertrauen

Für die erste Überraschung hatte Behle bereits vor dem Start gesorgt. Für den Ex-Weltmeister der Junioren, Axel Teichmann (Lobenstein), rückte der Oberhofer Jens Filbrich ins Team. Teichmann, der im Vorfeld sogar als deutsche Medaillen-Hoffnung gegolten hatte, war in den Rennen zuvor deutlich hinter den Besten her gelaufen und musste deshalb wie bereits im Vorjahr beim dritten WM-Platz in Lahti zuschauen.

Filbrich hielt bis zum Schlussanstieg gut mit. Der Staffel-Juniorenweltmeister von 1999 konnte dann allerdings die schon vorher erwartete Attacke des Norwegers Anders Auckland nicht parieren und wechselte als Vierter. "Ich war total überrascht, als ich von meinem Einsatz erfuhr. Einmal bei Olympischen Spielen eine Staffel anzulaufen - für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen", sagte der 22-Jährige.

Schweden, Finnland und Österreich früh aus dem Rennen

Bereits in dieser frühen Phase des Rennens hatten sich der ohne seinen erkrankten Doppel-Weltmeister Per Elofsson angetretene Vizeweltmeister Schweden und Finnland ebenso wie Österreich oder Russland aus dem Kreis der Medaillen-Kandidaten verabschiedet. Nur elf Sekunden hinter den Norwegern lag das DSV-Quartett bei Halbzeit des Rennens auf Rang zwei und damit 13 Sekunden vor den Italienern, deren Attacke auf den Freistil-Distanzen erwartet wurde. Diese erfolgte, doch der Abstand auf die Konkurrenz dahinter wuchs.

"Ich war nach sieben Kilometern stehend K.o. Aber ich habe mitgehalten und bin überglücklich", meinte der erstmals bei einem Großereignis als Staffel-Läufer eingesetzte Angerer, nachdem er als Vierter nur drei Sekunden hinter Estland auf 50-km-Vizeweltmeister Rene Sommerfeldt gewechselt hatte, der Platz drei locker ins Ziel rettete.

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