Behörden und Banken intensivieren ihren Kampf gegen die
Für die Finanziers des Terrors wird es in Europa zunehmend eng

Terroristen lassen sich leichter bekämpfen, wenn man weiß, woher und wie sie sich finanzieren. Deswegen will die Europäische Union eine Institution in Paris zum Nabel der Fahndung machen - die Financial Action Task Force (FATF).

Sie wurde vor zwölf Jahren von den großen, in der G7 zusammengeschlossenen Industriemächten aufgestellt, um Gelder aus dem Drogenhandel aufzuspüren. Jetzt soll sie auch gegen Attentäter und ihre Finanziers zum Einsatz kommen.

Auf den ersten Blick geht es im Kampf gegen den Terror um die herkömmliche Methode - den Fluss von Geldern offen zu legen. Aber es gibt Unterschiede zwischen verschiedenen Arten von Geschäften. Beim Drogenhandel und anderen internationalen Aktivitäten mit kriminellem Hintergrund kommt es darauf an, die Herkunft der Mittel aufzudecken. Das wollen zwar die Fahnder auch, die sich der Hintermänner der Attentate in New York und Washington zu bemächtigen versuchen. Schließlich könnten ja auch hier Drogenproduzenten Hilfe geleistet haben. Aber die Fahnder wollen in erster Linie herausfinden, wer die Empfänger sind.

Finanzen werden hauptsächlich über Banken und ihre weltweiten Korrespondenznetze bewegt. Drogenhändler und auch die Finanziers der Attentate kennen zwar längst andere Wege des Geldtransfers, aber irgendwann landet das Geld doch auf einem gewöhnlichen Bankkonto. Es liegt deswegen nahe, die Banken in die Pflicht zu nehmen und anzuhalten, sich die Transfers auf den Konten ihrer Kunden genauer anzuschauen.

Hier setzten bisher alle Gesetze über Geldwäsche an. Und hier haken auch heute die Fahnder ein, die den Finanziers der Attentäter auf die Spur kommen wollen. Es geht dabei längst nicht mehr nur darum, dass ein Kunde mit einem Koffer voller Bargeld sich ausweisen und erklären muss, woher er das Geld hat. Die Geldwäschejagd wird feiner. Noch sind es erst wenige Banken in Deutschland, die eine computergesteuerte Rasterfahndung betreiben und alle verdächtigen Kontobewegungen herausfiltern können. Die Methode breitet sich aber aus und soll nach dem Willen der Bundesregierung auch allgemeine Praxis werden. Der Finanzminister möchte gar alle Bankkonten zentral erfassen lassen.

Geldwäsche ist inzwischen ein weltweites Geschäft. Nicht nur obskure Finanzplätze sind daran beteiligt. Die Ketten der Geldwäsche beginnen oft auch in Staaten wie der Bundesrepublik und enden in seriösen Anlagen in Immobilien, Segeljachten oder Kunstwerken. Die Aufsichtsbehörden können wenigstens versuchen, den Transfer der Gelder transparent und/oder möglichst schwer zu machen. Das heißt, die Banken zu besonderer Aufmerksamkeit zu verpflichten. Der Rest ist Sache der Polizei.

Aber was nützt es, wenn ein Land wie Deutschland sich konform verhält und die Banken anhält, ihre Geldtransfers genau zu untersuchen, während andere Länder es damit nicht so genau nehmen? Hier kommt die Pariser Financial Action Task Force ins Spiel. Sie betreibt selber keine Rasterfahndung, versucht aber, weltweit eine Ordnung durchzusetzen, in der Geldwäschern ihr Job möglichst schwer gemacht wird. Sie hat dazu Richtlinien erlassen, die ihre Mitgliedsländer (fast alle hoch entwickelten Staaten) verpflichten und die sie auch seit kurzem anderen Ländern aufzwingt. Wenn diese sich quer stellen, kommen sie an den Pranger - und auf eine "schwarze Liste" von Staaten, die bei der Fahndung nach Geldwäschern nicht kooperativ sind.

Das allein hat schon genügt, dass diverse Finanzplätze, die man bislang als obskur und unseriös einschätzte, eilig Maßnahmen gegen Geldwäsche erließen, um nicht in die Nähe von Kriminellen gerückt zu werden. Bestes Beispiel ist Liechtenstein. Aber auch Russland bewegt sich: Die FATF hat Moskau Sanktionen angedroht, wenn das Land noch länger so lasch gegen Geldwäsche vorgeht. Das Parlament, die Duma, hat inzwischen eine Reihe von Gesetzen verabschiedet, die aber noch als unzureichend angesehen werden. Immerhin hat Russland es geschafft, dass die Sanktionsdrohung zurückgenommen wurde.

Die FATF wird es nicht schaffen, alle schwarzen Löcher zu stopfen. Lückenlos wird die Rasterfahndung schon deswegen nicht sein können, weil es neben dem offiziellen Zahlungsverkehr der Banken auch informelle Transfernetze gibt. Das so genannte "underground banking" breitet sich auch hier zu Lande aus wie nie zuvor. Wer darin abtaucht, ist für die Behörden kaum auffindbar. Das gilt auch für das Internet, das sich besonders gut für Geldwäscher eignet, ihre Spuren zu verwischen. Aber der Kreis wird enger, und es wird für die Betroffenen gefährlicher - für Geldwäscher wie für hilfswillige Banken und Offshore-Zentren.

Lückenlos wird das fein gestrickte Kontrollnetz wohl nie werden können.

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