Behörden vermuten kriminellen Hintergrund
Neuer Anthrax-Fall in Florida

Nachdem im US-Bundesstaat Florida bei einer dritten Person der gefährliche Milzbrand-Erreger nachgewiesen wurde, gehen die Behörden von einem kriminellen Hintergrund aus. Die Ermittlungen gingen in diese Richtung, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Miami.

afp WASHINGTON. Es sei nicht auszuschließen, dass die Infektionen auf eine kriminelle Tat zurückzuführen seien, bestätigte ein Mitarbeiter der Bundespolizei FBI. Eine 35-jährige Mitarbeiterin des Verlagshauses American Media erhielt Antibiotika, nachdem sie als einzige von 300 Angestellten positiv auf Sporen des Milzbrand-Erregers getestet wurde. Für einen 63-jährigen Redakteur des Verlagshauses, der am Freitag an Milzbrand gestorben war, wurde ein Gedenkgottesdienst abgehalten. Pakete mit weißem Pulver sorgten in zahlreichen US-Behörden, darunter auch im Außenministerium, für Aufregung.

Das FBI ging zunächst nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. "Es gibt zurzeit keine Hinweise darauf, dass diese Anthrax-Art von Menschen hergestellt oder entwickelt wurde, die mit den Ereignissen vom 11. September in Verbindung stehen", sagte Hector Pesquera vom FBI. Der Geschäftsführer des Verlages, David Pecker, wiedersprach den Behörden: "Ich bin sicher, dass es sich hier um einen biologischen Terroranschlag handelt", sagte er dem Nachrichtensender CNN.

Die 35-jährige Verlagsangestellte wurde positiv auf Anthrax-Erreger getestet. Die Krankheit sei bei ihr zunächst aber nicht ausgebrochen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Vorsichtshalber würden auch alle anderen Mitarbeiter des Verlages mit Antibiotika behandelt. Bei einem 73-jährigen Mitarbeiter der Zeitung "Sun" des Verlages war der Erreger ebenfalls gefunden worden. "Er hofft, dass er das Krankenhaus in etwa einer Woche verlassen kann. Die Antibiotika haben angschlagen und wirken wunderbar", sagte dessen Schwiegertochter dem US-Fernsehsender ABC. Die tödliche Krankheit Milzbrand kann bei frühzeitiger Behandlung mit Antibiotika gestoppt werden.

Nach Medienberichten wurde der in der Redaktion der "Sun" in Boca Raton gefundene Erreger möglicherweise bereits in den 50er Jahren in einem Labor im US-Bundesstaat Iowa künstlich gezüchtet. Der Erreger habe "einzigartige Merkmale", die mit dem in Iowa gezüchteten Bakterium übereinstimmten, berichtete der "Miami Herald" unter Berufung auf Ermittler. Eine Bestätigung durch die Behörden stand zunächst noch aus. Nach Angaben eines Anthrax-Experten aus Atlanta stimmten die Bakterienproben der beiden ersten Infizierten mit den auf der Computertastatur des Todesopfers gefundenen überein.

Im US-Außenministerium wurden Untersuchungen aufgenommen, nachdem dort in einem Postraum weißes Pulver auf dem Fußboden entdeckt worden war. Vermutlich handele es sich um einen gefährlichen und strafbaren Scherz, hieß es. In Florida erhielten mehrere Menschen rätselhafte Substanzen per Post. Acht Familien standen in einem Krankenhaus bei Miami unter ärztlicher Aufsicht, nachdem sie Briefe mit weißem Pulver erhalten hatten. "Die Angst und Hysterie ist unvorstellbar", sagte der Verlagschef Pecker.

In Tokio warnte ein Experte für biologische Terroranschläge vor der leichten Herstellung und Verbreitung des Milzbrand-Erregers Anthrax. "Anthrax selbst ist fest und leicht zu transportieren. Für jemanden, der bakteriologisches Fachwissen hat, ist es nicht sehr schwer zu verbreiten", sagte Nobuhiro Okabe vom Japanischen Zentrum zur Überwachung ansteckender Krankheiten. Bei einem Giftgas-Anschlag der japanischen Aum-Sekte auf eine Tokioter U-Bahn waren am 20. März 1995 zwölf Menschen umgekommen, tausende erlitten leichte Vergiftungen. Im Sommer 1994 hatten Anhänger der Sekte nach eigenen Angaben zudem versucht, mit Milzbrand-Erregern Bewohner eines Tokioter Stadtteils zu vergiften.

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