Behördenwillkür
Wenn Bürokratie den Denkmalschutz sabotiert

Auch Günther Jauch hat?s nicht immer leicht. Im Kampf gegen Behördenwillkür kommt der Moderator sich mitunter hilflos vor. Als engagierter Investor in seiner Wahlheimat Potsdam scheiterte er in den vergangenen Jahren oft am Starrsinn einzelner Beamter. Doch Jauch begehrte auf - und setzte sich durch.

BERLIN. Günther Jauch erhielt am Dienstag in Berlin den mit 100 000 Euro dotierten "Werner-Bonhoff-Preis wider den Paragrafen-Dschungel". Die gemeinnützige und unabhängige Bonhoff-Stiftung, benannt nach einem im Jahr 2000 tödlich verunglückten Berliner Unternehmer, vergibt den Preis alljährlich an Personen, die bürokratische Hürden aufzeigen und überwinden. "Wir appellieren an jeden Unternehmer, sich konkret einzumischen und die Lösung von Problemen nicht an Politiker oder Verbände zu delegieren", sagt Stiftungsvorstand Till Bartelt.

Wer sich um den Preis bewerben will, muss kein Promi sein: Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an einen Augsburger Fahrrad-Taxi-Unternehmer. Wissenschaftlich beraten wird die Stiftung von der Berliner Humboldt-Universität. Die Benennung und Erforschung besonders eklatanter Einzelfälle von Bürokratie soll dazu beitragen, die Verwaltungskultur zu beeinflussen. Der Stiftung geht es um mehr Flexibilität in der Rechtsanwendung.

Darauf musste Günther Jauch lange warten. Der 51-Jährige betreibt seit zehn Jahren mit erheblichem finanziellen Aufwand die Sanierung denkmalgeschützter Immobilien in Potsdam. Bei der baulichen Umsetzung ist er Idealist und Pragmatiker in einer Person: "Ich suche schöne Lösungen, die aber auch sinnvoll sein müssen", sagt er. Die zuständigen Potsdamer Behörden sahen lange Zeit nur den Buchstaben des Gesetzes. Zwischendurch resignierte Jauch: "Ich habe den Behörden geschrieben, dass sie den Unsinn bekämen, den sie haben wollten", sagt er. Doch schließlich bewirkte er, dass der Potsdamer Oberbürgermeister die Arbeit der Bauaufsichts- und Denkmalschutzbehörde von externen Fachleuten prüfen ließ. Und siehe da: Der Verwaltungsjurist Ulrich Battis kam zu dem Ergebnis, dass die Potsdamer Verwaltung willkürliche und zum Teil unsinnige Entscheidungen gefällt hatte. Doch es blieb nicht bei diesem Befund. Die Verwaltungsspitze richtete eine zentrale Anlaufstelle für den Bau- und Denkmalschutzbereich ein. "Man ist nicht mehr Bittsteller, sondern spricht auf Augenhöhe mit den Verwaltungsleuten", sagt Jauch.

Obwohl sich die Situation damit verbessert hat, will Jauch sein Geld nicht weiter in Denkmal-Immobilien stecken. Er wickle noch zwei Objekte ab. Damit sei aber genug Geld "in Steine geflossen". Jauch will nun in Köpfe investieren. Das Preisgeld geht an eine privat finanzierte Forschungswerkstatt für Kinder, eine Schule und ein Kinder- und Jugendwerk.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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