Behutsamer Einstieg über Aktienfonds ist für Kleinanleger gut geeignet
Sammelbecken für Hoffnungswerte

W er die Neuen Märkte in Europa ganz abschreibt, gibt die Renditechancen von morgen auf. Besser ist ein behutsamer Einstieg über Aktienfonds, die sich auf diese Börsen spezialisiert haben. Aber hinter fast gleichen Etiketten verbergen sich ganz unterschiedliche Konzepte.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. Wer mit seinem Einkaufswagen durch den Investmentfonds-Supermarkt fährt, der wird im Regal "Neuer Markt" ein reichhaltiges Sortiment vorfinden. Mancher Aufdruck verheißt "New Markets", andere Verpackungen lauten schlichter auf "Neuer Markt Deutschland", und wieder andere Produkte werben mit phantasievollen Etiketten wie "New Generation" oder auch "Strategie Quadrat". Aber bevor man sich mit einem der Angebote in Richtung Kasse begibt, sollte sich der Anleger ruhig die Zeit nehmen und die Packung öffnen, denn die Inhalte sind höchst verschieden. "Erst ab einem Anteil von rund 75 Prozent aus dem deutschen Wachstumssegment ist das Etikett Neuer Markt gerechtfertigt", meint etwa Thorsten Dreilich von der Fonds Direkt AG. So gelten als lupenreine Neue- Markt-Fonds zum Beispiel der Lupus alpha Neue Märkte Plus (der in den Tabellen unten nicht erscheint, weil er erst im Januar 2001 aufgelegt wurde) mit dem Anlagestrategen Karl Fickel oder der DWS Neuer Markt Deutschland. Beide Fonds haben sich - abgesehen von den schwankenden Kassebeständen - ganz und gar dieser Börse verschrieben.

Manchmal werden Aktien aus anderen Segmenten eingepackt

Bei vielen anderen Produkten wird man vielleicht überrascht sein, was da so alles reingepackt werden kann. Üblicherweise halten sich die Anlageteams die Option offen, auch in den europäischen Wachstumsmärkten zu investieren, manche mischen auch die US-amerikanische Nasdaq oder sogar asiatische Technologieaktien bei. Immerhin bleibt der Anleger so noch in der gleichen Spielklasse, während er bei anderen Anbietern nicht selten auch Titel von ganz anderen Segmenten eingepackt bekommt. "Manchmal sind beispielsweise ganz traditionelle Small Caps mit einem ziemlich hohen Anteil dabei", erläutert Dreilich. Ob es Sinn der Sache ist, auf kleine Firmen oder gar MDax-Papiere zu setzen, wenn man an der erhofften Erholung der Wachstumstitel partizipieren will, ist fraglich.

Zumindest das Kriterium der Produktklarheit dürfte so nicht zu erfüllen sein.

Dagegen muss ein geringer Anteil vorbörslicher Beteiligungen an potenziellen Neue-Markt-Kandidaten nicht von vornherein schlecht sein. Wenn die IPO wieder ans Laufen kommen, lässt sich so die Performance extrem gut aufpeppen.

Hälftig Nasdaq und Euroland als Kombination

Außerdem muss sich der Anleger entscheiden, ob er mit den Fonds mehr oder weniger die Entwicklung der Indizes mitverfolgen will oder ein aktives Management bevorzugt, dass den Marktbarometern weniger Beachtung schenkt. Natürlich gibt es zwischen diesen extremen Anlagestilen auch noch Grautöne, wie Fondsmanager Frank Kosiolek für seinen Oppenheim Topic New Markets erläutert. Der Fonds arbeite mit einem Benchmark-orientierten Konzept, das zu 50 Prozent die Nasdaq und zu 50 Prozent Europa kombiniert. Bei diesem Vorgehen werden die Schwergewichte der Indizes zwangsläufig stärker beachtet. Zu Kosiolek größten Fondsposten gehören konsequenterweise Microsoft, T-Online und Tiscali. Er ist aber bestrebt, das relative Risiko gegenüber der jeweiligen Benchmark zu optimieren.

Für Newcomer ist es schwer, alle Werte zu kennen

Wie findet der Anleger jetzt aus der Vielfalt der Angebote das richtige Menü? Eckhard Sauren von Sauren Finanzdienstleistungen nennt dafür zwei zentrale Kriterien:

1.) Das Fondsmanagement. Wichtig sei dabei, dass die Manager den Neuen Markt "von seiner Geburtsstunde an" verfolgt haben und so die Entwicklung seit den Börsengängen kennen. Für Newcomer sei es fast unmöglich, sich nachträglich mit rund 350 Aktien vertraut zu machen.

2.) Das Fondsvolumen. Angesichts des Kursverfalls bei den Technologieaktien sollten die Fonds mittlerweile nicht mehr schwerer als 100 Millionen Euro sein, um einigermaßen flexibel bleiben zu können. Dann sei es für die Manager leichter, Positionen in kleineren Titeln aufzubauen und sie auch relativ problemlos wieder loszuwerden.

Zu klein sollte der Fonds aber auch nicht sein. Unter Umständen geht dann der Manager bewusst hohe Risiken ein, um den Index zu schlagen und durch eine überdurchschnittlich gute Performance positiv aufzufallen, gibt Michael Fraikin, Manager des Invesco Neue Märkte, zu bedenken. Außerdem rechne es sich für die Fondsgesellschaft unter Umständen nicht, nur wenige Millionen Euro zu betreuen.

Der regionale Mix ist für einige Fondsmanager unter dem Gesichtspunkt der Risikostreuung wichtig, für Sauren ist das Thema nicht ganz so interessant. Die Frage "Wo werden die Mehrwerte für den Fondskunden geschaffen?" lasse sich nämlich nur über die Unternehmensebene lösen. Da sei es egal, ob dies am Neuen Markt oder der Nasdaq geschehe.

Einig sind sich die Strategen, dass der Einstiegszeitpunkt für die Neuen Märkte via Fonds jetzt günstig ist. "Der Markt ist noch preiswert. Auf Sicht von mehreren Jahren ist das sicher eine vernünftige Anlageentscheidung", glaubt Fraikin, der unter anderem auf die Aktien von Teleplan, Kontron, Parsytec sowie Technotrans setzt.

Aber nach dem Kursdesaster in den vergangenen Monaten muss man auch die neuen Proportionen sehen. "Von der Kapitalisierung her entspricht der Neue Markt heute nur noch einem der drei größten Dax-Werte", rückt Sauren die Verhältnisse zurecht. Und mit den Wachstumstiteln kauft sich der Anleger nicht nur Chancen, sondern auch hohe Risiken ein. Ein Depotanteil von fünf bis zehn Prozent ist wohl die momentan angemessene Gewichtung.

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