Bei Bonds der osteuropäischen EU-Beitrittskandidaten sind Langfristprognosen schwer – Liquide Rentenmärkte gibt es nur in Polen, Ungarn und Tschechien
Ungarn-Anleihen: Hohe Renditen, geringes Währungsrisiko

Der Konvergenzwettlauf der osteuropäischen Staaten, die der Europäischen Union (EU) beitreten wollen, ist in vollem Gange. Dabei machen die Länder nach Ansicht der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) insgesamt bei den politischen und wirtschaftlichen Reformen, die vor dem Beitritt nötig sind, Fortschritte.

cü FRANKFURT/M. Das bringt Phantasie in die Anleihemärkte dieser Länder. Denn die Anleihe-Renditen sollten theoretisch bis zum EU-Beitritt in etwa auf das Niveau der Staatsbonds der Länder der Euro-Zone sinken; die realen Wechselkurse sollten steigen. Das verspricht Kursgewinne bei den Anleihen und den Währungen.

So weit die Theorie. Praktisch gibt es für Anleger, die in Anleihen osteuropäischer Länder investieren wollen, jedoch ein Problem: Die meisten EU-Beitrittskandidaten aus Osteuropa haben noch keine liquiden Anleihemärkte. So sieht die LBBW im Konvergenzwettlauf zwar Malta und Zypern vorn, "doch als Anleihemärkte sind diese Länder so klein, dass sie unter Anlageaspekten kaum eine Rolle spielen", erklärt Bac van Luu, Rentenanalyst bei der LBBW.

Unter den liquiden Märkten hält van Luu derzeit "Ungarn für besonders interessant". Die Rendite zehnjähriger ungarischer Staatsanleihen sollte auf Jahressicht von derzeit etwa 7 % auf 6,5 % sinken. Den Forint sieht er bei 235 Euro, derzeit kostet ein Forint etwa 244 Euro. Janis Hübner, Rentenanalyst bei der DZ Bank, empfiehlt ebenfalls ungarische Anleihen, wenn er auch Renditen und Währung auf Jahressicht relativ stabil erwartet. Die ungarische Wirtschaft sei jedoch sehr robust und die Geldpolitik vergleichsweise konstant. Die Anleihe- und Wechselkurse osteuropäischer Staaten bis zum frühesten EU-Beitritt im Jahr 2007 vorauszusagen sei jedoch schwer, meint Hübner. Generell sollten sich Anleger zudem bewusst sein, dass es bei Fremdwährungsanleihen mehr Schwankungen gebe als bei in Euro ausgegebenen Staatsanleihen.

Zumindest im Augenblick weniger optimistisch sind Experten bei polnischen Anleihen. Die Renditen von derzeit 8,3 % für langlaufende Papiere seien zwar weiterhin attraktiv, aber das Wechselkursrisiko recht groß, sagt van Luu. Er befürchtet, dass der Zloty bis zum Jahresende von derzeit 3,60 Euro auf 3,90 Euro verlieren könnte. Auch Hübner sieht unter anderem wegen der schwachen Wirtschaft und des recht hohen Budgetdefizits Gefahren für die polnische Währung.

Kaum noch Konvergenzphantasie ist in den Renditen tschechischer Anleihen. Die 2011 fällige Staatsanleihe bringt gerade noch 5,5 %. Besser sieht es da bei slowakischen Anleihen aus, doch der Anleihemarkt in der Slowakei ist ebenfalls relativ illiquide.

Van Luu rät als Alternative zu Eurobonds in der slowakischen Währung. Eurobonds sind internationale Anleihen, die bestimmten Richtlinien unterliegen und in verschiedenen Währungen ausgegeben werden. So bietet zum Beispiel ein bis 2004 laufender Eurobond der Deutschen Apotheker- und Ärztebank in Koruna eine Rendite von 7,9 %.

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