Bei Bonds sollten Investoren nicht auf Gesamtmarkt vertrauen
Perlensuche bei Anleihen wird schwieriger

Wer Unternehmensanleihen kaufen will, muss darauf achten, dass die Emittenten beim Schuldenabbau Fortschritte machen. Experten entdecken zurzeit in fast jedem Sektor interessante Kandidaten.

FRANKFURT/M. Viele Investoren haben in den vergangenen Monaten den Einstieg in Unternehmensanleihen gescheut. Kein Wunder bei den schlechten Schlagzeilen: Berichte über Zahlungsausfälle und "gefallene Engel" waren fast an der Tagesordnung. Doch jetzt sind einige Analysten überzeugt, dass die Zeit für Unternehmensbonds gekommen ist. Potenzial räumen sie Papieren von Firmen ein, die beim Schuldenabbau voran kommen. Grundsätzlich ist aber Vorsicht geboten, da sich die Kurse der Firmenanleihen in den vergangenen Monaten stark an den Aktienmärkten orientiert haben - und viele Unternehmen noch einen weiten Weg bis zur Gesundung ihrer Bilanzen zu gehen haben. Experten raten dazu, "Bond Picking" zu betreiben. Dabei suchen Investoren nach einzelnen Gelegenheiten, anstatt auf ganze Branchen oder die Breite des Marktes zu setzen.

"Der Rally an den Aktienmärkten könnte die Luft ausgehen, da sie keine fundamentale Unterstützung hat und die Kurse immer noch unrealistisch hoch sind. Ihre Erholung ist jedoch Voraussetzung für geringere Renditeaufschläge bei Unternehmensanleihen", sagt Alexander Popov, Anleihenstratege bei Bear Stearns. Auch Zinssenkungen in der Eurozone und den USA hätten wohl nur kurzfristige Auswirkungen. "Ich könnte mir vorstellen, dass es ähnlich läuft wie im September und Oktober vergangenen Jahres", sagt Popov. Nach den Zinssenkungen gab es eine Rally bei den Aktien und den "Spreads" der Unternehmensanleihen, die jedoch nicht beständig war. Ein weiteres Problem für die Entwicklung der Unternehmensanleihen sei die mangelnde Liquidität im Markt. "Die Investoren halten weiter hohe Cash-Positionen, ihre Risikoaversion zeigt sich vor allem im schwachen Primärmarkt", sagt Popov. Eine hohe Liquidität sei aber nötig, um den Kursen der Firmenanleihen Impulse zu geben. Letztlich seien die fundamentalen Daten der Unternehmen entscheidend. "Viele Firmen brauchen viel länger als gedacht, um ihre Kreditqualität zu verbessern", sagt Popov. Interessant findet er die Anleihen der Konzerne Deutsche Telekom, France Telecom, British Telecom, des Zigarettenherstellers BAT sowie von Versorgerunternehmen. Mit seiner grundsätzlichen Skepsis steht Popov nicht allein: "Die neuerliche Begeisterung für Unternehmensanleihen hat viel damit zu tun, dass die Firmengewinne zuletzt über den Erwartungen der Marktteilnehmer gelegen sind. Der Markt reagiert zu positiv", findet auch Arndt Muthreich, Leiter des Bereichs Research Investment Grade-Anleihen bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Die Unternehmen hätten die Erwartungen in vielen Fällen nur geschlagen, da sie zuvor ihre Gewinnerwartungen stark nach unten revidiert hätten.

Muthreich warnt davor, im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld Firmenanleihen insgesamt oder ganze Sektoren zu optimistisch einzustufen. "Es ist wie bei den Aktien: Man muss sich die Emittenten ganz genau angucken. Manche meistern das schwierige Marktumfeld eben besser als andere", sagt er. Er sucht die Unternehmensanleihen nach mehreren Kriterien aus: Die Firmen sollten in mehreren Geschäftsfeldern positioniert sein, also nicht von der Entwicklung eines einzigen Bereichs abhängen. "Außerdem sollten sie ein wenig zyklisches Profil, starke Finanzkennzahlen und stabile Cash-Flows aufweisen", sagt er. Unternehmen aus defensiven Sektoren seien da im Vorteil - Lebensmittelhersteller wie Unilever etwa. Auch viele Tabakwerte hätten früher dazu gehört - diese seien nun aber durch das Risiko der Milliarden-Klagen in den USA weniger interessant. "Es gibt in jedem Sektor einzelne interessante Emittenten", sagt Muthreich. Er nennt unter anderem den Elektronikkonzern Siemens, die Telekomkonzerne British Telecom und Telecom Italia, den Versorger RWE sowie den Autohersteller BMW.

Frank Hagenstein, Teamleiter Unternehmensanleihen bei der Fondsgesellschaft Union, ist hingegen davon überzeugt, dass der Markt für Firmenbonds sich auf längere Sicht gut entwickelt. "Die Unternehmen, besonders die Telekomkonzerne, machen Fortschritte bei der Entschuldung", sagt er. Mit fortlaufender Dauer dieses Prozesses würden sich die Kursverläufe von Unternehmensanleihen und Aktien entkoppeln. "Die enge Korrelation gibt es nur in sehr starken Bärenmärkten. Dann meiden die Investoren alle Risikoklassen und eben auch Firmenanleihen", sagt Hagenstein. Auf Sicht von drei Jahren habe der Zusammenhang jedoch keinen Bestand: "Letztlich sind die Interessen von Aktien- und Anleihekäufern zu unterschiedlich."

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