Bei dem Dortmunder Getränkeriesen geht es nach dem Ausscheiden seines Vorstandsvorsitzenden an die Substanz
Kommentar: Brau und Brunnen hat keine Zukunft

Der Brau-und-Brunnen-Konzern in seiner jetzigen Gestalt steht vor dem Ende.

Die jüngsten Zahlen, die der gescheiterte Vorstandsvorsitzende Rainer Verstynen seinen Aufsichtsräten und damit Großaktionär Hypo-Vereinsbank jetzt vorlegte, sind katastrophal. Sie belegen, dass Verstynens Sanierungsplan nicht aufgehen kann. Er sieht vor, den Verlust im Biergeschäft durch striktes Kostenmanagement 2001 zu halbieren und im Folgejahr ein ausgeglichenes Ergebnis zu schaffen. Dieses Szenario setzt voraus, dass sich der Bierabsatz stabilisiert, statt wie bisher überdurchschnittlich wegzubrechen. Doch darauf zu bauen ist schiere Illusion. Brau und Brunnen verliert vielmehr dramatisch Marktanteile. Zu schwach ist die Mehrzahl der Konzernmarken in einem Markt, der zudem kontinuierlich schrumpft. Die Versprechungen Verstynens, das Biergeschäft binnen zweier Jahre auf Vordermann bringen zu können, müssen deshalb als reine Augenwischerei gewertet werden. In seiner jetzigen Struktur ist der Bierbereich überhaupt nicht zu sanieren.

Mit einem defizitären Biergeschäft ist aber der Konzern auf Dauer nicht überlebensfähig. Denn die derzeit noch lukrativen Aktivitäten mit alkoholfreien Getränken geraten ebenfalls zunehmend unter Druck. Sie aber müssen das Bier alimentieren.

Für die Hypo-Vereinsbank wäre die einfachste Lösung, den Konzern zu veräußern. Doch seit Jahren wird er wie Sauerbier angeboten. Alle potenziellen Käufer winken ab. Die Risiken mit enormen Pensionsverpflichtungen, hohen Verbindlichkeiten und vor allem bisher nicht zu stopfenden Verlustlöchern im Biergeschäft schrecken ab.

So bleibt der Hypo-Vereinsbank wohl kein anderer Ausweg, als rasch ein Konzept vorzulegen, das auf eine Zerlegung hinausläuft. Doch ein Verkauf der einzelnen Brauereien ist ebenfalls leichter gesagt als getan. Kein Problem gäbe es beim Brauhaus in Jever mit der gleichnamigen einzigen Spitzenmarke von Brau und Brunnen. Bei den meisten anderen Unternehmen ist es schwieriger. Denn auf dem deutschen Biermarkt drücken Überkapazitäten auf Preise und Gewinne. Gefragt sind lediglich Markenrechte. Eine Brauerei als Firma mit ihren Gebäuden, Altlasten und dem verwaltenden und produzierenden Personal stößt auf wenig Interesse. Im Klartext: Die Marken und ein Teil des Vertriebspersonals blieben erhalten, die Schließung von Braustätten würde meist unabdingbar.

Der Erlös aus dem Verkauf der Markenrechte würde bei den Brau-und-Brunnen-Unternehmen mit weitem Abstand unter den Aufwendungen liegen, die in Zusammenhang mit der Braustättenschließung notwendig sind. Der Verkauf von Brauereien wäre bei Brau und Brunnen ein Verlustgeschäft. Genau hier ist die Hypo-Bank gefordert. Sie müsste noch ein letztes größeres finanzielles Opfer bringen, um den Konzern endlich vom Hals zu haben.



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