Bei dem Leichtathletiktrainer wurden Dopingmittel gefunden – gab er sie an Minderjährige weiter?
Trainer Springstein doppelt gefeuert

Der SC Magdeburg und 800-Meter-Olympiasieger Nils Schumann haben Trainer Thomas Springstein gefeuert. Der soll jugendlichen Leichtathleten Dopingmittel verabreicht haben. Seine Freundin, Leichtathletin Grit Breuer, wurde bei einer Dopingprobe nicht angetroffen.

BERLIN. Die Doping-Affäre um Thomas Springstein hat zu ersten Konsequenzen für den Leichtathletik-Trainer geführt. Der SC Magdeburg hat den unter Doping-Verdacht geratenen 46- Jährigen "auf Grund der durch die Staatsanwaltschaft gesicherten Indizien" mit sofortiger Wirkung von der Betreuung der Sportler entbunden, teilte der Verein mit. Der SC Magdeburg behalte sich nach "eindeutiger Beweislage" rechtliche Schritte gegen ihn vor. Zudem gab 800-m-Olympiasieger Nils Schumann die Trennung von Springstein bekannt. Ungemach droht auch Sprinsteins Lebensgefährtin, der Europameisterin Grit Breuer, wegen eines möglichen Verstoßes gegen die Meldepflicht für Doping-Tests.

"Ich bin geschockt. Es ist ein Schritt, um mich zu distanzieren", sagte Schumann. Er halte nichts von einer Vorverurteilung, müsse in dieser Situation aber auch an sich denken. Gleichzeitig betonte er, dass er in Magdeburg und mit Springstein sehr zufrieden gewesen sei. "Er hat mir die Freude am Laufen zurückgegeben", so Schumann, der sich nach einer Achillessehnenoperation mit dem Ex- Coach von Katrin Krabbe die Rückkehr in die Weltspitze erhofft hatte.

Gleichzeitig wehrte sich Schumann gegen Doping-Verdächtigungen gegen seine Person: "Es ist schon viel spekuliert worden, warum ich nicht an den Olympischen Spielen teilgenommen habe. Doch ich habe erst vor drei Wochen meine Reha abgeschlossen", so Schumann. Bereits am kommenden Donnerstag ist ein Gespräch mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) vereinbart, um nach einer neuen Trainingsmöglichkeit für ihn zu suchen. Eine spätere Rückkehr zu Springstein halte er auch auf Grund von dessen "Vorgeschichte" für nicht wahrscheinlich.

Springstein war bereits 1992/93 in den Doping- Fall seiner Athletinnen Katrin Krabbe und Grit Breuer verwickelt. Aufklärung muss seine Freundin Breuer geben, warum sie am Mittwoch von einem Kontrolleur der Nationalen Antidoping-Agentur (NADA) für einen unangemeldeten Trainingstest an ihrem Wohnsitz nicht angetroffen wurde. "Der DLV hat die Athletin aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben", hieß es in einer Mitteilung. Im Falle eines schuldhaften Verstoßes gegen die Meldepflicht droht ihr eine schriftliche Verwarnung. "Grit Breuer ist bei Doping-Kontrollen eine der sorgfältigsten Athleten. Sie hat sich diesbezüglich nichts zu Schulden kommen lassen", betonte DLV-Justiziarin Tanja Haug.

Unterdessen dauern die Ermittlungen gegen Springstein in dessen Reihenhaus bei einer angeordneten Hausdurchsuchung das verbotene Dopingmittel Testosteron-Undecanoat sowie weitere nicht erlaubte Substanzen gefunden wurden, weiter an. "Wir wollen uns aber in Bezug auf Details noch zurückhalten", erklärte Uwe Hornburg, Sprecher der Staatsanwaltschaft Magdeburg. Auch über die Länge des Verfahrens konnte er noch keine Auskunft geben. Nun bekomme zunächst der Beschuldigte die Möglichkeit, Stellung zu nehmen. Springstein, der mit Grit Breuer zum Urlaub nach Griechenland gereist war, wurde in Magdeburg zurückerwartet.

"Ich bin enttäuscht und entsetzt über die Entwicklung der Dinge. Wir haben ihm eine zweite Chance eingeräumt, das ist nicht zu akzeptieren", sagte Martin Sanne vom Olympia-Stützpunkt Magdeburg. "Thomas hat sich mit der Geschichte ins Abseits gestellt." Springstein betreute in Magdeburg neben Breuer und Schumann eine Trainingsgruppe mit vier Athletinnen im Alter zwischen 17 und 18 Jahren.

Ins Rollen war die Affäre durch die Jugend-Sprintmeisterin Anne- Kathrin Elbe (17) gekommen, die bei einem Trainingslager dem Bundestrainer Thomas Kremer eine Arzneipackung übergab. Dies berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger". Die junge Athletin ist inzwischen zu Bayer 04 Leverkusen gewechselt. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass SpringsteinJugendlichen seiner Trainingsgruppe unerlaubte Substanzen verabreichte, drohen ihm nach dem Arzneimittelgesetz bis zu zehn Jahre Haft. Das Leichtathletik- Regelwerk sieht dafür eine lebenslange Sperre vor.

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