Bei den Anleihen zeichnet sich eine Trendwende der globalen Kapitalströme zu Gunsten der Eurozone ab
Experten sehen immer bessere Aussichten für den Euro

DÜSSELDORF. Die Stützungskäufe der Europäischen Zentralbank haben dem Euro bisher wenig genutzt. Doch werden nach Ansicht von Experten die Aussichten für den Euro immer besser. Bislang wurde die Euroschwäche wesentlich den massiven Kapitalabflüssen aus Euroland mit niedrigen Zinsen in lukrativere Dollaranlagen zugeschrieben. Auch europäische Unternehmen zogen durch ihre umfangreichen Firmenkäufe in den USA erhebliche Euro-Kapitalien ab.

Neuerdings trägt zu der Euro-Schwäche der starke Anstieg des Ölpreises bei. Mineralöl wird in Dollar fakturiert. Der Ölpreisschub führte zu einer weltweit starken zusätzlichen Nachfrage nach der US-Währung. Neues Pech für den Euro: Die im OPEC-Kartell zusammengeschlossenen Ölförderländer würden ihre hohen Überschüsse überwiegend nicht in Euro anlegen, sondern in Dollar. Nach Berechnungen der Citibank-Gruppe akkumulieren sich die Leistungsbilanzüberschüsse der OPEC in diesem Jahr auf 130 Mrd. $. Zwar leiden die USA ähnlich wie die Europäer unter den gestiegenen Ölpreisrechnung. Laut Citibank erhöht sich das US-Leistungsbilanzdefizit aus diesem Grunde um 45 Mrd. $. Trost für die USA: Der Löwenanteil der OPEC-Überschüsse werde jedoch zum Nachteil des Euros überwiegend in Dollar-Anlagen fließen.

Trotz des ölpreisbedingten Rückschlags sehen Ökonomen jedoch ermutigende Anzeichen für eine Umkehr der Kapitalströme, die seit seinem Start den Euro belastet haben. Bei Zu- und Abflüssen von festverzinslichen Wertpapieren ist diese Umkehr schon auszumachen: 1998 - 85Mrd Euro; 1999 +27 Mrd. Euro; bis August 2000 +100Mrd Euro. Bei zehnjährigen Papieren hat sich das Zinsgefälle zwischen Euro und dem Dollar in diesem Jahr von 110 auf 68 Basispunkte zu Gunsten des Euros verringert. Auch wenn man die Nettoabflüsse der Direktinvestitionen und Wertpapieranlagen addiert, vermindern sich die Netto-Abflüsse: 1998 - 188 Mrd. Euro, 1999 - 168 Mrd. Euro; bis August 2000 - 80 Mrd. Euro.

Auch bei den Kapitalabflüssen für Firmenkäufe in den USA und Aktienanlagen an den US-Börsen scheint sich eine Abschwächung abzuzeichnen. Zum einen verlangsamen sich merklich die transatlantischen Fusions-und Übernahmeaktivitäten. Das hängt zum anderen nicht zuletzt davon ab, dass immer mehr Unternehmen bei der Finanzierung ihrer Fusionen und Übernahmen auf Schwierigkeiten stoßen - siehe die Telekomunternehmen, die wegen ihrer teuren Lizenzkäufe zu den größten Schuldnern an den Kapitalmärkten geworden sind.

Währungsexperten haben bei der Abschätzung des Wechselkurses zum Dollar den Euro zu sehr nur als Anlage-und Reservewährung beurteilt. Schon 1997 warnte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), dass der Euro in seiner Startphase allein schon deshalb zur Schwäche neigen könnte, weil er vorwiegend als "Verschuldungswährung" genutzt werden würde, bevor sich ein attraktiver Anlagemarkt wie in den USA entwickeln könnte. Genau das ist passiert.

"Der Euro ist ein Opfer seines Erfolges als Emissionswährung geworden", sagte Vincent Koen von der Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) in Paris. Auch die Bundesbank hat eine "Asymmetrie" der Aktien- und Anleihemärkte zwischen USA und Euroland festgestellt. Sie weist darauf hin, dass im 4. Quartal 1999 zum ersten Mal mehr Euro- als Dollar-Titel emittiert worden sind.

In den letzten zwei bis drei Jahren wurden nach Angaben der BIZ die Leistungsbilanzsalden der drei wichtigsten Währungsgebiete durch Nettokapitalströme von ausländischen Direktinvestitionen und Portfolio-Investitionen in Form von Aktienkäufen regelrecht überschwemmt. "Im Jahr 1999 konnten die USA nicht weniger als 40 % ihres Leistungsbilanzdefizits allein durch den Nettozufluss an Direktinvestitionen finanzieren. Die verbleibende Lücke wurde mehr als genug durch die hohen Aktienkäufe gedeckt."

Nicht zuletzt, weil sich Euroland sehr schnell als eine effiziente und billige Finanzierungsquelle für den Rest der Welt entwickelte, konnten die Amerikaner noch ungenierter über ihre Verhältnisse leben und ihre bedrohlich anwachsende Leistungsbilanzlücke finanzieren. Die USA verstanden es, einen immer größeren Anteil der Handelsüberschüsse anderer Länder zur Finanzierung ihrer externen Mammutdefizite zu mobilisieren. Wie der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem jüngsten Kapitalmarktbericht feststellt, absorbierten die USA im zurückliegenden Jahr 60 % der weltweit addierten Leistungsbilanzüberschüsse.

Wie lange die USA ihr riesiges Außendefizit noch finanzieren können, steht in den Sternen. Vorläufig befänden sich die Amerikaner noch in der Rolle des "Hans im Glück", meinte ein Ökonom der BIZ: "Nach den Finanzkrisen in Asien, Russland und Brasilien waren die USA der Zufluchtsort der Fluchtgelder. Rechtzeitig sorgte dann der Boom der "New Economy"-Werte an den amerikanischen Börsen für neue Zuflüsse. Der Ölpreisschocks gab dem Dollar weiteren Rückenwind". Der könnte sich jedoch bald drehen.

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