Bei den Chinesen wird stark auf Konkurrenzkampf gesetzt
Die einfachen Sieger

Chinas Sportler dominieren bei den Paralympics - dabei trainieren sie mit primitiveren Mitteln als die Konkurrenz.

ATHEN. Im Olympiastadion bedankt sich Hy Zhang auf ihre Weise. Gerade ist die 27-jährige Chinesin bei den Paralympics 3,67 m weit gesprungen, das bedeutet Weltrekord. Und Gold. Das Publikum klatscht begeistert und Hy Zhang, die nur noch ein Bein besitzt, schlägt zum Dank einen Salto rückwärts. Die Berlinerin Christine Wolf hat den alten Weltrekord von 3,50 m auch übertroffen, um drei Zentimeter. Silber. Und deshalb erklingt bei der Siegerehrung wieder die chinesische Nationalhymne. 21 Goldmedaillen haben Chinas Sportler nach fünf Wettkampftagen erreicht, 62 Medaillen waren es insgesamt. Damit führen die Chinesen in der Nationenwertung klar vor den Briten mit 36 Medaillen. Das deutsche Team stellt mit 210 Athleten acht Sportler mehr als China, es hatte nach fünf Wettkampftagen neun Goldmedaillen gewonnen.

Der wichtigste Grund für Chinas Überlegenheit ist eine Zahl: 1,2 Milliarden. So viele Einwohner hat China, und dementsprechend groß ist das Reservoir von potenziellen Sportlern. Offiziell gibt es in China aber nur 60 Millionen behinderte Menschen. In der Bundesrepublik leben sechs Millionen Menschen mit Handicap, der Deutsche Behindertensportverband umfasst 350 000 Mitglieder. Leistungssport betreiben etwa 1000.

Die meisten der oberschenkelamputierten Weitspringerinnen aus Westeuropa laufen mit Prothesen, die über computergesteuerte Gelenke und Federn verfügen. Hy Zhang dagegen legt ihre Krücke zur Seite - und hüpft einbeinig an. Ihr verbliebener Stumpf ist zu kurz für eine Prothese. Aber selbst wenn es anders wäre, hätte sie vermutlich kein Geld für eine High-Tech-Prothese. Mitunter fehlt chinesischen Sportlern sogar das Geld für Laufschuhe. Dieses Manko gleichen die Chinesen mit ausgefeilten Trainingsmethoden aus. Teilweise stammen diese Erkenntnisse, im Zuge des Traineraustauschs, aus Deutschland. Bei den Chinesen wird stark auf Konkurrenzkampf gesetzt. "In China wird sehr hart trainiert und zentralistisch gesichtet", sagt Karl Quade, Chef de Mission des deutschen Teams.

1996 in Atlanta war die chinesische Delegation unter den zehn stärksten Nationen, 2000 in Sydney unter den sechs stärksten. Nun dominiert sie, schließlich finden die Paralympics 2008 in Peking statt. Der chinesische Verband pumpt deshalb Millionen Dollar in den Behindertensport. Einige Behindertensportler gelten in China als Stars. Wang Xiaofu etwa, ein Schwimmer, der nach einem Stromschlag einen Arm verlor. Das chinesische Fernsehen hat ihn gerade ausgezeichnet - als "herausragendster behinderter Sportler des Jahres".

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