Bei den Online-Händlern entscheidet der Umsatz im vierten Quartal wesentlich über den Geschäftserfolg
Internet-Werte im Weihnachtsstress

Vor Weihnachten rücken die Aktien der Internet-Händler in den Blickpunkt der Anleger. Für Amazon, Letsbuyit & Co. beginnt die wichtigste Zeit im Jahr, dann wird mehr als ein Drittel des Umsatzes gemacht. Analysten geben sich optimistisch, doch Gewinne sind bei den meisten Unternehmen noch in weiter Ferne.

DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. Mit Ruhe und Beschaulichkeit hat die Weihnachtszeit für die Online-Buchhändler und Internet-Geschenke-Shops wenig zu tun. Denn in den sechs Wochen vor dem großen Fest entscheidet sich bei vielen der geschäftliche Erfolg für das ganze Jahr. Besonders nach dem Kurssturz bei den meisten Internet-Werten stehen die Unternehmen unter Druck, Investoren durch ein gutes Weihnachtsgeschäft bei der Stange zu halten. Die Werte bleiben aber riskant.

Damit der Umsatz kräftig wächst bietet der größte Online-Einzelhändler Amazon.com nicht nur Lesefutter, sondern auch Plätzchen und Butterstollen an. Außerdem liegen im virtuellen Weihnachtsshop des amerikanischen Internet-Händlers CDs, Spielzeug, Präsentkörbe und Christbaumschmuck bereit. "Weihnachten ist für Amazon die wichtigste Saison", sagt Carsten Jansing, E-Commerce-Analyst bei Hornblower Fischer. "In wenigen Wochen wird mehr als ein Drittel der Umsätze gemacht." Läuft das Weihnachtsgeschäft gut, wirkt sich das auch positiv auf den Aktienkurs aus. Derzeit notiert der Wert bei unter 30 $, mehr als 70 % unter einstigen Höchstständen von 113 $.

Die Stimmung im Markt ist nach Ansicht von Analysten weiterhin schlecht: "Bei vielen Investoren wächst die Angst, dass die Geschäftsmodelle auf Dauer nicht funktionieren könnten", sagt Axel Hotze von der Commerzbank. Amazon hat im dritten Quartal seinen Verlust ohne Sondereffekte von zuvor 85,8 Mill. $ auf 89,5 Mill. $ ausgeweitet. Den Ertrag von Amazon belaste vor allem die Ausweitung des Geschäfts in andere Bereiche und Investitionen in die weitere Internationalisierung, meint Hornblower-Analyst Jansing. Er hält die Aktie derzeit für unterbewertet und rät spekulativen Anlegern mit Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft zum Einstieg. Auch die Investmentbank Goldman, Sachs & Co. rät zu einem "spekulativen Kauf", ebenso empfiehlt die Investmentbank Merrill Lynch, Amazon kurzfristig zu "akkumulieren". Der Grund: In den vergangenen Jahren wurde die Aktie mit dem Näherrücken der Weihnachtsfeiertage stärker nachgefragt.

Die Investmentbank Robertson Stephens rät dagegen den Anlegern bei der Amazon-Aktie zur Zurückhaltung. Analystin Lauren Cooks Levitan ist zwar zuversichtlich, dass Amazon die meisten Ziele für das vierte Quartal erreichen werde. Allerdings sorgt sich die Expertin über das mögliche Ausbleiben positiver Meldungen nach Bekanntgabe der Zahlen für das vierte Quartal.

Übernahmen schon in Kürze denkbar

Die Entwicklung des Marktführers Amazon beeinflusst nach Ansicht von Commerzbank-Analyst Hotze auch die Kurse für die Internet-Buchhandlungen am Neuen Markt. Den Kursverlauf der Mediantis AG, vorher Buecher.de, bezeichnet er bisher als "enttäuschend". Die Aktie hat seit Jahresanfang rund 80 % ihres Wertes eingebüßt. Trotzdem empfiehlt Hotze, die Aktie zu akkumulieren. Die Gewinnschwelle sei Ende des Jahres 2001 erreichbar, das Geschäftsmodell funktioniere.

Noch weiter von schwarzen Zahlen entfernt ist die Buch.de. Marcus Sander vom Konsortialführer NordLB erwartet die Gewinnschwelle erst Ende des Jahres 2002 oder Anfang 2003. "Das ist noch ein bisschen hin, und das dokumentiert sich auch zurecht im Kurs." Die Aktie wird zurzeit nur noch bei gut 2 Euro gehandelt. Sander rät zu akkumulieren: "Die Strategie ist gut, das Unternehmen setzt den Schwerpunkt auf das Buchgeschäft", sagt Sander. Denn die Buchpreisbindung sorge für ausreichende Margen im Gegensatz zum hart umkämpften CD-Markt. HSBC Trinkaus & Burkhardt sieht die Aktie dagegen nur "neutral."

Langfristig erwarten sowohl Hotze als auch Sander eine Konsolidierung auf dem Markt. Zu Gerüchten einer Übernahme von Buch.de durch den Konkurrenten Mediantis sagt Sander: "Da ist was dran. In den nächsten Monaten sind Gespräche oder sogar Übernahmen denkbar."

Auch die elektronische Einkaufsgemeinschaft Letsbuyit.com will am Weihnachtsrummel verdienen und hat versucht daher, mit einem "Christmas-Special" Kunden auf die richtigen Seiten locken. Interessieren sich gleich mehrere Abnehmer für dasselbe Geschenk werden Rabatte eingeräumt.

Zwar läuft gegen den Internet-Händler in Deutschland ein Verfahren wegen Verstoß gegen das Rabattgesetz, doch vor Weihnachten ist mit keiner Entscheidung zu rechnen. Mark Josifson, Analyst bei Sal. Oppenheim hat die Aktie auf "Kaufen" eingestuft: Letsbuyit.com brauche spätestens im Sommer frisches Kapital, da die Barreserven nur noch für wenige Monate reichen. Dennoch biete die Aktie auf dem jetzigen Kursniveau seiner Ansicht nach Chancen. Goldman Sachs und Lehman Brothers sind da skeptischer und bewerten das Unternehmen mit "market perform" beziehungsweise "neutral".

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