Bei den Schnäppchen macht das Herz einen Sprung.
Billigparadies statt Shoppinghölle

Wer Schnäppchen mit Stil schlagen will, meidet massentaugliche Factory-Outlets zu Gunsten italienischer Stockhouses.

Direkt am Eingang hängt ein Traum aus blassrosa Wildseide. Ein Kostüm von Antonio D?Errico. Die Größe stimmt, der Preis erst recht: 59,90 Euro. Ein Schnäppchen, wie es im Buche steht. Das Herz macht einen Sprung. Doch nach einem Blick zu den Anproben sinkt es ins Bodenlose: Vor zwei engen Kabinen wartet eine Schlange ungeduldiger Frauen mit Bergen von Kleidern über?m Arm. Sich dort anstellen, um dann hinter einem halbdurchsichtigen Vorhang, der nur bis zu den Knien reicht, in das Kostüm zu steigen, während die eigenen Klamotten von dem viel zu kleinen Haken auf den staubigen Boden gleiten?

Ein Blick auf das Kostüm, ein Blick in den Spiegel an der unverputzten Wand, hin zu den grellen Deckenstrahlern. Die Bretterregale riechen nach Lack, aus den Lautsprechern dröhnt Discomusik. Eine Klimaanlage gibt es natürlich nicht - die Luft ist zum Schneiden dick. Unangenehme Kindheitserinnerungen werden wach, an stickige C&A-Kaufhäuser mit übervollen Kleiderständern und mit Verkäuferinnen, die voller Ungeduld den Vorhang aufreißen, sobald ihr Opfer in der Unterhose dasteht. Der Traum in Rosa bleibt auf seinem Bügel hängen; die Füße treten die Flucht an.

Allen Unwägbarkeiten zum Trotz sind Factory-Outlets auf der grünen Wiese schwer im Trend, und insbesondere zur Urlaubszeit, auf ihrem Weg nach Italien, klappern Schnäppchenjäger gezielt die großen Shop-Fabriken an den Autobahnen ab. Freilich ist hier nicht nur die Auswahl riesig. Auch der Andrang ist groß und vieles Mist. Statt angenehm bedient zu werden, muss sich der Kaufwillige die Designerstücke vom Wühltisch klauben. Dafür kosten sie zehn bis 30 Prozent weniger als im Laden. Lohnt das?

Wer auf das Trash-Trauma verzichten will, nicht aber auf gute Preise, der sucht sich gezielt kleine Stockhouses heraus: kleine "Edel- Outlets" in den Stadtzentren, geführt von pfiffigen Leuten aus der Modebranche, die bei den großen Marken billig Restbestände einkaufen - von Gucci über Prada bis hin zu Ermenegildo Zegna - und dann in ihrem stilvollen Laden anbieten. Hier müssen die Edelmarken nicht auf Grabbeltischen erstritten werden. Hier gibt es professionellen Service und ein stilvolles Ambiente. Und: Die Stockhouses sind eine typisch italienische Spezialität.

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