Bei den Tageszeitungen geht es langsam aufwärts – Werbeboom der Neunziger Jahre jedoch in weiter Ferne
US-Printmarkt steht vor Erholung

Der Aufschwung im US- Zeitschrift- und Zeitungsgeschäft kommt langsam aber sicher. Das glauben Branchenbeobachter. Vor allem Tageszeitungen profitieren von der Erholung der Werbeeinnahmen.

SAN FRANCISCO. In der US-Printbranche geht es ganz langsam wieder aufwärts. "Wir befinden uns im Frühstadium einer Erholung", kommentiert Brian Shipman, Analyst beim Investmenthaus UBS Warburg. Die Werbeeinnahmen, die in der Wirtschaftskrise stark eingebrochen sind, steigen leicht an. Das bestätigen die Zahlen des Branchenbeobachters Zenith Optimedia Group. Nach den Prognosen sollen die Werbeausgaben von Unternehmen in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 % fallen. Im Juli sagte Zenith Optimedia noch ein Minus von 1,2 % voraus.

Eine schnelle Erholung auf das Niveau der späten 90er Jahre ist allerdings nicht zu erwarten. "Eine wirklich bedeutende Erholung ist immer noch außer Sichtweite", sagt Adam Smith, Wissensmanager bei Zenith Optimedia. Auch der Arbeitsmarkt für Mitarbeiter in Medienunternehmen zeichnet kein positives Bild: Im August wurden nach Berechnungen der Personalberatung Challenger, Gray & Christmas Inc. in den USA 1 515 Mitarbeiter entlassen. Das sind zwar 25% weniger als noch vor einem Jahr, doch erreichte die monatliche Zahl der Entlassungen damit in diesem Jahr ihren vorläufigen Höhepunkt.

Vor allem die Wirtschaftspresse leidet unter der schwachen Konjunktur: Die Anzeigenseiten sind bei den führenden US-Wirtschaftsmagazinen "Business Week", "Fortune" und "Forbes" von Januar bis Juli im Vergleich zum Vorjahr um 25% gefallen. Im Vorjahr hatten sie bereits um 37% verloren.

Zeitschriften, die sich auf IT-Themen und die New Economy spezialisierten, wurden von der Wirtschaftskrise besonders hart getroffen. Der "Industry Standard" besteht nicht mehr. Der Konkurrent "Business 2.0" ist übernommen worden. Auch beim Magazin "Red Herring" herrschen harte Zeiten: Vergangenen Monat entließ "Red Herring" weitere 30% seiner Mitarbeiter, nachdem das Unternehmen die Belegschaft schon von 350 auf 70 Mitarbeiter reduziert hatte. Die Werbeeinnahmen sind zwischen Januar und Juli nach Berechnungen des Branchenbeobachters Publishers Information Bureau im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 74% gesunken.

Auch die Terroranschläge vom 11.September vergangenen Jahres haben den Verlagen geschadet. Nach Schätzungen der "New York Times" sind Medienunternehmen durch den Rückzug von Anzeigen nach der Katastrophe rund 300 Mill. $ an Einnahmen entgangen, die in den folgenden Monaten nur teilweise wieder eingeholt wurden. Am Jahrestag der Anschläge verzichteten die meisten Unternehmen ebenfalls auf Werbung.

Besser als Zeitschriften haben dagegen die amerikanischen Tageszeitungen die Krise überstanden. "Die Erholung bei den Werbeeinnahmen der Tageszeitungen war in den vergangenen Monaten langsam aber stetig", schreibt Peter Appert, Analyst beim Investmenthaus Goldman Sachs in einem Report. "Aber in den vergangenen Monaten ist die Erholung etwas abgeflacht", warnt er.

Analyst Appert ist besonders optimistisch, was die Zeitungsverlage Gannett und Knight-Ridder angeht. Gannett verlegt neben der populären überregionalen Tageszeitung "USA Today" 110 weitere Tageszeitungen und besitzt 22 Fernsehstationen. Gannett ist für effiziente Kostenkontrolle bekannt. Im zweiten Quartal ist der Umsatz des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr um 30% auf 303,9 Mill.$ gestiegen. Knight-Ridder hat 32 lokale Tageszeitungen, unter anderem den "Miami Herald" und die "San Jose Mercury News". Ein großer Teil der Einnahmen von Knight-Ridder kommt aus Kleinanzeigen.

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