Bei der deutschen Bewerbung für Olympia 2012 spielt die Wirtschaft eine wichtige Rolle: Geld und Spiele für die Jugend

Bei der deutschen Bewerbung für Olympia 2012 spielt die Wirtschaft eine wichtige Rolle
Geld und Spiele für die Jugend

Fünf deutsche Städte und Regionen wollen 2012 die Sommerspiele ausrichten. Die Wirtschaft soll sich nicht nur an der Finanzierung der Bewerbungskampagnen beteiligen, sondern auch Geld für den sportlichen Nachwuchs zur Verfügung stellen.

In der Schwabenmetropole hält man sich noch zurück. Zunächst, sagt Raimund Gründler, Geschäftsführer der Stuttgart 2012 GmbH, wolle man das Treffen mit Vertretern des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) am morgigen Samstag abwarten. Erst dann sei klar, womit Unternehmen, die die Bewerbung der Landeshauptstadt um die Sommerspiele in zehn Jahren unterstützen wollen, geködert werden dürfen. Doch schon jetzt steht fest, dass der Köder mager ausfallen wird. Fünf deutsche Städte und Regionen - neben Stuttgart noch Hamburg, Leipzig, Frankfurt Rhein- Main und Düsseldorf Rhein-Ruhr - wollen das Großereignis ausrichten, und bis im April 2003 der hiesige Bewerber gekürt wird, dürfen weder der Begriff "Olympia" noch die fünf Ringe verwendet werden. Eine Firma, die einen der Kandidaten im Wettlauf um die Gunst des NOK unterstützt, darf sich also nicht Olympiasponsor nennen. "Da kennen wir kein Pardon", betont NOK-Generalsekretär Heiner Henze.

Es hat also viel mit Idealismus zu tun, wenn sich die Wirtschaft jetzt schon einbringt. "Ich werde mich mit hohem persönlichen und ideellen Einsatz für Olympia engagieren", sagt Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, der dem künftigen Kuratorium der Stuttgart 2012 GmbH angehören wird. Eine Mammutveranstaltung wie Olympia bringe einen gewaltigen Schub für die Infrastruktur. Finanziell will Hundt den Stuttgartern, die für die nationale Ausscheidung insgesamt knapp acht Millionen Euro einkalkuliert haben, aber nicht unter die Arme greifen. Hier seien die Möglichkeiten eines Mittelständlers eher beschränkt, sagt Hundt, dem der Autozulieferer Allgaier-Werke gehört.

Das sieht bei Großunternehmen natürlich anders aus. Für die Bayer AG, Konzernsitz Leverkusen, sei es klar, die "Düsseldorf Rhein-Ruhr 2012"-Bewerbung zu unterstützen. Noch warte man aber auf einen Anruf aus Düsseldorf, welche Form der Unterstützung gewünscht sei. Für Ministerpräsident Wolfgang Clement ist das längst klar - er wünscht sich je 100 000 Euro von den rund 70 Unternehmen, die neben Bayer Mitglied des Bewerbungskomitees sind. Denn die Wirtschaft soll 2002 mindestens genauso viel zahlen wie die öffentliche Hand, nämlich 6,6 Millionen Euro. Das Geld ist aber nicht nur für die Bewerbung eingeplant. Jeder zweite Euro der Wirtschaft soll in die Nachwuchsförderung im NRW-Spitzensport fließen. "Wir wollen schließlich das NOK überzeugen. Und das kann man besser mit Sportförderung als mit PR", sagt Michael Zilles, Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft.

Dies meint auch sein Stuttgarter Kollege Gründler: "Wir glauben, dass die nationale Ausscheidung mehr sein muss als ein Wettbewerb um das beste Konzept. Wir wollen die Wirtschaft bewegen, sich im Nachwuchsbereich zu engagieren." So zahlt Stuttgarter Hofbräu 65 000 Euro für die Bewerbung und die gleiche Summe an ein Jugend-Radteam.

Zilles wünscht sich ein Engagement der Unternehmen auf drei Ebenen: Erstens sollen Firmen den Sportnachwuchs fördern, zweitens die Olympia-Gesellschaft materiell unterstützen und drittens selbst aktiv werden, etwa das Thema Olympia in Vortragsreihen oder Firmenpublikationen aufgreifen.

Ford hat bereits einen sechsstelligen Betrag überwiesen. Einen direkten Werbeeffekt erwartet Marketing-Direktor Jürgen Stackmann aber kaum. "Für uns ist das schon ein Goodwill-Akt. Der Hauptgrund unseres Engagements ist die Verantwortung für die Region", ganz im Sinne des "Corporate Citizenship". Andere Global Player warten noch: "Wir halten uns so lange völlig raus, bis die Entscheidung über den nationalen Bewerber getroffen ist", heißt es bei der Lufthansa. Denn: "Wir dürfen uns nicht dem Vorwurf der Parteilichkeit aussetzen." So sind es eher die regionalen Firmen, die sich engagieren, wie beispielsweise Stuttgarter Hofbräu.

In Hamburg, wo sich die Wirtschaft noch vor der Politik für eine Bewerbung stark gemacht hatte, kündigte die Handelskammer vorgestern an, eine Million Euro zu zahlen. "Zudem gehen wir davon aus, knapp drei Millionen Euro in Form von direktem Sponsoring für sportliche wie außersportliche Events zur Verfügung zu stellen", sagt Reinhard Wolf, Geschäftsführer der Handelskammer.

In einem Punkt sind sich die Olympiabewerber weitgehend einig: Die Wahrscheinlichkeit, gleich im ersten Anlauf die Spiele nach Deutschland zu holen, ist äußerst gering. "Ich denke, dass wir die Bewerbung von vornherein so anlegen müssen, dass wir auch 2016 mit einbeziehen", sagt Arbeitgeberpräsident Hundt. "Viel später sollte es allerdings nicht werden, denn dann kann ich die Spiele nicht mehr mit Genuss erleben."

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