Bei der nächsten Konsolidierung hat der Marktführer eine starke Position
BNP Paribas hat nicht zu viel bezahlt

BNP Paribas hat Crédit Agricole am Wochenende die Schau gestohlen mit seiner Übernahme von 10,9 Prozent der Aktien des Crédit Lyonnais aus Staatsbesitz. Aber die BNP-Aktionäre waren nicht begeistert. Im Gegenteil: Der hohe Preis für das Paket hat den Kurs der Aktie unter Druck gebracht.

LONDON. Wahrscheinlich hat die Börse zu heftig reagiert. BNP zahlt sicherlich einen hohen Preis, aber die Bank hat nun eine starke Position bei der nächsten Runde der Konsolidierung des französischen Bankensektors und gute Chancen, ihren Marktanteil im Massengeschäft, das in Frankreich immer noch wächst, zu vergrößern.

"BNP Paribas hat es geschickt eingefädelt, bei der Restrukturierung der Branche eine wichtige Rolle zu spielen und ein starker Kandidat für eine Übernahme des Crédit Lyonnais zu werden", sagt Tom Hedges, Analyst bei Gartmore Investment Management in London. "Wenn der Kurs noch weiter herunterkommt, werden wie uns die langfristige Story der Bank wieder näher anschauen."

Bisher hat Michel Pebereau, der Präsident von BNP Paribas, Übernahmeabsichten zwar abgestritten. Aber der Aufpreis von 49 Prozent, den er auf den Börsenkurs bezahlt, deutet doch auf ein langfristiges, strategisches Interesse hin.

Wie die Anleger auf einen Zusammenschluss reagieren würden, hinge vor allem vom Preis für die weiteren Anteile ab. Die 58 Euro pro Aktie, die der Regierung bezahlt werden - mindestens zehn Euro mehr die anderen Bewerber geboten haben -, wäre wohl zu hoch. Aber strategisch hätte eine Übernahme aus Sicht der Anleger durchaus ihren Reiz. "Wenn BNP nicht zu viel für die Aktien bezahlt, wäre eine Fusion mit Crédit Lyonnais positiv", sagt Matthew Robertson, Fondsmanager bei Aberdeen Asset Management.

Die Banken haben gemeinsam einen Marktanteil von rund 16 Prozent im französischen Massengeschäft - verglichen mit rund 20 Prozent vom Crédit Agricole. Die gemeinsame Marktkapitalisierung der beiden Kandidaten läge bei etwa 60 Milliarden Euro. Analysten schätzen die möglichen Kostenersparnisse einer Fusion auf Werte zwischen 900 Mill. und 1,5 Mrd. Euro. Einsparmöglichkeiten werden vor allem im Investmentbanking und im Massengeschäft außerhalb Frankreichs gesehen. In Frankreich selbst wäre es wegen der starren Kündigungsgesetze schwierig zu sparen. Dafür dürfte aber das künftige Wachstum vor allem aus dem heimischen Markt kommen. "Es wäre verrückt, die Gans, die die goldenen Eier legt, zu schlachten, indem man Filialen in Frankreich schließt", sagt Romain Burnand, Analyst bei JP Morgan in London.

Wo läge nun ein vernünftiger Preis für die ausstehenden Aktien? Das hinge vor allem von der Höhe des Einsparpotenzials ab. Paul Casson, Fondsmanager bei Scottish Value Management, schätzt zum Beispiel, dass 50 Euro ein "neutraler" Preis für die BNP-Aktionäre wäre. Dabei setzt Casson Einsparungen von 1,3 Mrd. Euro voraus, was rund einem Viertel der Kostenbasis des Crédit Lyonnais entspräche. Die Sparquote entspräche ungefähr der, die BNP nach der Übernahme von Paribas im Jahr 1999 erzielte.

Vor einer Fusion wären allerdings noch einige Hürden zu nehmen. Es wäre zumindest in der nächsten Zeit schwierig für BNP, kleineren Anteilseignern einen schlechteren Preis zu bieten, als dem Staat bezahlt wurde. Dazu kommt: Jean Peyrelevade, der Präsident des Crédit Lyonnais, wird voraussichtlich den Kampf um die Unabhängigkeit fortsetzen. Er hat am Dienstag eine außerordentliche Sitzung der Geschäftsleitung einberufen, um den Angriff von Frankreichs größter Bank auf sein Kapital zu diskutieren. Weil sich die im Filialgeschäft die Netze von Crédit Lyonnais und BNP stärker überlappen, dürfte Peyrelevade eher einer Fusion mit dem Crédit Agricole gewogen sein: Diese Bank ist vor allem auf dem Land stark, Crédit Lyonnais dagegen in der Stadt, so dass es hier weniger Überschneidungen gäbe.

Außerdem könnten die anderen Aktionäre, wie zum Beispiel Crédit Agricole, zurückschlagen und selber Angebote vorlegen - Jean Laurent, der Präsident dieser Bank, hat bisher keine gute Figur gemacht. Denn Crédit Agricole war seit mindestens einem Jahr in Gesprächen mit dem Crédit Lyonnais und lange Zeit der Favorit der Regierung als Käufer des Pakets von 10,9 Prozent. Es ist daher kaum zu vermuten, dass er sich einfach kampflos aus dem Geschehen verabschieden wird.

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