Bei der PGA-Championship dreht sich alles um das große Geld – und das sehr erfolgreich
Der Tiger und die Krabben-Cocktails

Chaska ist das letzte Golf-Major des Jahres. Um die goldene Kuh richtig zu melken, hat der US-Verband PGA den Hazeltine Club in eine Schlemmer-Oase verwandelt. Weiße Sponsoren-Zelte neben den Grüns. Schon jetzt ist dem Veranstalter deshalb ein satter Gewinn sicher.

LOS ANGELES. Im amerikanischen Bundesstaat der 10 000 Seen dreht sich dieser Tage alles um den starken Dollar-Zufluss. Die Karawane der besten Golf-Profis der Welt macht in Chaska, Minnesota, Station, um das letzte Major des Jahres zu spielen. Da in der Kleinstadt südwestlich von Minneapolis selten Aufregendes passiert, ist der Wirbel um die US-PGA-Championship nur allzu verständlich. Die Werbestrategen haben dem Turnier jetzt den Beinamen "letzte Chance zum Ruhm" verpasst, nachdem ihnen Tiger Woods mit seinem Missgeschick bei den British Open den Slogan vom Grand-Slam-Showdown vermasselte.

Der Weltranglistenerste ist wieder Favorit und möchte das Jahr mit einem Triumph "noch erfolgreicher gestalten". Der deutsche Vorzeigegolfer Bernhard Langer hat im Gegensatz dazu weitaus kleinere Zielvorgaben: "Ich möchte den Cut schaffen, dann sehen wir mal weiter." Am Sonntag wird abgerechnet - doch ein Sieger steht jetzt schon fest.

Willkommen im Dorf von "Corporate America". 35 Bewirtungszelte hat die PGA entlang der Grüns aufgestellt. Da es in ihnen neben einer Klimaanlage auch Champagner, Krabbencocktails und Truthahnbrust gibt, nennt man sie blumig Chalets und verlangt zwischen 135 000 und 150 000 Dollar Miete. 160 Firmen haben zugegriffen und sich ein edles Plätzchen in den Schlemmer-Tempeln reserviert. Einkehren und Einlochen gehen bei der 84. PGA Championship Hand in Hand. "Wir haben auf unsere Sponsoren gehört. Und da sie ihre besten Kunden bringen, sollen die auch erstklassige Erfahrungen sammeln", meint PGA-Geschäftsführer Jim Awtry. Allein zehn Millionen Dollar Gewinn sollen die Chalets abwerfen. Darüber hinaus rollt der Rubel auch durch jene 8 000 Golf-Anhänger, die sich den Wochenpass für den exklusiven Wanamaker Club 350 Dollar kosten lassen. Ohne Getränke und Essen. Durch den Verkauf von 40 000 Tickets kommen weitere zehn Millionen Dollar in die Kassen der "PGA of America", die zudem vom Fernsehsender CBS zwölf Millionen Dollar für die Fernsehrechte erhält.

Hysterie um Woods ist ungebrochen

Ein warmer Geldregen in Zeiten der Firmenpleiten und Börsen-Talfahrten, der den Geschäftssinn des amerikanischen Profi-Golfverbandes demonstriert. Noch immer stehen übrigens die 17 Millionen Dollar Netto-Einnahmen vom Ryder Cup 1999, den die PGA (Professional Golf Association) ausrichtete, als größter Gewinn in der Golfgeschichte zu Buche.

Nun werden die Edel-Fans von Donnerstag an bis Sonntag im Hazeltine National Golf Club die weichen Sofas und gepolsterten Stühle strapazieren und vor allem über Tiger Woods philosophieren. Die Hysterie um die Lichtgestalt, die an der schottischen Küste mit einer 81er Runde einmal die Schattenseite des Sports erlebte, ist ungebrochen. Als Woods vorgestern eine Trainingsrunde spielte, strömten bereits morgens um sieben hunderte Fans durchs Eingangstor. Bereits eine gute Stunde später folgten 5 000 Anhänger dem Golf-Messias, der trotz seines 28. Platzes bei den British Open und der vergebenen Grand-Slam-Chance in Chaska Geschichte schreiben kann.

Den Statistikern fällt eben immer etwas ein und auf. Woods, der 2002 das Masters und die US Open gewann, kann sich als erster Golfer den American Slam sichern. Denn noch kein Golfer konnte bislang alle drei amerikanischen Major-Turniere in einem Jahr gewinnen.

Der Superstar kann Historisches schaffen

Bei einem Triumph hätte der Superstar zum zweiten Mal drei Majors in einer Saison zu seinen Gunsten entschieden - auch das gab es noch nie. Motivationsprobleme kennt der Champion deshalb nicht. "Wie ich gehört habe, erwarten einige, dass ich hier einen Durchhänger haben werde", erklärte Woods, "und das amüsiert mich doch sehr. Wie kann ich einen Durchhänger haben? Es ist ein Major und das letzte des Jahres." Seine wiedergefundene Form stellte die Nummer eins vergangene Woche unter Beweis, als er in Grand Blanc (Michigan) den 33. PGA-Toursieg seiner Karriere feierte. Mit dem Siegerscheck über 594 000 Dollar katapultierte Woods sein Jahrespreisgeld auf 4,5 Millionen Dollar.

Und natürlich werden die Fans neben Woods vor allem Phil Mickelson unter die Lupe nehmen. Der Amerikaner, der zwar bereits 21 Turniersiege auf der PGA-Tour feiern konnte, hat bei den Majors die Schreckensbilanz von 41 Starts und null Siegen vorzuweisen. Der "ewige Verlierer" ist eine Art sentimentaler Held der Massen, dem das kollektive Daumendrücken allerdings noch nicht "aus dem Tal der schwachen Nerven" (Los Angeles Times) half. "Ein jeder scheint das Turnier unter einem Aspekt zu sehen: ,Ist dies das Major, das Phil gewinnen wird??. Ich tue dies aber nicht", erklärte Mickelson, "für mich ist es ein Turnier, das Spaß machen soll und in dem ich gut spielen will."

Neben dem Amerikaner taucht immer wieder Sergio Garcia in der Liste der Tiger-Jäger auf, ohne dass dem Jungstar bislang ein Major-Streich gelang. "Ich muss mich beim Putten noch steigern", weiß der 22-Jährige, der bei den letzten drei Major-Turnieren jeweils unter den Top 10 war. Ob Garcia allerdings in Hazeltine der Durchbruch gelingen wird, ist bei einem Blick in die Annalen fraglich. Seit 1930 konnte kein Europäer mehr bei den PGA Championships triumphieren.

Die Fans in den noblen Chalets haben wirklich alles: Champagner, Krabben und jede Menge Gesprächsstoff.

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