Bei der Versteigerung der Fachverlagssparte von Bertelsmann-Springer geht der Beteiligungsfonds bis ans Limit
Finanzinvestor Cinven liegt auf der Lauer

Das paneuropäische Private-Equity-Haus Cinven ist auf Einkaufstour. Geschäftsführer Peter Gangsted sieht vor allem in Deutschland gute Chancen und will 2003 hier zu Lande mindestens eine große Transaktion abschließen. Erste Ziele hat er dafür schon ins Visier genommen.

FRANKFURT/M. Chemiefirmen, Verlage, Fitness-Center - der Finanzinvestor Cinven lässt auf seiner Jagd keine Branche aus. Besonders angenehm sind dem Private-Equity-Haus vermeintlich "langweilige" Unternehmen mit stabilem Cash-Flow aus traditionellen Branchen, sagt Peter Gangsted, Vorsitzender der Geschäftsführung und Leiter des Frankfurter Büros, dem Handelsblatt.

Jüngstes Beispiel ist das Übernahmeangebot von 204 Mill. Pfund, das Cinven für die britische Fitness First Plc abgegeben hat. Fitness First betreibt weltweit 330 Fitness-Center, darunter in Deutschland 64 unter dem Namen Fitness Company. "Jede Zeit bietet unterschiedliche Chancen, im Moment gibt es mehr Aktivität auf der Akquisitionsseite, Verkäufe von Portfoliofirmen sind dagegen schon schwieriger", schildert Gangsted die Marktlage.

Finanzinvestoren wie Cinven geben im Markt für Fusionen und Übernahmen ("Mergers & Acquisitions") derzeit den Ton an. Sie bewegen sich in einem "käuferdominierten Markt", im dem die Hälfte aller Beteiligungsmanager 2003 mehr Transaktionen erwartet als im vergangenen Jahr, wie die Unternehmensberatung Deloitte & Touche analysiert hat. Die Beteiligungsfonds sind ganz überwiegend nicht an den öffentlichen Finanzmärkten notiert. Deshalb blieben sie auch von der Baisse verschont und sitzen auf Milliardentöpfen.

Cinven beispielsweise hat von den bei institutionellen Investoren eingesammelten 4,4 Mrd. Euro Eigenkapital nur rund 30 % investiert. Es verbleiben also noch etwa drei Mrd. Euro für neue Investments in Europa, sagt Gangsted. Wenn dieser Fonds voll investiert ist, könne der nächste eine ähnliche Größenordnung haben, deutet der früher für Allianz Capital Partners tätige Manager an. Trotz des schwierigen Umfelds blieben die Private-Equity-Häuser bei Renditevorstellungen von 20 bis 30 % für das eingesetzte Eigenkapital, das seien auch die Vorstellungen der Geldgeber - Pensionsfonds, Versicherungen, vermögende Familien und vermehrt arabische Adressen.

In Deutschland hat sich Cinven mit Beteiligungskäufen seit gut einem Jahr zurückgehalten. "Wir gehen hier ziemlich selektiv vor", so Gangsted, "aus einigen Auktionen von Konzernteilen sind wir ausgestiegen, weil uns der Preis zu hoch war." Noch dabei ist Cinven nach Angaben aus Branchenkreisen beim heißesten Deal dieses Jahres, der Versteigerung der Fachverlagssparte von Bertelmann Springer. Cinven gilt als Favorit, da man zusammen mit dem britischen Beteiligungsfonds Candover im vergangenen Jahr für 600 Mill. Euro den niederländischen Fachverlag Kluwer Academic Publishing erworben hatte.

Jetzt winken Synergien, vorausgesetzt man kommt in Gütersloh zum Zug. Ein Branchenexperte sieht einen Zuschlag für Cinven als "totale Prestige-Sache." Andererseits sei es gefährlich, den Deal so anzugehen, weil man bei der Preisvorstellung mit knapp einer Mrd. Euro an der Decke angekommen sei. Bis Ende Juni soll der Zuschlag erfolgen.

Gangsted glaubt, dass Deutschland attraktiv bleibt für Finanzinvestoren. Dabei käme das Angebot weniger vom Mittelstand, sondern zu 80 % von Großkonzernen, die einzelne Teile veräußern werden. Von den großen Fonds wie Apax, Permira oder BC Partners würden wohl fünf bis sieben Transaktionen abgeschlossen, schätzt Gangstedt. Einen Branchenschwerpunkt sieht er dabei nicht. Lediglich Banken oder Versicherungen blieben für Cinven tabu, weil die Bilanzstrukturen für Buyouts unattraktiv seien.

Konzern-Ausgliederungen werden auch auf europäischer Ebene den Großteil des Angebots bestimmen, wobei die Verkaufsprozesse wie im Fall von Vivendi durch den Druck zum Schuldenabbau beschleunigt werden. Und auch Privatisierungen könnten Gangstedt zufolge wieder in Mode kommen. "Derzeit liegt kein Angebot auf dem Tisch, aber der Staat braucht Geld."

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