Bei deutschen Transaktionen bleiben die Anwälte von Hengeler Mueller führend
Linklaters bei Übernahmen in Europa vorne

Das schleppende Geschäft mit Übernahmen und Fusionen zeigt sich in den Auftragsbüchern der Anwälte. Die Zahl der betreuten Transaktionen wächst langsamer, ihr durchschnittlicher Wert sinkt. Wer bei den großen Deals zu Jahresbeginn dabei war, ist in der Rangfolge der M&A-Kanzleien kaum noch einzuholen.

FRANKFURT/M. Das Rennen der erfolgreichsten M&A-Anwälte scheint vorläufig entschieden. Die Rangfolge der im Geschäft mit übernahmen und Fusionen (M&A) tätigen Sozietäten hat sich im dritten Quartal dieses Jahres gegenüber dem ersten Halbjahr nur wenig verändert. Das haben Berechnungen des Informationsdienstleisters Mergermarket ergeben. Danach konnte die Anwaltssozietät Linklaters & Alliance ihre Spitzenposition bei europäischen Transaktionen ebenso behaupten wie die hiesige Anwaltssozietät Hengeler Mueller ihren Platz eins im deutschen Markt.

Wie schon im ersten Halbjahr teilen sich Linklaters, Clifford Chance und Allen & Overy gemessen an den "wertvollsten" M&A-Transaktionen die ersten drei Plätze. Erst auf den weiteren Rängen hat es im dritten Quartal Verschiebungen gegeben. So rückten die Experten von Shearman & Sterling von Platz 6 auf Rang 4 vor, Ashurst Morris Crisp wanderte einen Platz nach unten. Die Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer büßte zwei Ränge auf Platz sieben ein.

Auffällig ist die mangelhafte Präsenz von US-Kanzleien. Mit Ausnahme von Shearman & Sterling findet sich kein großer US-Name unter den ersten zehn Plätzen in Europa. Nach Ansicht von Charlie Welsh von Mergermarket sind die US-Rechtsberater zu sehr auf den einheimischen Markt konzentriert. "Der Tod des transatlantischen M&A-Geschäfts als Folge von Enron wird den US-Kanzleien kaum helfen, ihre Position und ihre Erträge in Europa im Jahr 2002 zu verbessern", erklärte Welsh.

Die unveränderte Rangfolge auf den ersten Plätzen überrascht kaum. Das europäische Geschäft mit Übernahmen und Fusionen steckt seit mehreren Quartalen in einer Krise. Die Situation hat sich in den zurückliegenden drei Monaten noch verschärft. Nach Berechnungen von Mergermarket brach das M&A-Geschäft in Europa zwischen Januar und September um 40 % ein. "Ich hätte diesen Einbruch nicht erwartet", erklärte Andreas Austmann, Partner der deutschen Sozietät Hengeler Mueller.

Weniger neue Aufträge

Dies ist nicht ohne Folgen für die Auftragsbücher der Rechtsberater geblieben. Bezogen auf die ersten zehn Plätze sank der durchschnittliche Wert der betreuten Transaktionen von 978 Mill. auf 871 Mill. Euro. Gleichzeitig konnten die Anwälte im dritten Quartal weniger neue Aufträge hereinholen als in den vorhergehenden Quartalen.

Die Folge: Wer bei den wenigen großen Transaktionen zu Jahresbeginn dabei sein durfte, der ist jetzt kaum noch einzuholen. So war Linklaters & Alliance bei der übernahme der Lattice Group durch National Grid mit einem Volumen von 20 Mrd. Euro ebenso beteiligt wie beim Kauf von Sonera durch Telia (Transaktionsvolumen 10 Mrd. Euro). "Linklaters war bei nahezu jedem größeren Deal dabei, der bislang im Jahr 2002 angekündigt wurde", erklärte Welsh von Mergermarket.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im innerdeutschen M&A-Markt. Dort betreuten die Experten von Hengeler Mueller mit der geplanten übernahme von Degussa durch RAG (8,3 Mrd. Euro) und dem Kauf von Reemtsma durch Imperial Tobacco (5,1 Mrd. Euro) die größten Transaktionen hier zu Lande. Das sicherte der Anwaltssozietät den ersten Platz in der Rangfolge.

Nach eigenen Angaben konnte Hengeler Mueller den Anteil im deutschen M&A-Markt auf rund 50 % ausbauen. Den Erfolg begründet Hengeler-Partner Austmann mit der Qualität der Rechtsberatung sowie dem niedrigen Verhältnis von Partnern zu angestellten Anwälten. "In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wollen die Mandanten den direkten Zugang zu einem Partner und nicht ausschließlich mit angestellten Anwälten zu tun haben", erklärte Austmann.

Bis zum Jahresende dürfte sich die Situation im M&A-Geschäft nicht mehr wesentlich verbessern. "Ich glaube kaum, dass die verbleibenden drei Monate das Jahr noch retten werden. 2002 wird ein schlechtes M&A-Jahr werden", glaubt Austmann. Erst für 2003 ist er wieder etwas optimistischer. "Die Private-Equity-Firmen könnten eine treibende Kraft werden. Wir beobachten dort bereits ein wachsendes Interesse an Gesprächen", sagte Austmann.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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