Bei einem Olympiasieg von Sven Hannawald gewinnt nicht nur der Skispringer: Verdienen an der „Hanni-Manie“

Bei einem Olympiasieg von Sven Hannawald gewinnt nicht nur der Skispringer
Verdienen an der „Hanni-Manie“

Quam stieg zum perfekten Zeitpunkt als Sponsor von Sven Hannawald ein, Karstadt im ungünstigen Moment aus. Denn der Schwarzwälder kann am Mittwoch Olympiasieger werden.

SALT LAKE CITY. Irgendwie passen sie bestens zusammen. Ja, Sven Hannawald und Werner Heinz sind zwei vom selben Schlag, zumindest wenn?s ums Geld geht. Sparsam sind sie oder, anders gesagt, kostenbewusst. Der Skispringer legt seine Einkünfte nach eigener Aussage fleißig fürs Eigenheim beiseite, und auch sein Manager hält die Kohle konsequent zusammen. Wenn längere Telefonate absehbar sind, bittet er die von ihm Angewählten schon mal darum, ihn doch zurückzurufen.

Ob er diese Praxis auch jetzt anwendet, wenn er von seinem Büro in Trier aus Kontakt zu seinem Schützling in Salt Lake aufnimmt, ist nicht bekannt. In der seit der Vierschanzentournee nicht enden wollenden Jubelarie um den 27-Jährigen vergisst möglicherweise selbst der Agenturchef seine Sparmaßnahmen. Grund dazu hätte er. Am Sonntag musste Hannawald zwar mit Silber auf der Normalschanze zufrieden sein, doch heute ist er im Utah Olympic Park im Wettbewerb auf der Großschanze Topfavorit.

Das Thema Hanni geht also weiter. Deutschland fährt unverdrossen auf einen leicht gewichtigen, groß gewachsenen und in der Öffentlichkeit noch unsicheren Jüngling ab, der springt und springt und springt, wie einst der Käfer lief. "Bei der Tournee bin ich ein Riesending gelandet. Wenn man mich aber zum neuen Beckenbauer erklären will, ist das verfrüht. Das nehme ich nicht ernst", sagt Hannawald im Handelsblatt-Gespräch und will von den "Phänomenen von früher" nichts wissen.

Manager Heinz hingegen glaubt an eine neue Lichtgestalt. "Wahrscheinlich kann er sich noch in 30 Jahren vor die Kameras stellen und dafür Geld verlangen", prognostiziert er eine ewige mediale Nachfrage. Schließlich hätten die Großen der Skisprungszene 50 Jahre versucht, alle Springen der berühmten Vierschanzentournee zu gewinnen. Erst der Hinterzartener habe den Traum realisiert - Super-Sven eben.

Der Typ, der immer nur sein "Zeugs gemacht" hat, versetzte alles und jeden in Aufregung und manövrierte RTL zum Sub-Gewinner des Geschehens. "15 Millionen Einschaltquote", jubelt Heinz, "wer hat das schon geschafft?" Das lässt er einfach mal im Raum stehen, um nach kurzer Pause festzustellen: "Der Sven hat es geschafft." Die Ausrufezeichen hinter der Aussage sind unüberhörbar. Und auch der Stolz darüber, dass Hannawald interessant für die großen Sponsoren und Medien geworden ist. Für die ganz großen.

Als erster Skispringer wurde der Wahl-Schwarzwälder zu "Wetten, dass?" eingeladen und zwischen Boris Becker und Claudia Schiffer hinter der Schale mit Gummibärchen platziert. Mick Jagger und Naomi Campbell waren auch da, und der schwergewichtige Bulle von Tölz alias Ottfried Fischer machte Witzchen über den mageren Banknachbarn. "Es war schon interessant, Herrn Gottschalk kennen zu lernen", findet Hannawald. Glitzer und Glitter der Showbranche sind noch ungewohnt, kreischende Teenies an den Schanzen verwandeln einen Sportler nicht zwangsläufig in einen Popstar.

Dabei ist für Werner Heinz der Weg dorthin im Prinzip nicht zu verhindern. "Der Sven", so sagt er, "soll nach dem Gewinn der Vierschanzentournee öfter in den Medien aufgetaucht sein als der 17-jährige Boris Becker nach seinem ersten Wimbledon-Triumph." Er weiß, dass der Vergleich mit einem 17 Jahre alten Ereignis hinkt. Aber egal.

Für Heinz und Mitarbeiter riefen Hannawalds unerwartet erfolgreiche Flugstunden ein ebenso unerwartetes Arbeitsvolumen hervor. Sechs Mitarbeiter kümmerten sich zuletzt fast nur noch um den Ski-Klienten. Der Manager, der sich vor allem mit Motorsport (Formel-1-Pilot Nick Heidfeld ist sein Kunde) beschäftigt, erinnert sich: "Das letzte Mal hatten wir so etwas in der Hoch-Zeit der Ära Henry Maske." Jener Maske, ehemals Boxer, war vor ein paar Jahren übrigens als Hannawald-Betreuer bei Heinz angestellt. Inzwischen hat sich Maske umorientiert und betreibt McDonald?s-Restaurants. So auch die Filiale unterhalb der Tribüne der Leverkusener BayArena.

Werner Heinz hingegen verdient nicht mit Burgern, sondern Sportlern. Zuletzt vor allem mit Hannawald, der auf Einnahmen in Höhe von anderthalb bis zwei Millionen Euro in dieser Saison kommen dürfte. Wenn?s gut läuft, ist laut Insidern in Zukunft noch eine zusätzliche Million pro Jahr drin. "Ein Olympiasieg wäre für die Vermarktung relativ egal", glaubt Heinz mit Blick auf die bereits exzellenten Popularitätswerte.

Den Mobilfunkern von Quam, die seit Saisonbeginn als Hannawalds Hauptsponsor fungieren, wäre ein Sieg trotz nicht erlaubter Werbepräsenz bei Olympia dennoch recht. Vor den Spielen wurde schnell noch ein zusätzlicher Werbespot gedreht, denn auch die Telefónica-Tochter geriet in den Strudel kollektiver Hannawald-Euphorie. Kein Wunder, schließlich bestätigen die Marktforscher von Sport + Markt der Marke beste Bekanntheitswerte. "Mit ihrem Skisprung-Paket rund um die Vierschanzentournee und Hannawald gelang Quam ein Glücksgriff", sagt Marcel Cordes. Der Marktforscher verweist auf Platz zwei im Sponsoren-Ranking und meint: "Mehr als 40 Prozent Bekanntheit als Sponsor sind nach so kurzer Zeit sensationell."

Andere hatten weniger Glück. Warsteiner und Karstadt beendeten vor der Saison ihr Engagement als Geldgeber. Das Warenhaus kaufte sich sogar aus dem laufenden Vertrag heraus. Da Hannawald lange im Schatten von Martin Schmitt stand, war die Hoffnung auf eine Wende dahin. "Beide Seiten hatten Erfahrungen gesammelt. Dann hat Karstadt den Dienst quittiert", analysiert Hannawald. Dumm gelaufen für das Unternehmen.

Es verpasste den Hanni-Hype und auch eine dümmliche RTL-Aktion. Der Sender ging auf Frauensuche für den ledigen Skispringer, worüber der nicht sonderlich amüsiert war: "Das war nicht arg positiv." Sein Manager sieht dies nicht anders: "Das war nicht fair, weil es mit uns nicht abgesprochen war. Manchmal schießen die bei RTL übers Ziel hinaus." Ohne Wirkung blieb das Theater dennoch nicht. "Sven hatte in nur einem Monat drei Millionen Klicks auf seiner Internetseite", erzählt Werner Heinz. "Das schafft sonst nur Michael Schumacher." Die Homepage wird von RTL verwaltet, ebenso wie jene von Martin Schmitt.

Auf der Internetseite des Managers (www.whsport.de) dringt man nur über den Button "Wintersport" oder ein kleines eiförmiges Foto zu Hannawald vor, während Formel-1-Pilot Heidfeld namentlich erwähnt wird. Dem Überflieger geht es damit kaum besser als einem gewissen "Model of Germany", das sich hinter dem Button "Models/Schauspieler" verbirgt. Ein Vertragspartner wie jeder andere eben.

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