Bei Fallschirmabsprung
Möllemann stürzt in den Tod - Zeugen sprechen von Selbstmord

Der frühere FDP-Spitzenpolitiker Jürgen Möllemann - eine der schillerndsten Personen der deutschen Politik - ist tot. Knapp drei Monate nach dem Bruch mit der FDP kam er bei einem Fallschirmsprung am Donnerstagmittag ums Leben, vermutlich durch Selbstmord.

HB/dpa BERLIN/MÜNSTER. Nur wenige Minuten zuvor war die Immunität des 57-Jährigen im Bundestag aufgehoben worden. Fahnder durchsuchten im Zuge von Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung, Betrugs und Verstoßes gegen das Parteiengesetz mehrere Möllemann-Objekte in vier Ländern.

Parteien, Freunde und Gegner des weithin umstrittenen Politikers, der Ehefrau und drei Töchter hinterlässt, äußerten sich bestürzt. Der Bundestag unterbrach seine Beratungen und gedachte seines langjährigen Abgeordneten. Die Fahnen im Berliner Parlaments- und Regierungsviertel wurden auf Halbmast gesetzt.

Der Chef des Fallschirmclubs Marl, Thomas Vilter, berichtete als Augenzeuge, Möllemann habe bei dem Sprung auf dem westfälischen Flughafen Marl-Loemühle in etwa 1500 Metern Höhe seinen bereits normal geöffneten Hauptschirm abgeworfen und nicht den Reserveschirm gezogen. "Eine Störung war von hier aus, vom Boden aus, nicht zu erkennen", sagte Vilter der Hörfunkagentur dpa/Rufa. Möllemann sei den ganzen Morgen über ziemlich einsilbig gewesen, erklärten Zeugen. Die Polizei äußerte sich nicht zu den genauen Umständen des Todes. Ein Sprecher berichtete jedoch, Möllemann habe ursprünglich in einer Gruppe springen sollen, dies aber abgelehnt und sei einzeln hinterher gesprungen.

Möllemann gehörte dem Bundestag und Landtag in Düsseldorf als fraktionsloser Abgeordneter an, nachdem er seine FDP-Spitzenämter verloren hatte und im März aus der Partei ausgetreten war. Gegen ihn liefen mehrere Ermittlungsverfahren. Es wurde wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Parteiengesetz sowie im Zusammenhang mit ungeklärten Spendeneingängen ermittelt. An den Durchsuchungen am Donnerstag waren mehr als 100 Beamte beteiligt, teilten die Staatsanwaltschaften in Münster und Düsseldorf mit. Die Ermittler wurden an 13 Orten in Deutschland, Luxemburg, Spanien und Liechtenstein aktiv. Sie durchsuchten auch Büros im Düsseldorfer Landtag und im Bundestag, Firmenräume von Möllemanns Firma Webtec in Düsseldorf sowie Bankhäuser in Liechtenstein und Luxemburg. Auch Möllemanns Wohnhaus in Münster und sein Ferienhaus auf Gran Canaria wurden durchsucht.

Möllemann war auf dem Höhepunkt seiner Karriere 1992/93 Wirtschaftsminister und Vizekanzler in der Regierung von Helmut Kohl (CDU) gewesen. Er musste vom Amt zurücktreten, weil er sich auf Dienstpapier für die Vermarktung eines Einkaufswagen-Chips eines Verwandten eingesetzt hatte.

In der FDP rückte er später wieder zum Vize-Vorsitzenden auf und war Erfinder des "Projekts 18" der Liberalen im Bundestagswahlkampf 2002. Wegen eines gegen die Politik der israelischen Regierung gerichteten Flugblatts kam es zwischen Möllemann, der ein erklärter Freund der arabischen Welt und Präsident der deutsch-arabischen Gesellschaft war, und der Partei zum Bruch. Nach dem Ausscheiden von seinen Ämtern als Vize-Parteichef und als Partei- und Fraktionsvorsitzender in Nordrhein-Westfalen trat Möllemann schließlich im März 2003 aus der FDP aus, der er eine Hetzjagd vorwarf.

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