Bei Festveranstaltung
Viele Tote bei Selbstmordanschlag in Tschetschenien

Mindestens 20 Menschen wurden in den Tod gerissen. Das Attentat ereignete sich nur wenige Stunden nach der Ankunft von US-Außenminister Powell in Moskau.

rtr MOSKAU. In Tschetschenien hat eine Selbstmord-Attentäterin am Mittwoch offiziellen Angaben und Agenturmeldungen zufolge mindestens 20 Besucher einer moslemischen Festveranstaltung mit in den Tod gerissen.

Der Anschlag ereignete sich nahe Grosny wenige Stunden nach der Ankunft von US-Außenminister Colin Powell in Moskau zu Gesprächen, bei denen es unter anderem um die Zusammenarbeit der USA mit Russland bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus gehen dürfte. Dutzende Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt, der möglicherweise dem Chef der tschetschenischen Regierung, Achmad Kadirow, galt. Kadirow war nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Itar-Tass bei der Veranstaltung zugegen, blieb aber unverletzt. Bei den meisten Opfern des Anschlages handele es sich um ältere Menschen, die in Ilischan-Jurt bei Grosny den Geburtstag des Propheten Mohammed hätten feiern wollen, teilte das tschetschenische Informationsministerium mit. Insgesamt hätten rund 15 000 Menschen an dem Fest teilgenommen.

Am Dienstag hatten Selbstmord-Kommandos in Saudi-Arabien Sprengsätze in drei Wohneinheiten mit ausländischen Bewohnern in der Hauptstadt Riad gezündet. Unter den 34 Toten waren mindestens sieben US-Amerikaner. Am Montag waren bei einem Sprengstoff-Anschlag mutmaßlich tschetschenischer Rebellen auf ein Regierungsgebäude im Norden der Kaukasus-Republik 59 Menschen getötet worden. "Die blutigen Terrorakte in Tschetschenien und in Saudi-Arabien können Moskau und Washington näher zusammen bringen", lautete am Mittwoch eine Schlagzeile der russischen Tageszeitung "Wremja Nowostei".

In Tschetschenien sind radikalislamische Rebellen aktiv, die ungeachtet der Volksabstimmung über die Anbindung der Republik an Russland nach eigener Darstellung für die Unabhängigkeit Tschetscheniens von Russland kämpfen. Der russischen Regierung ist es entgegen offiziellen Darstellungen nicht gelungen, den seit zehn Jahren anhaltenden Guerrilla-Krieg in der Kaukasus-Republik dauerhaft zu beenden. Nach dem Anschlag am Montag hatte der russische Präsident Wladimir Putin erklärt, er bleibe bei seinem Friedensplan für Tschetschenien.

Powell, der seine erste Nahost-Reise nach dem Ende des Irak-Kriegs mit Besuchen in Russland und Europa abschließt, will in Moskau das für 1. Juni geplante Gipfeltreffen zwischen Putin und US-Präsident George W. Bush in St. Petersburg vorbereiten.

Der in der UNO ausgetragene Streit zwischen Russland und den USA über das Vorgehen gegen Irak hatte die Beziehungen in jüngster Vergangenheit belastet. Russland gehörte mit Frankreich und Deutschland zu den prominentesten Kritikern des von den USA und der "Koalition der Willigen" geführten Irak-Kriegs. Gleichwohl betonte der russische Außenminister Igor Iwanow vor dem Treffen mit Powell, die Außenpolitik Moskaus sei an einer langfristigen freundschaftlichen und partnerschaftlichen Beziehung zu den USA orientiert.

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