Bei Fusionen steht alles auf dem Prüfstand
HP und Compaq: Aus Zwei mach Eins

Wenn zwei Unternehmen fusionieren, stehen viele Fragen unbeantwortet im Raum. Bei HP und Compaq verläuft die Umsetzung der Fusion wie aus dem Lehrbuch.

woll DÜSSELDORF. Compaq-Computer - ein Unternehmen der neuen HP, mein Name ist..." Wie sie sich korrekt am Telefon melden müssen, das wussten die Mitarbeiter von Compaq bereits kurz nachdem die Fusion der beiden Computerhersteller bekannt gegeben worden war - viel mehr wussten sie nicht. Nicht, wie viele Arbeitsplätze im Zuge der Fusion abgebaut werden, wer das neue Unternehmen in Zukunft führt oder wie ihr eigener Job in Zukunft aussehen wird.

Wenn zwei Unternehmen fusionieren, stehen viele Fragen unbeantwortet im Raum. Die wichtigste Frage: Was wird aus meinem Job? "Unsicherheit und auch Existenzangst sind bei Fusionen ganz normal", sagt Hans Gärtner, Partner der Gruppe Fischer Gärtner Management Beratung in Hamburg. "Sie können sie nicht vermeiden. Entscheidend ist aber, wie Sie damit umgehen."

Fusionen, sagt Gärtner, sind radikale Umbrüche: Alles steht auf dem Prüfstand - die Veränderungen gehen sehr schnell vor sich. Doch auch in solch einer Situation ist es möglich, die Motivation der Mitarbeiter zu erhalten und eine Abwanderung der wichtigen Kräfte zu vermeiden: "Die Unsicherheit können Sie Ihren Mitarbeitern nicht nehmen - Sie können ihnen aber wenigstens Prozess-Sicherheit geben." Sprich: Es muss für die Entscheidungen einen klaren Zeitplan geben. Das gibt den Mitarbeitern das Gefühl, dass der Prozess kontrolliert abläuft. "Auch wenn ich noch nicht weiß, wie der Zug aussieht, gibt mir der Fahrplan doch die Sicherheit, dass der Zug überhaupt fährt", beschreibt Berater Carsten Frigge von der Düsseldorfer C4-Consulting den Effekt.

Kommunikation gegen Motivationsverlust

Ein zweiter Punkt ist die offene Kommunikation: "Viele Manager in solchen Umgestaltungsprozessen sagen gar nichts, weil sie nichts Konkretes sagen können", erklärt Frigge. Dabei ist Kommunikation eines der wichtigsten Hilfsmittel gegen Motivationsverlust: "Nichtkommunikation ist auch eine Form von Kommunikation. Wenn die Führung nichts sagt, treten Gerüchte auf", sagt Boston-Consulting-Berater Peter Strüven. Er rät außerdem zu schonungsloser Ehrlichkeit: "Wenn Sie den Mitarbeitern keinen reinen Wein einschenken, führt das zur Enttäuschung - und dann gehen die Besten zuerst."

Kommunikation bei einer Fusion ist Chefsache: "Wenn es mehr Fragen als Antworten gibt, müssen die Chefs persönlich vor Ort sein. Viele Dinge kann ein Manager mit den Mitarbeitern nur von Angesicht zu Angesicht besprechen", rät Gärtner. Außerdem fördere das die Glaubwürdigkeit: "Gute Führungskräfte haben die Einschusslöcher in der Brust."

Fusion wie nach Lehrbuch

Obwohl es auch bei Compaq und HP derzeit mehr Fragen als Antworten gibt, läuft die Fusion wie nach Lehrbuch ab. Kein Wunder: Acht Monate hatte das Top-Management Zeit, die Fusion in abgeschirmten Clean-Rooms zu planen. So lange dauerte es, bis die Fusion offiziell genehmigt war. Als das neue Unternehmen verkündet wurde, standen Top-Management und die Länderchefs bereits fest, die Produktlinien der "neuen HP" folgten zwei Tage später. Nach drei Wochen stand bereits das mittlere Management auf der Tagesordnung. Außerdem wird viel gereist: Die Führungskräfte stehen den Mitarbeitern bei so genannten Coffee-Talks Rede und Antwort.

Die neue HP liegt gut in der Zeit, denn laut Frigge sollen die wichtigsten Entscheidungen nach vier Wochen stehen und in 100 Tagen umgesetzt sein. Die Aktivität nach acht Warte-Monaten sorgt jetzt sowieso für einen Motivations-Schub, sagt ein Insider.

Quelle: Handelsblatt

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