Bei Geldmarktfonds dürften Erträge noch weiter sinken
Investoren bezahlen Sicherheit mit niedriger Rendite

Der Boom am Geldmarkt hält an. "Sicherheit zuerst!" lautet offenbar die Devise der Anleger. In den ersten beiden Monaten des Jahres schoben sie nach Angaben der Branchenvereinigung Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) über 6 Mrd. auf die Geldparkplätze. Der März fiel mit einem Zufluss zu Geldmarktfonds von 1,3 Mrd. allerdings relativ schwach aus.

HB DÜSSELDORF. Insgesamt waren die Mittelzuflüsse in die vom BVI registrierten 64 Euro-Geldmarktfonds im ersten Quartal beinahe genauso hoch wie im gesamten Jahr 2002, in dem Investoren rund 8,5 Mrd. vor der Börse in Sicherheit brachten. Unter dem Strich lag das Fondsvermögen Ende März bei gut 67 Mrd.

An der Rendite kann es allerdings nur bedingt liegen, dass Euro-Geldmarktfonds weiter boomen. Denn nach Abzug der Fondskosten liegt die Gesamtrendite im Durchschnitt "momentan bei etwas mehr als zwei Prozent", sagt Marita Barth, die bei Deutschlands größter Investmentgesellschaft DWS Geldmarkt- und geldmarktnahe Fonds verwaltet. Der aktuell beste Fonds erzielt immerhin einen Zwölfmonats-Wertgewinn von 4,49 % (Tabelle).

Ein Plus von gut 2 % kann real - nach Steuern und Inflation - eine geringe Einbuße bedeuten. Selbst das akzeptieren Anleger offenbar, so lange an den Aktienmärkten Verlustgefahren dominieren und auch bei länger laufenden Anleihen jetzt wieder spürbare Rücksetzer möglich sind.

Und die Renditen am Geldmarkt dürften weiter nachgeben. Siegfried Cordes, Abteilungsleiter "Fixed Income" bei der Fondsgesellschaft Credit Suisse Asset Management (Deutschland), rechnet mit einer "weiteren Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank um 0,25 Prozentpunkte noch im Sommer".

Es geht um hundertstel Renditepunkte

In diesem Anlagesegment geht es für Fondsstrategen per Saldo ohnehin nicht um ganze, sondern um hundertstel Renditepunkte. Und um die zu erwirtschaften, weichen Fondsmanager zunehmend auf Investmentalternativen aus. Die Anlagerichtlinien und der Gesetzgeber erlauben in Geldmarktfonds nach deutschem Recht auch Festzins-Anleihen, sofern deren verbliebene Laufzeit höchstens ein Jahr beträgt. Deren Renditen liegen - abhängig von der Bonität des jeweiligen Schuldners - in der Regel um einige Hundertstel höher als der Dreimonats-Euribor. Der Interbankenzinssatz in der Eurozone bildet für Geldmarktfonds die Brutto- Benchmark (vor Abzug der Kosten).

Renditeaufschläge sind auch mit so genannten Asset Backed Securities - mit Forderungen unterlegte, zumeist variabel verzinste Anleihen - zu erzielen. "Solche Papiere werden zur Renditesteigerung beigemischt", erläutern beide Zinsstrategen Barth und Cordes. Das Kurzfrist-Rating des Schuldners darf allerdings nicht schlechter als "A1" bzw. "P1" von Standard & Poor's bzw. Moody s sein.

Alternativen zu den wenig attraktiven Euro-Geldmarktfonds sind in der Fondswelt rar gesät. So zählt der BVI bis Ende März nur 23 Geldmarktfonds in ausländischen Währungen - vor allem in Schweizer Franken und US-Dollar - mit einem Volumen von 3,4 Mrd. . Denen flossen im gesamten Jahr 2002 umgerechnet 617 Mill. zu, im ersten Quartal 2003 um 170 Mill.

US-Dollar-Geldmarktfonds als traditionell beliebtester Parkplatz für Profis bergen aber momentan weitaus mehr Risiken als Chancen. "Finger weg", lautet deshalb Asoka Wöhrmanns, Zins- und Währungsstratege der DWS, knappe Empfehlung. "Investments sind gleich in zweifacher Hinsicht unattraktiv, möglicherweise sogar riskant", warnt er. Zum einen liegen die Kurzfrist-Dollarzinsen spürbar unter den Eurosätzen. Das größte Risiko ist aber eine weitere und anhaltende Schwäche des Greenback. Diesen Eindruck verstärkt der Dollarrückschlag während der vergangenen Tage.

Für viele Anleger sind deshalb ansehnlich verzinste Tagesgeldkonten bei Direktbanken und kleineren Instituten eine lohnende Alternative. Geldmarktfondsmanager sehen das naturgemäß anders. "Die Pluspunkte eines Geldmarktfonds sind dessen breite Streuung und deshalb konservative Ausrichtung, die tägliche Verfügbarkeit und die Renditen, die in der Regel über vergleichbaren Termingeldern liegen", sagt Barth. Außerdem seien Anlagen auf Bankkonten oft nur mit begrenzten Summen während eines festen Zeitraums möglich, weil Marketingstrategen der Institute Gelder anziehen wollten.

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