Bei gut zwei Prozent BIP-Anstieg in der Euro-Zone nimmt die Arbeitslosigkeit ab
Studie: Beschäftigungsschwelle des Wachstums sinkt

ari DÜSSELDORF. Die Aussichten zum Abbau der Arbeitslosigkeit haben sich in den vergangenen Jahren in der Euro-Zone deutlich verbessert. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer jetzt veröffentlichten Studie über die so genannte Beschäftigungsschwelle des Wirtschaftswachstums. Oberhalb dieser Schwelle sinkt auch die Arbeitslosigkeit, darunter steigt sie. Der Schwellenwert ist nach den IWH-Berechnungen im vergangenen Jahrzehnt deutlich gesunken. Damit sei nicht nur das Wachstum beschäftigungsintensiver geworden. Es wachse auch die Chance, Arbeitslosigkeit dauerhaft zu verringern, heißt es in der Untersuchung.

Ein weiteres Absinken des Schwellenwertes kann nach Ansicht der Konjunkturforscher von der Politik positiv beeinflusst werden. Dazu sei es allerdings erforderlich, bestehene strukturelle Rigiditäten auf dem Arbeitsmarkt zu lockern. Konkret empfiehlt das IWH, die Ausweitung von Teilzeitarbeit zu fördern und die Regulierungsdichte auf dem Arbeitsmarkt zu verringern. Die zweite Stoßrichtung der Politik sollte nach IWH-Ansicht in der Stärkung der Wachstumskräfte liegen. Denn ein höherer Wachstumspfad der gesamtwirtschaftlichen Produktion ziehe ein höheres Beschäftigungsniveau und damit auch eine Abnahme der Arbeitslosigkeit nach sich.

In der Euro-Zone reicht nach der IWH-Studie gegenwärtig bereits ein Wirtschaftswachstum von gut 2 % aus, um einen Beitrag zum Abbau der Arbeitslosigkeit zu leisten. Im Zeitraum 1960 bis 1972 habe die Beschäftigungsschwelle noch bei über 5 % gelegen. In den acht vom IWH untersuchten Ländern der Euro-Zone liegen die Schwellenwerte heute wesentlich enger beieinander als in den 60er-Jahren. Dies sei ein Indiz für eine Annäherung der Strukturen in diesen Ländern. Begünstigt werde die Senkung der Beschäftigungsschwelle dadurch, dass das Wachstum der Arbeitsproduktivität in Industrie und bei den Dienstleistungen seit Jahrzehnten nachlasse.

Für Deutschland hat das IWH in den 90er-Jahren eine Beschäftigungsschwelle von 1,9 % festgestellt. Damit erklärt sich, warum zwischen 1994 und 1997 bei einem durchschnittlichen Wachstum von 1,6 % pro Jahr die Arbeitslosigkeit nicht gesunken, sondern sogar gestiegen ist.

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