Bei Hymer müssen sich Anleger auf längere Haltefristen einstellen
Spezialfahrzeug-Aktien sind eine solide Sache

Die Aktien der Hersteller von Freizeit- und Arbeitsfahrzeugen eignen sich gut für konservative Anleger. Doch nachdem Kaessbohrer innerhalb von sechs Monaten um 70 % zulegen konnte, ist jetzt Vorsicht angesagt. Jungheinrich hingegen ist Analysten zufolge derzeit niedrig bewertet.

DÜSSELDORF. In den turbulenten Börsenzeiten haben Aktien aus den Dax-Nebenwerten wegen ihrer relativen Stabilität wieder an Aufmerksamkeit gewonnen (Handelsblatt vom 19.04.). Gerade im Moment bieten sich für langfristig orientierte Anleger günstige Möglichkeiten, den einen oder anderen kleineren Wert ins Depot zu legen. Zu den Dax-Nebenwerten zählen auch Hersteller von Spezialfahrzeugen, die dem einjährigen Abwärtstrend erfolgreich Widerstand leisteten.

Vielen Urlaubern, aber wenigen Anlegern bekannt ist das im Smax-Segment notierte Unternehmen Hymer. Wer sich für die Aktie des Reisemobil- und Caravanherstellers interessiert, sollte beachten, dass das Papier vergleichsweise selten und nur mit niedrigen Umsätzen gehandelt wird. Das liegt zum einen am geringen Streubesitz - Aufsichtsratschef Erwin Hymer hält rund 77, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) etwa 11 Prozent der Anteile - und an der Unternehmenstreue der Privataktionäre. "Das ist der Grund, warum Hymer nicht ins Laufen kommt", meint Analyst Wolfgang Albrecht vom Großaktionär LBBW. In den vergangenen zwölf Monaten pendelte die Aktie in einem engen Kursband zwischen 32 und 35 Euro, hat sich damit aber auch als sicherer Hafen in turbulenten Börsenzeiten etabliert.

Deswegen empfiehlt sich Hymer Analysten zufolge eher für konservative Kleinanleger mit langem Zeithorizont. "Die Hymer-Aktie ist eine grundsolide Sache", sagt Frank Biller, Analyst bei der Baden Bank. -Württembergischen Das Unternehmen sei hervorragend in allen Preissegmenten aufgestellt und habe eine dominierende Stellung bei Reisemobilen. LBBW-Analyst Albrecht hält den Reisemobilhersteller auf jeden Fall für unterbewertet: Hymer sei ein "Value-Wert erster Güte", vor allem wegen der "überdurchschnittlichen Dividendenrendite" von vier Prozent. Daher empfiehlt er, die Aktie zu "akkumulieren".

Dass eher konservative Nebenwerte auch für Höhenflüge gut sind, zeigt der Sendener Geländefahrzeug-Hersteller Kaessbohrer. Im November vergangenen Jahres notierte das Papier noch unter elf Euro. Doch innerhalb weniger Monate wurde ein kontinuierlicher Kursanstieg auf 19 Euro realisiert. Die gute Entwicklung stützt sich auch auf den optimistischen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2000/2001. Zwar sank das Konzernergebnis in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,65 auf 15,8 Millionen Mark, doch insgesamt plant Kaessbohrer eine Gewinnsteigerung von rund sieben Prozent. Stabiles Ergebniswachstum zwischen sieben und elf Prozent erwartet auch die Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt in den nächsten Jahren.

Dennoch hat Analyst Richard Schramm die Aktie des Geländefahrzeugbauers mit einem Kursziel bei 16 Euro von "Kaufen" auf "Reduzieren" zurückgestuft und zu Gewinnmitnahmen geraten. Zu rasant sei die Kursrally in den vergangenen Monaten gewesen, die vor allem von der Suche nach einem sicheren Hafen gekennzeichnet war. Auf lange Sicht jedoch "bleibt die solide Entwicklung des Unternehmens intakt", schreibt Schramm in seiner Studie. Um sich in Zukunft breiter zu positionieren, setzt das stark vom Wintergeschäft abhängige Unternehmen nun auch auf neue Produkte im Bereich Strandpflege. Bereits in den ersten neun Monaten wurde der Umsatz in diesem Bereich gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf fünf Millionen Mark verdoppelt.

Für langfristig orientierte Anleger ist nach Meinung der Bank M.M. Warburg auch die Vorzugsaktie des MDax-Wertes Jungheinrich interessant.

Wegen der niedrigen Bewertung (KGV auf Basis von 2002 bei 5,0) und dem längerfristig guten Ausblick empfiehlt Analyst Eggert Kuls die Aktie des Gabelstapler- und Lagertechnikherstellers zum "Kauf". Während die Umstrukturierungskosten bei den Tochterunternehmen in England und Frankreich und die Umstellung auf ein eigenes Vertriebssystem das Ergebnis in 2001 noch belasten dürften, rechnet Kuls für 2002 mit einem deutlichen Ergebnissprung. Das Ergebnis je Aktie werde von 1,01 Euro im Jahr 2001 auf 1,83 Euro in 2002 ansteigen, schreibt Kuls in einer Studie.

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