Bei Lucent kursierten sogar Konkursgerüchte
Übernahme von Lucent durch Alcatel steht vor der Entscheidung

Bei den Fusionsgesprächen der Telekom-Riesen ist eine heiße Phase eingeläutet worden. Noch gibt es offene Fragen, die ein Zusammengehen verhindern könnten. Sollten die Probleme gelöst werden, könnte die Transaktion bereits am Mittwoch offiziell werden. Goldman Sachs sieht Lucent-Übernahme als hohes Risiko Serge Tchuruk: Frankreichs amerikanischster Manager

dpa PARIS/NEW YORK. Die Übernahmegespräche zwischen dem französischen Telekommunikations-Ausrüster Alcatel und seinem US-Konkurrenten Lucent stehen kurz vor der Entscheidung. Brancheninformationen zufolge wurde am Dienstag über letzte Details der möglichen Fusion verhandelt, die auf eine Übernahme von Lucent durch Alcatel für rund 23,5 Mrd. Dollar (53,6 Mrd. DM/27 Mrd. Euro) hinausliefe. Es gebe aber weiterhin noch offene Fragen, die ein Zusammengehen verhindern könnten, hieß es aus unternehmensnahen Quellen. Würden die Probleme gelöst, könnte die Transaktion schon an diesem Mittwoch angekündigt werden.

Alcatel gab in Paris keinen Kommentar zu den Gesprächen ab. Auch Lucent lehnte weiter eine Stellungnahme ab. Bei einem Zusammenschluss würde eines der größten Unternehmen der Telekomausrüstungs-Branche entstehen. Der neue Branchengigant mit fast 230 000 Beschäftigten hätte eine starke Stellung sowohl in Europa als auch in den USA.

In entscheidenden Punkten herrscht bereits Einigkeit

Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" (Dienstagausgabe) sollen die Vorstände bereits in den entscheidenden Punkten Übereinstimmung erzielt haben. Der Übernahmepreis von mehr als 53 Mrd. DM solle in Aktien entrichtet werden, berichtet die Zeitung und beruft sich dabei auf Unternehmensquellen. Alcatel - Aktionäre würden zu 58 % an der fusionierten Gesellschaft beteiligt. Schätzungen zum Übernahmepreis hatten sich bislang auf rund 70 Mrd. DM belaufen. Der Gesamtwert der Lucent-Aktien ist von 285 Mrd. Dollar Ende 1999 auf rund 32 Mrd. Dollar geschrumpft.

Ausgeklammert werden soll bei dem Zusammengehen den Angaben zufolge die 58-prozentige Beteiligung der Lucent Technologies Inc (Murray Hill/New Jersey) an dem Chipunternehmen Agere Systems Inc, die mit 7,65 Mrd. Dollar bewertet werde. Sie soll an die Lucent-Aktionäre gehen und nicht von Alcatel übernommen werden. Eine Übernahmeprämie von Alcatel für die Lucent-Aktionäre sei nach derzeitigem Verhandlungsstand nicht geplant.

Fusion geht mit äußerst großen Risiken einher

Der angeschlagene Lucent-Konzern erwägt nach einem Bericht der Financial Times Deutschland (Dienstagausgabe), über größere Aktienverkäufe neues Geld aufzutreiben, um die Finanzierungslücke bis zur Genehmigung der Fusion zu schließen. Das Unternehmen habe seinen Banken versprochen, bis September mindestens 2,5 Mrd. Dollar aufzunehmen. Das US-Unternehmen hatte zudem ein umfangreiches Sanierungsprogramm mit dem Abbau von 10 000 seiner 100 000 Arbeitsplätze angekündigt.

Für den Alcatel-Konzern, der im vergangenen Jahr mit 130 000 Beschäftigten rund 31 Mrd. ? Umsatz (62 Mrd DM) erzielte, sehen Branchenanalysten auch große Risiken in einer Fusion mit Lucent. Nach deren Schätzungen müssen 20 000 Stellen gestrichen werden, um die hoch verschuldete Lucent zu sanieren.

Lucent war 1996 von dem US-Telefonkonzern AT&T verselbstständigt worden und hatte einen jahrelangen Höhenflug. Auf Grund seiner starken Expansion mit dem Zukauf von 38 Firmen für insgesamt 46 Mrd. Dollar, der schwachen US-Konjunktur und den Problemen vieler Telekom - und Internet-Firmen war das Unternehmen in Schwierigkeiten geraten. In den vergangenen Monaten kursierten sogar Konkursgerüchte, die von Lucent aber vehement dementiert wurden.

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