Bei Marktführern zugreifen
Technologieaktien: Ein Leben ohne Guru

Henry Blodget, der alte Techno-Fuchs, verdrückt sich einfach. Nimmt sein Abfindungspäckchen im geschätzten Wert von zwei Millionen Dollar und will nun ein Buch schreiben über das Aufpumpen und Platzen der Internetblase. Ausgerechnet jetzt zieht sich der Staranalyst von Merrill Lynch ins stille Kämmerlein zurück und lässt uns mit dem jüngsten Kursanstieg der Technologieaktien allein.

Dabei hätten wir Kleinanleger da noch manche offene Frage gehabt, zum Beispiel, wann der Kurs des Internet-Buchhändlers Amazon die einst prognostizierten 400 Dollar erreicht - momentan steht der Wert bei knapp zehn Dollar.

Aber sehen wir es einfach mal positiv. Ein Leben ohne Guru hat auch Vorteile, weil wir wieder den eigenen Gedanken folgen können. Wie kann man sich beispielsweise die atemberaubende Aufholjagd seit den Tiefstständen Ende September erklären? Immerhin hat die Nasdaq rund 30 Prozent gutgemacht, der Nemax sogar aus dem Keller heraus rund 100 Prozent. Zwei Faktoren sind wohl die Triebfedern: einmal der schnelle Marsch auf Kabul und zum zweiten die Liquidität im Markt, denn die weltweit sinkenden Zinsen machen Anlagen in fest verzinsliche Papiere immer unattraktiver. Dass die Tech-Aktien leicht besser liefen als der Gesamtmarkt, liegt wohl auch daran, dass sie im Zuge der Value-Renaissance stärker unter die Räder gekommen waren.

Sind Technologieaktien angemessen bewertet?

Und wie geht es weiter? Im Grunde taucht jetzt das gleich Problem auf wie vor dem 11. September, nämlich die Frage, ob die Technologieaktien angemessen bewertet sind. Schaut man sich die durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 1985 bis 1998 an, so sind die Titel aktuell um etwa zehn Prozent zu teuer, Genaueres wird man aber erst mit den Bilanzen für das erste Quartal 2002 wissen, denn der Gewinn ist die große Unbekannte in der Rechnung. Wahrscheinlich werden sich die Tech-Aktien in den nächsten Jahren in etwa mit dem Gesamtmarkt entwickeln, denn Personal Computer und Handys sind mittlerweile ausgereifte Techniken, Speicherchips werden schon als Rohstoffe behandelt. Die Produkte rechtfertigen immer weniger das Verteilen von Innovationsprämien. Wenn die Gewinne - wie im bisherigen langfristigen Durchschnitt - um zehn Prozent wachsen und der Markt die Aktien fair bewertet, dann würden die alten Höchststände in rund sieben Jahren erreicht.

Manche Titel werden vom Kurszettel verschwinden

Manche Titel werden aber schon in den nächsten sieben Monaten vom Kurszettel verschwinden, sei es über Fusionen oder Konkurse. Denn die Branche steht auch vor strukturellen Veränderungen, deren Auswirkungen schwer abschätzbar sind. So ist zum Beispiel noch nicht entschieden, ob das Mieten von Software ein Riesengeschäft wird oder ob es den Telekom-Gesellschaften gelingt, ihre Milliarden-Investitionen in den Aufbau der neuen Mobilfunknetze wieder einzuspielen. Ein Analyst sagte einmal, es habe ihm noch keiner richtig erklären können, warum er sich ausgerechnet im Gehen einen Videofilm ansehen solle. Mittelfristig werden die TMT-Aktien (Technologie-Medien-Telekommunikation) aber sicher wieder ein besonderes Spiel sein: Der Durchbruch bei den Breitband-Anwendungen oder die massenhafte Verbreitung von Nanotechnologien könnten den Sektor wieder abheben lassen. Wer daran glaubt, kann jetzt bei Marktführern wie Cisco, Microsoft & Co. zugreifen, denn deren Überleben sichert die schiere Größe.

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