„Bei mir wird knallhart nach Leistung aussortiert“
Der Lautsprecher ist zurück

Kaum ist Trainer Klaus Toppmöller beim Hamburger SV im Amt, schon spricht er über Euphorie und große Erfolge.

HAMBURG. Nicht jeder auf dem Podium schien der selbstverschuldeten Situation beim Hamburger SV gewachsen zu sein. Während der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann in einer abgelesenen Erklärung Trainer, Spieler und auch die etwa 100 Journalisten um Entschuldigung für das Fehlverhalten in der Posse um die Entlassung von Trainer Kurt Jara bat, verhaspelte sich Sportchef Dietmar Beiersdorfer manchmal in seiner Rede und wirkte mitgenommen.

"Die moralische Bewertung müssen wir anderen überlassen", sagte Beiersdorfer und mutmaßte, "dass das eine oder andere bei den Spielern zurückbleiben kann". Das Verhältnis zwischen Profis und ihren Vorgesetzten gilt seit längerem als belastet.

Noch am Sonntag hatten die beiden bezahlten Vorstandsmitglieder des Hamburger SV zur Überraschung aller, aber durchaus glaubwürdig, dem alten Trainer Jara trotz des 0:4 beim 1. FC Kaiserslautern den Rücken gestärkt. Jara werde bis zum Heimspiel gegen den FC Schalke 04 Trainer des HSV bleiben. In der Nachbetrachtung der Partie auf dem Betzenberg erfolgte dann die Kehrtwendung. "Am Sonntag haben wir hinter unseren Worten gestanden", sagte Beiersdorfer, "danach aber hat sich ein neuer Eindruck ergeben." Die Körpersprache der Mannschaft und die Körpersprache des Trainerstabs hätten die beiden Verantwortlichen zum Rückzug von Jara bewogen: "Es war sicher keine Meisterleistung. Aber wir haben unsere Glaubwürdigkeit im Sinne des Vereins gefährdet."

So also wurde der Weg frei für Klaus Toppmöller, den ja wohl auch Hertha BSC umworben hatte. Nach Gesprächen mit dem HSV am Montag in Frankfurt habe es bei ihm "klick" gemacht, sagte der seit acht Monaten arbeitslose Fußball-Lehrer gestern in Hamburg. Warum es hier "klick" und nicht dort "klick" gemacht hat, wollte Toppmöller nicht weiter ausführen. Trotz Nachfrage wollte er zu einem möglichen Berliner Angebot und möglichen Gesprächsinhalten keine Stellung nehme; der "Bild"-Zeitung hatte er am Mittwoch gesagt, Hertha habe nie auf seiner Liste gestanden. In Hamburg erhält er einen Vertrag bis 2005. Jara, der zwei Jahre an der Alster arbeitete, wird dem Vernehmen nach mit 250 000 Euro abgefunden. Sein Vertrag war erst im Sommer bis 2005 verlängert worden. Zusammen mit dem Österreicher müssen auch drei Assistenztrainer gehen.

Seite 1:

Der Lautsprecher ist zurück

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%