Bei mit Vermögenswerten besicherten Wertpapieren steht die Sicherheit im Vordergrund
Kleinvieh macht auch Mist

Waren die letzten beiden Wochen der Anfang vom Ende des langen Bärenmarkts oder doch nur das Ende vom Anfang?

LONDON. Wenn Sie darauf keine Antwort haben, lohnt es sich vielleicht, einen Blick auf durch Hypotheken unterlegte oder auf andere, durch Vermögenswerte besicherte Wertpapiere zu werfen. Das dürfte zwar sicher nicht die aufregendste Investitionsform sein, aber sie könnte sich in diesen Zeiten als äußerst umsichtig erweisen.

Immerhin werfen mit Hypothekendarlehen gesicherte Papiere (MBS) oder durch Aktiva besicherte Wertpapiere (ABS) mehr ab als Staatsanleihen, und sie sind meist mit einer Bonitätseinstufung von "AAA" oder "AA" versehen. Mit einer Marktkapitalisierung von 2,5 Bill. Dollar stellt der US-Markt für durch Hypotheken besicherte Schuldtitel 16 % des amerikanischen, in Dollar denominierten Anleihemarkts. Liquidität ist also sicher kein Problem. Die Stützen des MBS-Markts sind Wertpapiere, die von den drei US-Realkreditinstituten begeben werden. Fannie Mae, Ginnie Mae und Freddie Mac sind drei der größten Kreditanstalten der Welt. Im Grunde kaufen die drei Agenturen Hypotheken von Banken, Sparkassen und Versicherungen, sammeln und verpacken sie in neue Wertpapiere, die durch die so zusammengelegten Hypotheken besichert sind. Dann verkaufen sie diese an die Investoren. Die Anleger erhalten den Cash-Flow aus den zu Grunde liegenden Hypotheken.

Bei ABS werden als Sicherheit unter anderem Kreditkarten-Forderungen sowie Hypotheken von geschäftlich genutzten Immobilien unterlegt. Auch hier überwiegen erstklassige Ratings. Der ABS-Markt in Europa, unter den auch amerikanische MBS fallen, ist im Vergleich zu den USA zwar immer noch klein, aber er wächst.

Was spricht für ein Engagement in MBS oder ABS? Zum einen die Entwicklung: Von Januar 1990 bis Ende September 2002 habe der Lehman-Brothers-U.S.-Securitized - Index eine Jahresrendite von 8,23 % aufgewiesen gegenüber 7,67 % beim Salomon-Brothers-U.S.-Intermediate-Treasurys-Index, sagt Iain Lindsay, Portfolio-Manager bei Goldman Sachs, und verweist auf die annähernd gleiche Risikostruktur beider Indizes. Die Titel von Ginnie Mae seien zudem von der US-Regierung garantiert. Auch den beiden anderen Instituten müssten die USA wegen ihrer Größe im Fall einer Krise aushelfen, so Lindsay.

Ein Portfolio mit MBS und ABS mit Ratings von AAA oder AA könnte die Jahresrendite um 0,40 bis 0,50 Prozentpunkte anheben, ohne dass das Risiko im selben Ausmaß steige. "Sie sind von Natur aus eine defensive Investition", meint Lindsay. Angesichts der beträchtlichen Ausschläge bei Unternehmensanleihen und den breiteren Wertpapiermärkten könnten diese Engagements derzeit besonders attraktiv sein. "Der Reiz, in ABS zu investieren, liegt darin, dass die Rendite meist höher ist als bei ähnlich eingestuften Bonds", sagt Jonathan Laredo, Leiter für Structured Finance für Europe und Asien bei JP Morgan. Natürlich ist auch bei ABS, wie bei allen Investitionsinstrumenten, Vorsicht angebracht. Während Kleinanleger zwar einige dieser Wertpapiere kaufen können, sollte der aktive Handel den Profis überlassen bleiben. Im Allgemeinen richten sich diese Papiere wegen ihrer hohen Komplexität an institutionelle Investoren, Kleinanleger sollten den Weg über einen Fonds nehmen, raten die Profis.

Ein weiteres Risiko besteht in der so genannten vorzeitigen Rückzahlung. Wenn Kreditnehmer ihre Immobilie verkaufen oder ihre Hypotheken zu einem niedrigeren Zinssatz umschulden, dann wird das wie eine früher als vereinbart vorgenommene Rückzahlung behandelt. Was der Schuldner an Zinskosten spart, stellt für den Kreditgeber verlorene Einnahmen dar, was sich wiederum auf den Wert der MBS niederschlägt. Und MBS und ABS sind stark von der Zinsentwicklung abhängig: Fallen die Zinsen, steigt ihr Kurs und umgekehrt. Die beiden letzten Risiken sind zusammengenommen so komplex, dass die Anlage-Experten eigens Berechnungsmodelle ausknobeln, um sie zu kontrollieren.

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