Bei NATO-Gipfel in Prag
Bush und Schröder geben sich die Hand

Bundeskanzler Gerhard Schröder und US-Präsident George W. Bush haben sich bei ihrer ersten Begegnung seit dem Bundestagswahlkampf zwar freundlich begrüßt, die deutlichen Meinungsverschiedenheiten in der Irak-Politik bestanden aber auch beim NATO-Gipfel in Prag fort.

Reuters PRAG. Bush berichtete am Donnerstag von einem "herzlichen Treffen" bei einem Festbankett am Vorabend. Vor laufenden Kameras schüttelten sich beide später während eines Gruppenbildes aller Gipfelteilnehmer die Hände, nachdem deutsche Delegationsmitglieder zuvor nur von einem "langen Händedruck" beim Bankett berichten konnten. Doch Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte, die Positionen in der Irak-Frage lägen weiterhin auseinander. Schröder bekräftigte, Deutschland bleibe auch nach einer US-Anfrage nach Unterstützung im Falle eines Irak-Kriegs dabei, sich an keiner militärischen Intervention zu beteiligen.

"Wir hatten gestern Abend ein herzliches Treffen. Wir haben einander herzlich begrüßt", sagte der US-Präsident. Bush fühlte sich Diplomaten zufolge von der deutschen Kritik an seiner Irak-Politik im Bundestagswahlkampf persönlich getroffen, insbesondere von dem angeblichen Vergleich der politischen Methoden Adolf Hitlers und Bushs durch die damalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin.

Schröder bemüht sich um Normalität

Schröder sagte in Anspielung darauf, er habe Konsequenzen gezogen und "Bush deutlich gemacht, dass es zu keiner Zeit zur Debatte stand, seine persönliche Integrität in Frage zu stellen". Däubler-Gmelin gehört dem Kabinett nicht mehr an. Der Kanzler bemühte sich um den Eindruck von Normalität. "Es gibt zwischen Freunden - im politischen wie im privaten - immer mal Meinungsverschiedenheiten", sagte er. "Wir haben so viele Gemeinsamkeiten, so wichtige Fragen miteinander zu bereden, dass das immer wieder im Vordergrund stehen muss", sagte Schröder und fügte hinzu: "Und ich denke, dass sehen beide Seiten so."

Bush äußerte sich ähnlich. "Deutschland ist ein wichtiger Freund der Vereinigten Staaten. Wir haben eine Beziehung zu erhalten, und wir werden sie erhalten", sagte er. Ein zunächst von der Bundesregierung angestrebtes separates Treffen Schröders mit Bush war aber nicht geplant. Bush reservierte dagegen Zeit für Frankreichs Präsident Jacques Chirac und Großbritanniens Premierminister Tony Blair. "Ich rate dazu, dass man die Bedeutung des Zeremoniellen wieder absenkt", sagte Fischer.

Während es zum ersten Händedruck erst kam, nachdem die Kameras den Saal des Festbanketts in der Prager Burg verlassen hatten, wiederholten beide dies am Donnerstag während eines Gruppenfotos. Bush drehte sich zu Schröder um, sprach mit ihm. Schröder lachte mit zurückgeworfenem Kopf, bevor er sich zum Händeschütteln neben Bush stellte.

Seinen Beratern hat Bush erklärt, er vertraue Schröder nicht: Dieser habe seine Zusicherung nicht wahr gemacht, nach der Wahl seine Kommentare über die amerikanische Irak-Politik zu mäßigen. Als Bush Mittwoch in deutlichen Worten davon sprach, dass sich die europäischen Demokratien den Gefahren für die Freiheit entgegenstellen müssten, schien das insbesondere an Schröder gerichtet zu sein, der sich am deutlichsten gegen einen Angriff auf Irak ausgesprochen hatte.

Schröder sagte nicht, wie Deutschland auf die Anfrage der USA nach Unterstützung im Falle eines Irak-Kriegs reagieren werde. Doch ein von ihm erneut ausgeschlossener deutscher Militäreinsatz steht NATO-Diplomaten zufolge auch nicht auf der amerikanischen Wunschliste. Die USA wollten von Deutschland die Genehmigung zum Überflug und zur Nutzung von Stützpunkten in Deutschland, jedoch keinen Einsatz deutscher Soldaten, hieß es.

Die USA begannen mit den Anfragen an rund 50 Länder damit, eine Allianz für einen Irak-Krieg zu schmieden. Bush hat Iraks Präsident Saddam Hussein gedroht, wenn er am 8. Dezember erneut den Besitz von Massenvernichtungswaffen bestreite, werde "seine letzte Phase mit einer Lüge" beginnen.

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