Bei optimistischen Konjunkturprognosen ist Vorsicht angesagt
Chemie muss den Umbau vorantreiben

Für die europäische Chemieindustrie war das zurückliegende Jahr nicht einfach - mit dieser Aussage hat BASF - Chef Jürgen Strube vollkommen Recht. Kaum hatte sich die Branche von der Asienkrise einigermaßen erholt, brachten Ölpreissteigerungen und die beginnende Flaute in den USA erneut Sorgenfalten auf die Stirn der Chefs von BASF, Bayer, Celanese und Co. Das laufende Jahr dürfte für die Branche wegen der vielen Unwägbarkeiten nicht minder schwierig werden. Den optimistischen Prognosen der Chemiemanager sollten Finanzinvestoren daher mit Vorsicht begegnen.

Da ist zunächst der Ölpreis, der ein problematischer Faktor bleibt. Entscheidend für die Chemieindustrie ist die Konstanz des Ölpreises, damit sie mit einer verlässlichen Kosten- und Preissituation planen kann - das gilt für sämtliche auf Öl basierende Chemieprodukte wie etwa Kunststoffe. Unternehmen und Analysten rechnen zwar durchweg mit einem Einpendeln des Ölpreises bei etwa 25 Dollar pro Barrel. Doch hat der Ölpreis in den vergangenen Monaten bewiesen, dass er zu heftigen Kapriolen fähig und daher schwer zu prognostizieren ist.

Letzteres gilt auch für die konjunkturelle Entwicklung in den USA, die ein Schlüsselfaktor für die gesamte Chemiebranche ist. Über die Situation in den Vereinigten Staaten und vor allem über den konjunkturellen Ausblick für dieses Jahr gehen die Meinungen weit auseinander. Fakt ist, dass sowohl Bayer als auch BASF momentan die Wachstumsdelle in Nordamerika spüren.

Zwar sind die Chemieunternehmen unterschiedlich von der US-Konjunktur direkt betroffen - so macht etwa BASF rund 60 Prozent des Umsatzes in Europa. Eine anhaltende Schwäche in den USA wirkt sich indirekt jedoch auf alle Chemieunternehmen sehr deutlich aus, wenn wichtige Kundenindustrien wie die Stahl-, Automobil- und Konsumgüterbranche im momentanen Sog der US-Konjunktur schwächeln und deren Nachfrage nach Kunststoffen oder Lacken sinkt.

Die Hoffnungen der Chemiebranche ruhen auf zwei optimistischen Annahmen: darauf, dass die Wirtschaft in Nordamerika im zweiten Halbjahr wieder anspringt, denn dann dürfte die Chemie als frühzyklische Branche davon als Erste profitieren. Und darauf, dass die Märkte in Asien und Europa durch eine robuste Nachfrage in den nächsten Wochen eine Brücke für weiteres Wachstum bilden.

Doch vor allem die Entwicklung in Asien muss kritisch eingeschätzt werden: Für Japan zeichnen Experten momentan ein düsteres Bild der Wirtschaftslage. Die dortige Konjunkturschwäche kann sich schnell auf die Nachbarstaaten in Südostasien auswirken und die Hoffnungen der Chemieindustrie dämpfen. Asien bleibt immer für eine Überraschung gut.

Die nähere Zukunft der Chemiebranche ist also von einigen Unsicherheitsfaktoren geprägt, die sich auch hemmend auf die zuletzt gestiegenen Aktienkurse der Chemiekonzerne auswirken dürften. In dieser Lage bleibt es Herausforderung der Unternehmen, den internen Umbau voranzutreiben und sich auf Geschäfte zu konzentrieren, in denen man führende Positionen auf dem Weltmarkt einnimmt. Herausforderung bleibt es zudem, sich weltweit so breit aufzustellen, dass auch bei regionalen Konjunkturschwächen recht stabile Erträge eingefahren werden.

Wenn die Chemieunternehmen diesen Weg konsequent verfolgen und dabei Erfolge vorweisen, geht das an der Börse nicht vorbei. Die jüngsten Kurssteigerungen bei vielen Chemieunternehmen beweisen, dass Investoren durchaus an der Chemie interessiert sind und an die Zukunftsfähigkeit der Branche glauben - trotz aller konjunkturellen Unwägbarkeiten.

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