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Bei Protesten gegen Treibstoffpreise deutet sich Entspannung an

Erst am Abend zeichnete sich eine Entspannung der Nur der kleinste Verband der Transportunternehmen, die UNOSTRA, beharrte weiterhin auf seinen Blockade-Aktionen, nachdem er das Angebot zur Steuersenkung der Dieselpreise als unzureichend abgelehnt hatte. Die Mitglieder der beiden anderen Speditionsverbände begannen schrittweise, die Blockaden abzubauen.

dpa LONDON/PARIS. Britische Lkw-Fahrer, Bauern und Taxifahrer setzten Freitagabend ihre vereinzelten Proteste gegen steigende Benzinpreise fort. Etwa 100 Lastwagen und Traktoren beteiligten sich an einem «Go-slow» auf einer Autobahn bei Newcastle im Nordosten Englands. Die Protestaktionen haben in Deutschland der Diskussion über die hohen Benzinpreise neuen Auftrieb gegeben.

Nach einer neuen Verhandlungsrunde mit den ebenfalls protestierenden französischen Bauernverbänden zeigte sich Landwirtschaftsminister Jean-Claude Glavany am Abend optimistisch, dass die Barrikaden abgebrochen werden. Die Regierung habe den Landwirten Steuererleichterungen in Höhe von 450 Millionen Franc (umgerechnet 136 Millionen Mark) rückwirkend zum 1. Januar 2000 angeboten, teilte Glavany mit. Ob sie den Vorschlag akzeptieren und ihre Protestaktionen einstellen, wollten die Bauernverbände erst nach Rücksprache mit ihren Mitgliedern bekannt geben.

Appelle der französischen Regierung und die Anordnungen der beiden anderen Fuhrunternehmerverbände Frankreichs, die das Land lähmenden Blockaden der Raffinerien und Treibstoffdepots zu beenden, waren zunächst an der Basis auf Widerstand gestoßen. In vielen Regionen herrschte außerdem Unklarheit, ob die Aktionen weitergeführt werden sollen oder nicht. Die Straßenverkehrswacht zählte am frühen Freitagabend noch 116 Protestaktionen im ganzen Land, darunter Straßen- und Gleisblockaden sowie Barrikaden zu verschiedenen Stadtzentren. Auch waren bis zum Abend noch 112 Treibstoff-Depots und Raffinerien blockiert.

Die Situation an den Tankstellen verschärfte sich kurz vor dem Wochenende dramatisch. Aus den östlichen Regionen Frankreichs wurde gemeldet, es gebe «keinen Tropfen Benzin» mehr. Etliche Großtankstellen auf den französischen Autobahnen standen kurz vor der Schließung, vor allem in der Provence und im Raum Lyon. Dieselbenzin gab es nur noch an einzelnen Autobahntankstellen.

Die Protestaktionen hatten unterdessen auch andere Folgen: In vielen Städten wurde auf Grund des Benzinmangels bei den Stadtreinigungen der Müll nicht mehr abgeholt. Außerdem mussten mehrere regionale Fußballspiele am Wochenende abgesagt werden, weil die Mannschaften keine Möglichkeit sahen, zu den Spielorten zu gelangen. Am Abend erreichte die Protestwelle auch die Binnenschifffahrt auf der Seine. Im Departement Seine-et-Marne, südlich von Paris, blockierten 30 Frachtkähne die Seine in der Höhe von Saint-Mammes.

In Großbritannien beriefen sich die Anführer der spontanen Protestaktionen gegen die hohen Benzinpreise auf die Streiks in Frankreich. David Handley, Vorsitzender der Gruppe «Farmer für Aktion», sagte am Freitag einen «Winter der Unruhen» voraus. Die Proteste hatten in der Nacht zum Freitag mit der Blockade einer Shell-Raffinerie in Stanlow (Cheshire) begonnen. Großbritannien hat die höchsten Benzinpreise in der EU.

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